35 Kilo abspecken ohne zu hungern? Attila Hildmann hat genau das geschafft: Erst verzichtete er auf Fleisch, nach und nach auch auf Milchprodukte, Eier oder Honig. Heute gilt der 32-Jährige als Vegan-Guru. Im Interview präsentiert er sein neuestes Abnehmkonzept und verrät, warum die Triät nicht nur gesünder, sondern auch jünger macht.

Herr Hildmann, Sie stellen in Ihrem neuen Buch die Triät vor. Was kann sie besser als eine Diät?

Attila Hildmann: Diäten haben nur eine Komponente: Man nimmt zunächst ab. Das passiert aber oft mit negativen Begleiterscheinungen. Man hat Hunger, steht psychisch unter Stress, leidet an Mangelerscheinungen. Die Triät dagegen hat drei Säulen: Man wird schlanker – allerdings ohne negative Begleiterscheinungen. Man ist komplett gesättigt und fühlt sich gut. Zweitens tut man etwas für seine Gesundheit: Man isst viele Lebensmittel, die reich sind an Antioxidantien, die die Zellen schützen und dadurch sogar Krebs verhindern können. Meditation und Qigong sorgen zusätzlich für mentales Wohlbefinden. Drittens wird man jünger, das biologische Alter verringert sich nachweislich.

Sie sind nach Japan und Italien gereist, um die Ernährung als Jungbrunnen zu erforschen. Was hat Sie am meisten fasziniert?

Das war das großartige Land Japan. Aktuell ist es das Land mit der höchsten Lebenserwartung, deshalb war es die erste Wahl für meine Recherchen. Was ich dort gefunden habe, hatte ich zuvor nie gehört: Meine japanische Dolmetscherin hatte mir von vegan lebenden Mönchen in Kyoto erzählt. Das hat mich erstaunt, da man bisher Japan überhaupt nicht als Veganer-Land betrachtet hat. Aber ich habe Klöster besucht, in denen es seit 850 Jahren eine vegane Kochtradition gibt.

Grundsätzlich werden die Japaner so alt, weil sie schon morgens Gemüse, Miso-Suppe, Algen und Tofu essen. Und sie trinken sehr viel ungezuckerten Grüntee. Das sind verschiedene interessante Komponenten, die ich als Bausteine für "Vegan for Youth" verwendet habe.

Ein europäisches Pendant zu Japan bezüglich der Lebenserwartung ist die italienische Gemeinde Campodimele, das als Dorf der Hundertjährigen bekannt ist. Dort leben die Menschen sehr stressarm – ich habe mich dort sogar ein bisschen gelangweilt – und sie kochen sehr frisch. Sie benutzen viele Kräuter, die reich an Antioxidantien sind, zum Beispiel Salbei.

Sie leben extrem gesundheitsbewusst: Sie ernähren sich vegan, verzichten auf Zucker und Kaffee. Empfinden Sie Ihren Lebensstil als ideal oder gibt es sogar bei Ihnen noch Optimierungsbedarf?

Es gibt immer Optimierungsbedarf. Ich bin ein sehr leistungsorientierter Mensch. Aber ich empfinde meinen Lebensstil gar nicht mehr als Verzicht. Mir geht es wunderbar, meine Haut ist besser geworden, und ich habe mir einen Körper antrainiert, den man bei einem Veganer in der Fitnessbranche nicht für möglich gehalten hätte. Ein Test hat ergeben, dass mein biologisches Alter bei 26 liegt.

Kennen Sie keinen Heißhunger auf Süßes oder Fettiges mehr?

Nein, Heißhunger habe ich zum Glück gar nicht mehr. Das liegt daran, dass ich Lebensmittel vermeide, die ich persönlich als Appetitauslöser ansehe, wie zum Beispiel Zucker, Weißmehl oder gesättigte Fettsäuren. Ich stelle selbst Schokolade oder Fitness-Pralinen her. Die enthalten sehr viele Vitamine und Mineralstoffe, aber nicht die negativen Begleitstoffe, die Heißhunger auslösen.

Nicht alle Menschen wollen sich so strikt ernähren, zum Beispiel nicht komplett auf Fleisch verzichten. Was ist Ihr wichtigster Tipp für ein gesundes Leben und eine gute Figur?

Es geht nicht darum, ob man vegan lebt oder nicht. Jeder Schritt zählt. Ich fände es wichtig, dass wir lernen, richtig gut und lecker mit Gemüse zu kochen. Ich konnte das jahrelang nicht. Ich habe immer mit Fleisch gekocht und als Vegetarier dann überall Käse draufgehauen. Dabei braucht es das gar nicht. Außerdem gibt es für fast alles genussvollen tierfreien Ersatz, der selbst Fleischesser immer wieder verblüfft. Mein veganer Döner hat dem Studio-Publikum bei "Stern-TV" besser geschmeckt als das Schweine-Filet eines bekannten Fernsehkochs. Am Fleisch liegt es also nicht. Man muss aber nicht komplett darauf verzichten, sondern kann sich langsam herantasten. Mit jedem Schritt wird das Leben dabei gesünder und irgendwann packt es einen, wenn man merkt, wie gut es einem plötzlich geht.