Nach Auffassung des in den USA zum VW-Aufseher bestellten Larry Thompson hat der Autokonzern nach der Abgasaffäre intern nicht richtig durchgegriffen. Er vermisst umfassendere personelle Konsequenzen. Der neue VW-Chef Herbert Diess gibt sich einsichtig.

Der nach dem Dieselskandal in den USA eingesetzte Kontrolleur Larry Thompson ist unzufrieden mit der Aufarbeitung des Geschehens bei VW. In einem Papier an das US-Justizministerium, das der Bild am Sonntag vorliegt, bemängelt er zu wenig tief greifende Konsequenzen in Hinsicht auf die beteiligten Manager. Insgesamt ist ihm der VW-Konzern schlicht nicht entschieden genug bei der Behandlung der Affäre.

VW-Aufsicht seit einem Jahr im Amt

Larry Thompson war im April 2017 nach einem Vergleich zwischen Volkswagen und den zuständigen Behörden in den USA eingesetzt worden. Ein Gericht in Detroit hatte eine Vereinbarung zwischen VW und dem US-Justizministerium gebilligt. Teil des Deals waren Strafzahlungen von insgesamt 4,3 Milliarden US-Dollar und eine dreijährige Bewährungszeit. Während dieser Zeit beaufsichtigt der Jurist und ehemalige US-Staatssekretär Larry Thompson die Maßnahmen von VW.

VW-Vorstand will „Compliance ernst nehmen“

In einer internen Versammlung von Führungskräften hat der neue VW-Chef Herbert Diess den ersten Kontrollbericht von Thompson offenbar bereits bewertet. Demnach enthält der Bericht eine "große Anzahl von Empfehlungen und Beobachtungen – positive wie negative". "Wir müssen Ethik und Compliance im Unternehmen ernst nehmen", so Diess. Die Aufsicht sei „eine Chance, um ehrlicher, offener, wahrhaftiger und ein Stück 'anständiger' zu werden".

VW-Manager zu sieben Jahren Haft verurteilt

Wie personelle Konsequenzen für VW-Manager in den USA aussehen können, hatte sich im Dezember 2017 gezeigt. Da wurde der VW-Manager Oliver Schmidt von Richter Sean Cox am Bezirksgericht von Detroit zu sieben Jahren Gefängnis und 400.000 Dollar Geldstrafe verurteilt. Schmidt war von Februar 2012 bis März 2015 in leitender Funktion bei VW in Wolfsburg mit Umweltfragen befasst und hatte gegenüber den US-Behörden falsche Angaben gemacht.

Verhaftet hatten die US-Behörden Schmidt auf der Toilette des Flughafens von Florida, als er mit Ehefrau nach einem USA-Urlaub in die Heimat zurückfliegen wollte. Acht Polizisten führten ihn in Handschellen ab. Vor Gericht musste er im orangeroten Gefängnisanzug sowie in Hand- und Fußfesseln erscheinen. „Ich akzeptiere die Verantwortung für die Fehler, die ich gemacht habe“, erklärte Oliver Schmidt damals. Verurteilt wurde er mit maximaler Härte.  © 1&1 Mail & Media / CF