Hassrede im Netz – "Hate Speech"

Das Internet bietet uns die Möglichkeit, unsere Meinung kundzutun und uns mit Gleichgesinnten auszutauschen. Aber: Das gilt genauso für hasserfüllte Menschen. Und was dabei herauskommt, nennt sich "Hate Speech".

Was ist Hate Speech?

Es geht schnell, einfach, anonym – und schon kursiert ein wütender Kommentar oder ein diskriminierender Post im Netz. Vor allem in sozialen Medien werden nicht nur lustige Videos hochgeladen: Auch Fake News, Verschwörungstheorien und  rechtsextreme Inhalte werden gepostet. Tendenz steigend, wie sich z. B. hier nachlesen lässt.

Besonders durch die im Netz herrschende Anonymität ist die Hemmschwelle niedriger, verletzende Beiträge zu veröffentlichen – im realen Leben hingegen werden entsprechende Meinungen in der Regel weniger offen vertreten. Das Internet bietet also die perfekten Voraussetzungen für Menschen, die ihre Aversionen und Feindseligkeit gegen jegliche Andersartigkeit "ausleben" möchten – und dabei unerkannt bleiben wollen.

Hate Speech – oft unterschwellige Meinungsmache

Aber nicht jeder Beitrag, der negative Aussagen oder Kritikpunkte beinhaltet, ist direkt als Hate Speech erkennbar. Es ist sogar teilweise schwierig, das Ganze klar von schwarzem Humor abzugrenzen – denn nicht selten wird Hassrede als z. B. harmloses Meme getarnt. Das Problem daran: Es handelt sich häufig um subtile Meinungsmache.

Kinder und Jugendliche leichte Opfer

Speziell Kinder und Jugendliche sind dafür potentielle Opfer, da sie sich leichter beeinflussen lassen und die Ausmaße ihres Handelns noch nicht richtig einschätzen können. Äußert z. B. eine Influencerin ihre Abneigung gegen eine Personengruppe, schließen sich ihre euphorischen Follower schnell mal mit bösartigen Kommentaren und Zuspruch via Like-Button an.

Definition von Hate Speech

Es gibt keine offizielle Definition der Hassrede. Jedoch gibt es bestimmte Punkte, anhand derer sich Hate Speech charakterisieren lässt:
 
  • (Bild-)Sprache wird als Waffe eingesetzt, um Menschen verbal anzugreifen und soll ihnen ihren Wert absprechen. Die Menschenwürde wird missachtet.
  • Es werden diskriminierende Aussagen gemacht.
  • Die verbalen Attacken werden häufig nur subtil angedeutet – z. B. durch scheinbar humoristische Äußerungen. Oft werden sie aber auch sehr eindeutig kommuniziert.
  • In einigen Fällen wird zu Gewalt gegenüber den Betroffenen aufgerufen.

Wer sind die Opfer?

Hate Speech ist ein Weg, um menschenfeindliche und antidemokratische Propaganda zu verbreiten – und zielt dabei auf Personengruppen mit spezifischen Attributen ab. Die Ursache von Hate Speech ist häufig:
 
  • Rassismus
  • Hass gegen Religionen oder Weltanschauungen
  • Homo-/Transphobie
  • Behindertenfeindlichkeit
  • Soziale Herkunft
  • Sexismus
Dabei werden oftmals auch diejenigen, die jene Personengruppen in Schutz nehmen oder für deren Rechte einstehen, Ziel von Hassrede.

Doch wie kann man Hate Speech überhaupt erkennen? Typisch für Hassrede sind:
 
  • Verallgemeinerungen
  • Stereotypen
  • Gleichsetzungen, z. B.: Homosexualität = Pädophilie
  • "Wir"/"die"-Sprache

Der richtige Umgang mit Hassrede

Mittlerweile ist Hate Speech keine Seltenheit mehr: Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass etwa 73 Prozent der befragten Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland Hass im Netz schon gesehen oder erlebt haben. Und laut einer Studie aus dem Jahr 2022 wurden 24 Prozent der befragten Personen bereits Opfer von Hate Speech.

