Obwohl sie bereits mehr als tausend Jahre alt ist, bleibt sie stets im Gespräch: Um die Bibel ranken sich dank neuester Forschungen mehr Mythen als jemals zuvor. Doch was ist dran an versteckten Codes und kuriosen, neu entdeckten Texten der "Heiligen Schrift"?

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Jesus, der verheiratete Familienvater

Der israelische Filmemacher Simcha Jacobovici und der kanadische Religionswissenschaftler Barrie Wilson erschütterten im Jahr 2014 die Gemüter der Kirche: In ihrem Buch "The Lost Gospel" veröffentlichten sie Untersuchungsergebnisse zu einem alten Manuskript, die ein völlig neues Licht auf das Leben Jesu werfen. Die mehr als 1.500 Jahre alten Dokumente, die sich seit zwei Jahrzehnten im Besitz der British Library befinden, beschreiben Jesus als verheirateten Familienvater.

Sechs Jahre lang erforschten Jacobovici und Wilson die Schriften und sind sich sicher: Bei diesem Manuskript handelt es sich um ein fünftes Evangelium, das anhand eines eigenen Codes spektakuläre Details zu Jesus Christus offenbart. Demnach soll Gottes Sohn auf Erden tatsächlich mit Maria Magdalena verheiratet gewesen sein und mit ihr zwei Söhne gehabt haben.

Obwohl diese Theorie ihre Lehren ins Wanken bringt, haben sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche nie wirklich Stellung zu den Forschungsergebnissen genommen.

Ein Papyrus-Fund von 2012, das als das "Evangelium der Frau Jesu" bekannt wurde, beschäftigte sich ebenfalls mit dem bislang quasi unbekannten Leben von Jesus Christus. Wissenschaftler der Harvard Universität bestätigten 2014 die Echtheit des Fragments.

Geheim und gefährlich: Verschollene Bücher der Bibel

Die fünf Bücher Mose sind vermutlich noch jedem ein Begriff. Die zehn Plagen, Moses Auszug aus Ägypten und viele Geschichten mehr finden sich in diesen Teilen der Bibel. Doch was viele nicht wissen: Es gibt noch einen weiteren Teil, das siebente Buch Mose. Entgegen der Erwartung handelt es sich hierbei allerdings nicht um einen verschollenen Teil der Bibel, sondern um geheime wie auch gefährliche Lektüre aus dem Bereich des Okkulten.

Hierin sollen sich magische Rituale von Moses am Hofe des Pharaos ebenso befinden wie Anleitungen für Zaubertränke und anderes geheimes Wissen. Da das Buch angeblich eine Verbindung zwischen dem Leser und dem Teufel herstellen soll, wird es meist als sehr gefährlich beschrieben.

Wer es liest, soll zwar auf dunkle Kräfte zugreifen können, dafür aber eines Tages einen hohen Preis zahlen müssen. Das zumindest erzählen sich die älteren Generationen – und natürlich die Anhänger thematisch einschlägiger, verschwörerischer Internetforen.

In den 1970er-Jahren wurde in Ägypten eine Schrift gefunden, die heute als "Judas-Evangelium" bekannt ist. Damals vermutete man, dass dies ein geheimes, verschollenes Evangelium der Bibel sein könnte. Nach langjährigen Untersuchungen steht aber fest: Es soll sich vielmehr um eine Art "Gegenbibel" handeln, die auf eine gnostische Sekte aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. zurückgeht.

Thomas Söding, Professor für neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum, schätzte das "Judas-Evangelium" 2006 als "religionsgeschichtlich interessant, aber nicht sensationell" ein. Mit heimlichen Informationen zu Jesus' Verrat durch Judas habe das Werk allerdings nichts zu tun.

So genannte "apokryphe Evangelien" wie das des Judas tauchen seit Jahrhunderten immer wieder auf. Ob es sich dabei aber tatsächlich um gefährliche Schriften handelt, die zu brisant sind, um offiziell Teil der Bibel zu sein, bleibt weiterhin umstritten.

Kryptischer Code für historische Ereignisse: die Johannes-Offenbarung

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass es in der sogenannten Apokalypse versteckte Botschaften gibt, die auf Naturkatastrophen und andere historische Ereignisse der Zukunft hindeuten. Die geheime Offenbarung des Johannes, das "Buch mit sieben Siegeln", enthält verworrene Bilder und kryptische Textstellen, die auf den ersten Blick mehr Rätsel aufgeben als sie Lösungen anbieten.

Doch das Buch soll sich aus unterschiedlichen Codes zusammensetzen, die Feuersbrünsten und grausamen Schlachten des Weltuntergangs konkrete Bezüge zuordnen.

So lässt sich etwa die Geschichte vom Drachen, der mit der Zahl 666 gekennzeichnet ist und den Teufel verkörpert, anhand hebräischer Zahlschrift entschlüsseln. Jedem hebräischen Buchstaben ist ein bestimmter Zahlenwert zugeteilt. Erforscher der Schriften wollen herausgefunden haben, dass sich hinter der Zahl 666 ein Name verbirgt: Kaiser Nero.

Dieser ergibt – in Hebräisch geschrieben – in seiner Summe die berühmten satanischen Ziffern und soll, versteckt in der Geschichte des Johannes, für die Grausamkeiten des Römischen Reiches verantwortlich gemacht werden. Solche Codes, die in direkter Verbindung mit Ereignissen der damaligen Zeit stehen sollen, finden sich in der Offenbarung zuhauf.

Angeblich wurden dem Autor der Apokalypse die Geheimnisse Gottes für das letzte Buch der Bibel übrigens von einem Engel diktiert. Doch bereits die Frage, ob es sich bei Johannes um denselben handelt wie beim Verfasser des Johannes-Evangeliums, lässt sich nicht eindeutig mit "ja" beantworten.

Angeblich unterscheiden sich Wortwahl und Satzbau von Evangelium und Offenbarung zu gravierend voneinander, als dass es sich wirklich um dieselbe Person, nämlich einen der zwölf Apostel, handeln könnte. Das ergeben neueste Forschungen von Professor Söding, die er unter anderem im Gespräch mit der ZDF-Sendung "Terra X" vorgestellt hat.

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