Viele Nachrichten, die Sie über das Internet versenden, sind nicht sicher: Sind Inhalte und Übertragung nicht verschlüsselt, kann ein Unbefugter sie abfangen und lesen. Wir zeigen in diesem Ratgeber, wie Sie Nachrichten verfassen und Internettelefonate führen, die vor fremden Blicken geschützt sind.

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Wollen Sie einem Freund schriftlich etwas mitteilen, was nicht jeder wissen soll, schreiben Sie ihm wahrscheinlich eher einen Brief als eine Postkarte. Der ist verschlossen, und die Inhalte kann nur der Empfänger sehen.

Die Kommunikation im Internet ähnelt dagegen oft einer Postkarte: Potenziell kann jeder die Inhalte ansehen, während eine E-Mail oder eine Messenger-Nachricht zum Adressaten transportiert wird.

Anders sieht es aus, wenn Sie die Kommunikation so verschlüsseln, dass nur der richtige Partner den Inhalt entziffern kann. Für alle anderen bleibt er geheim. Das funktioniert heute ohne Aufwand ganz einfach. Viele Dienste haben entsprechende Funktionen schon integriert.

Verschlüsselte Messenger-Nachrichten und Telefonate über das Internet

Mit einem Messenger verschicken Sie Textnachrichten, Bilder und Videos an Kontakte und telefonieren über das Internet. Das ist aber nur sicher, wenn die Dienste eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwenden.

Es gibt dann zwei verschiedene digitale Schlüssel, die zu einem Paar gehören. Der Absender verschlüsselt seine Nachricht mit dem einen Schlüssel, der Empfänger entschlüsselt sie mit dem anderen.

Auf dem Weg dahin enthält die Message unlesbare Zeichen, die sich nicht entziffern lassen. Sie wird erst auf dem Gerät des Empfängers wieder dechiffriert. Auch auf den Servern der Dienste liegt sie nicht im Klartext vor.

Niemand kann sie auslesen - weder ein Unbefugter während der Übertragung noch die Dienste selbst. Von der Verschlüsselung im Hintergrund bekommt der Nutzer nichts mit, sie läuft automatisch ab.

Whatsapp und Facebook Messenger

Der bekannteste und meistgenutzte Messenger Whatsapp verwendet zwar eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Chats und Gespräche. Doch der Dienst hat Nachteile: Zum einen speichert er das Adressbuch seiner Nutzer auf den eigenen Servern. Zum anderen gehört er zum Netzwerk Facebook, das als Datenkrake bekannt ist.

Mit dem Facebook Messenger schreiben Sie von Haus aus keine verschlüsselten Nachrichten. Das klappt nur, wenn Sie eine geheime Unterhaltung starten - und auch nur in den Apps, nicht im Browser. In der Android-App öffnen Sie dazu den Nachrichtenverlauf mit einem Kontakt und tippen auf das i-Symbol.

Im Aufklapp-Menü finden Sie den Punkt "Zur geheimen Unterhaltung". Auf dem iPhone tippen Sie auf der Messenger-Startseite auf den Stift und dann oben rechts auf "Geheim". Sie können jeweils auch festlegen, dass sich Nachrichten nach einer bestimmten Zeit selbst zerstören.

Signal gilt als sehr sicher

Es gibt sicherere Messenger als Whatsapp und den Facebook Messenger. Beide Tools benutzen zur Verschlüsselung das Signal-Protokoll - so wie der gleichnamige Messenger selbst. Signal gilt als sehr sicher: Das Telefonbuch der Nutzer wird nicht auf die Signal-Server geladen, die Inhalte der Nachrichten können nicht ausgelesen werden und die Nutzerprofile sind codiert.

Mit Signal schreiben Sie jederzeit verschlüsselte Textnachrichten oder senden Bilder, Audioaufnahmen, Dateien und den Standort. Auch Gruppenchats sind möglich. Wie in den geheimen Unterhaltungen im Facebook Messenger lassen sich Nachrichten nach einer beliebigen Zeit zerstören.

Eine weitere Besonderheit von Signal: Sie führen damit abhörsichere Telefonate. Das beherrschen auch Whatsapp oder Apples Facetime automatisch. Aber normale Handy-Telefongespräche oder (Video-)Telefonate via Skype und Facebook Messenger sind nicht abhörsicher.

Passen Sie bei allen Telefonaten über das Internet auf: Zuhause geht das gratis über WLAN, unterwegs sollten Sie eine Datenflatrate besitzen, sonst kann es teuer werden.

Weitere Messenger mit sicherer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind Threema oder Telegram sowie Apples Nachrichtendienst iMessage.

Verschlüsselte E-Mails

Sie wollen jemandem Ihre Bankdaten schicken oder vertrauliche Inhalte mitteilen? Das sollten Sie besser mit einer verschlüsselten E-Mail erledigen. Damit stellen Sie sicher, dass Unbefugte die Nachrichten unterwegs nicht abfangen und auslesen können.

Dafür brauchen Sie ein Verschlüsselungsprogramm wie OpenPGP. Es lässt sich in alle möglichen E-Mail-Programme integrieren. Einfacher geht es aber mit den E-Mail-Diensten von WEB.DE und GMX, die die Verschlüsselung schon enthalten. Sie brauchen lediglich das kostenloses Browser-Plugin Mailvelope.

Um eine sichere Nachricht zu verfassen, klicken Sie beispielsweise im GMX-Postfach im Browser auf das grüne Schloss-Symbol neben "E-Mail schreiben". Der Dienst weist sie beim ersten Mal darauf hin, dass Sie eine Browser-Erweiterung herunterladen müssen.

Ein Assistent führt Sie durch die Einrichtungsschritte von Mailvelope. Sie können verschlüsselte Mails auch über die Apps verfassen. Dazu müssen Sie diese Funktion in den App-Einstellungen zunächst aktivieren.

Nach der Einrichtung schreiben Sie die Mail ganz normal und schicken sie ab. Der Empfänger muss kein GMX- oder WEB.DE-Konto besitzen, aber ebenfalls einen Maildienst mit PGP-Verschlüsselung verwenden, zum Beispiel Gpg4win für Outlook. Er erhält eine Nachricht mit einem Buchstabensalat. Erst wenn er sein Schlüsselpasswort eingibt, kann er den Inhalt lesen. Übrigens werden auch die Anhänge chiffriert.

Offenlegung: Auch WEB.DE und GMX bieten verschlüsselten E-Mail-Dienste sowie einen Messenger an.
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