Deutsche Diesel sind gefragt wie lange nicht mehr – in Ost- und Südeuropa. Die Exporte gebrauchter Autos in diese Länder schnellen derzeit nach oben. Ein Hochschulinstitut hat genaue Zahlen ermittelt.

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Während hierzulande Selbstzünder zunehmend in Verruf geraten, greifen Schnäppchenjäger im Ausland gerne zu. Innerhalb eines Jahres stiegen die Exporte von gebrauchten Dieselautos in andere EU-Länder um 20,5 Prozent auf 239.514 Fahrzeuge. In Osteuropa ist die Nachfrage nach deutschen Dieseln am größten. Das das geht aus Zahlen des „Export-/Import-Seismografen" hervor, der auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes erstellt wird.

Niedrige Zölle erleichtern die Einfuhr

"Neben den EU-Ländern Kroatien, Slowenien, Bulgarien und Rumänien gehen ältere Dieselfahrzeuge auch in die Ukraine", sagt Christian Kille vom Institut für Angewandte Logistik der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, das den Seismografen berechnet.

Gerade in der Ukraine ist die Nachfrage nach deutschen Dieseln besonders hoch. Dorthin haben sich die Verkäufe innerhalb kürzester Zeit mehr als verdoppelt. „Offenbar wegen der lockeren Einfuhrbestimmungen und des relativ niedrigen Zollsatzes von 7,3 Prozent für Gebrauchtwagen aus der EU“, erklärt Kille. Den zweitgrößten Anstieg der Importe aus Deutschland stammender Diesel verzeichnet Kroatien mit einem Plus von 89 Prozent.

In Rumänien stieg die Nachfrage um 26,8 Prozent, in Bulgarien um 27,7 Prozent, in der Slowakei um 29,0 Prozent und in Tschechien um 28,9 Prozent. Von den erfassten osteuropäischen Ländern blieb nur in Polen die Begeisterung für Diesel-Schnäppchen aus Deutschland mit plus 8,9 Prozent vergleichsweise verhalten.

Auch in West- und Südeuropa lebhafte Nachfrage

Die Käufer in den Märkten West-, Mittel- und Südeuropas sind etwas anspruchsvoller und bevorzugen neuere Diesel. Stark gestiegen sind die Importe von Dieselautos in Spanien (+31 %), Österreich (+41 %) und Frankreich (+34 %). „Für Schnäppchenjäger im Ausland gibt es aktuell eine gute Möglichkeit, günstig an einen Diesel zu kommen“, meint Christian Kille.

Sinkende Nachfrage nur in Norwegen

Auch in den Niederlanden (+16,1 %) und Belgien (+21,0 %) hat man bei günstigen Dieseln beherzt zugegriffen. Gesunken ist der Export von Dieselautos nur in einem statistisch erfassten Land: in Norwegen mit -26,6 Prozent. In dem Land, das 99 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft gewinnt, werden Elektroautos umfassend gefördert. Sie sind dort oft billiger als Autos mit Verbrennungsmotor – kein günstiger Markt für gebrauchte Diesel.  © 1&1 Mail & Media / CF