Es ist also unabdingbar, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und sich und andere dafür zu sensibilisieren. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen muss verstärkt Aufklärung geleistet werden.

Aber welche konkreten Möglichkeiten gibt es, mit Hate Speech umzugehen?

1. Anzeige erstatten

Hate Speech ist kein festgelegter Begriff oder juristisch definiert – jedoch gibt es Paragrafen im Strafgesetzbuch, um gegen Hetze vorzugehen. Unter bestimmten Bedingungen kann Hate Speech also auch strafrechtlich verfolgt werden, z. B. wenn Gewaltaufrufe oder Drohungen enthalten sind oder der Straftatbestand der Volksverhetzung gegeben ist. In solchen Fällen können Sie Hate Speech (auch anonym) bei der Polizei anzeigen – je nach Bundesland auch online bei der Internetwache.
 
Anmerkung: Hierbei ist es sinnvoll, die diskriminierenden Posts mit Screenshots zu dokumentieren. Wichtig sind Infos über die Webseite, Datum und Uhrzeit, und vor allem die URL des Profils und Posts.

2. Melden

Bei den meisten Social-Media-Plattformen können Sie entsprechende Inhalte direkt und unkompliziert melden – das erfordert lediglich ein paar Klicks. Und seit diesem Jahr sind die Betreiberinnen und Betreiber der sozialen Netzwerke dazu verpflichtet, nicht nur die gemeldeten Hassdelikte binnen 24 Stunden zu löschen, sondern sie auch an das Bundeskriminalamt weiterzuleiten. Sie selbst haben zusätzlich auch noch die Möglichkeit, solche Inhalte hier zu melden.

3.  Mit Gegenrede neue Perspektiven eröffnen

Mit der sogenannten Counter Speech ergreifen Sie aktiv das Wort gegen Hass und Hetze im Netz. Dabei sollten Sie jedoch Vorsicht bei der Wortwahl walten lassen: Auf Hass mit Hass zu reagieren, ist wie Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Stattdessen sollten Sie in freundlichem bzw. neutralem Ton formulieren, dass für Diskriminierung kein Platz ist oder mit sachlichen Argumenten kontern.

Dabei geht es nicht unbedingt darum, die Haterinnen und Hater umzustimmen − es wird Ihnen vermutlich auch nicht gelingen. Es ist eher Sinn und Zweck, den Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Solidarität und Empathie sind hier das Stichwort. Für die stillen Mitlesenden ist es wichtig, eine andere Perspektive eröffnet zu bekommen und nicht nur mit Hass konfrontiert zu werden.
 
Sind Cybermobbing und Hate Speech das Gleiche?

Beide Tatbestände umfassen verachtendes und abwertendes Verhalten im Internet – mit dem Ziel, den Opfern zu schaden. Jedoch gibt es dabei einen Unterschied: die Motivation dahinter. Hate Speech kann sich zwar auch gegen Einzelpersonen richten, allerdings bezieht sich der Hass nicht auf das Individuum selbst, sondern auf dessen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Personengruppe (Beispiele s. oben).

Indes ist bei Cybermobbing oft eine Beziehung zwischen Täter/in und dem einzelnen Opfer im analogen und digitalen Leben vorhanden.
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Quellen:

https://www.bayern.de/neue-umfrage-liefert-erschreckende-zahlen-zu-erfahrungen-mit-hate-speech-gewaltschutz/ Stand: 25.11.2022
https://www.das-nettz.de/publikationen/forsa-befragung-hate-speech-2020 Stand: 25.11.2022
https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/studie-mehr-menschen-von-hassrede-im-internet-betroffen-als-noch-vor-zwei-jahren-2022-08-29 Stand: 25.11.2022
https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__130.html Stand: 25.11.2022

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Internet

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