Facebook kommt wegen des Umgangs mit Daten nicht aus den Schlagzeilen heraus: Offenbar gewährte das soziale Netzwerk Drittanbietern über Partnerschaften Zugriff auf private Daten seiner User.

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Facebook hat zahlreichen Geräteherstellern Zugriff auf persönliche Daten seiner Nutzer gewährt.

Das soziale Netzwerk sei in den vergangenen zehn Jahren mindestens 60 solcher Deals eingegangen, meldet die "New York Times" (NYT) - unter anderem mit Apple, Amazon, Blackberry, Microsoft und Samsung.

Die Vereinbarungen stammen demnach aus einer Zeit, bevor Facebook-Apps für die Mehrzahl der Geräte verfügbar waren. Facebook wollte so seine Reichweite ausbauen.

Laut NYT konnten die Partner damit auch auf persönliche Daten von Freunden von Facebook-Nutzern zugreifen - selbst wenn diese das in ihren Datenschutzeinstellungen explizit ausgeschlossen hatten.

Facebook war im März wegen der Weitergabe von User-Daten unter Druck geraten: Es wurde bekannt, dass die Consulting-Firma Cambridge Analytica über eine App Zugriff auf private Daten von rund 87 Millionen Nutzern bekam - auch von Freunden, die die Anwendung gar nicht genutzt hatten.

Zwar wurde dieses Datenleck geschlossen, die Deals mit Apple, Samsung und anderen Geräteherstellern hatten jedoch weiter Bestand, berichtet die NYT.

Facebook verteidigt Abkommen

In einem Dokument, das Facebook vor einer Anhörung vor dem Bundestag zur Verfügung gestellt hat (Download als PDF), werden die Abkommen nur am Rande erwähnt. Zudem wird nur ein Partner - Blackberry - genannt.

In einem Interview mit "The Times" räumte Facebook später ein, dass es noch weitere Partner hat: Apple und Samsung, die beiden größten Smartphone-Hersteller der Welt, sowie wie Amazon, das unter anderem eigene Tablets herstellt.

Der ehemalige Facebook-Mitarbeiter Sandy Parakilas erklärte, intern sei schon 2012 über die Vereinbarungen diskutiert worden. Demnach sind die Partnerschaften schon damals als Sicherheitsrisiko eingestuft worden.

Parakilas war damals für Drittanbieter-Marketing und Privatsphäre-Compliance verantwortlich.

Hersteller beteuern, Daten nicht genutzt zu haben

Ein Apple-Sprecher sagte der NYT, sein Unternehmen habe die Daten dafür genutzt, seinen Kunden das Posten von Fotos auf Facebook zu ermöglichen, ohne die App öffnen zu müssen. Seit vergangenem September habe man keinen Zugriff mehr.

Blackberry teilte mit, man habe nie Daten von Nutzern abgegriffen. Das Unternehmen stehe seit jeher dafür, Nutzerdaten zu schützen und nicht zu vermarkten.

Microsoft ging nach eigenen Angaben 2008 eine Partnerschaft mit Facebook ein. Windows-basierte Geräte konnten auf Kontakte zugreifen und Benachrichtigungen erhalten. Ein Sprecher betonte, die Informationen seien lokal auf den Geräten gespeichert und nicht mit Microsoft-Servern synchronisiert worden.

Samsung und Amazon haben keine Stellungnahme abgegeben.

Facebook will Nutzern das Löschen von Daten ermöglichen, die mit Facebook Analysewerkzeugen über sie gesammelt wurden.