• SARS-CoV-2 kann auch bei leichtem Krankheitsverlauf den Herzmuskel schädigen.
  • Erst nach vollständig abgeklungener Erkrankung sollten Patienten wieder Sport betreiben.
  • Ein Experte erklärt, woran man eine Herzmuskelentzündung erkennt und worauf man achten sollte.

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Laut einer Studie zeigt jeder zweite schwer an COVID-19 Erkrankte auch Auffälligkeiten am Herzen. Besonders häufig verursacht das Virus auch Schäden am Herzmuskel. Das kann auch Infizierte mit einem vergleichsweise leichten Krankheitsverlauf betreffen. Diese Symptome weisen auf eine Herzmuskelentzündung hin.

Forscher des University Colleges in London untersuchten das Herz bei 148 schwer an COVID-19 erkrankten Patienten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus. Von ihnen hatte jeder Zweite Auffälligkeiten am Herzen, die zum Teil aber wohl schon vor der Infektion mit COVID-19 vorhanden waren. Ausgewertet wurde im Rahmen der Studie insbesondere der Troponinwert. Dabei handelt es sich um einen Eiweißkomplex, der auf einen Herzinfarkt oder eine Herzmuskelentzündung hinweisen kann. Er war bei vielen der untersuchten Patienten erhöht. Zudem wurden für die Studie Kernspintomographien der Patienten-Herzen gemacht.

Studie: Coronavirus schädigt den Herzmuskel

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass sich der Troponinwert durch eine COVID-19-Erkrankung erhöhen kann, wenn der Körper mit einer übertriebenen Immunantwort auf das Virus reagiert. Zudem belegt die Studie, dass das Herz auch direkt betroffen sein kann. Dies gilt besonders für den Herzmuskel.

"Schon vor einem Jahr kamen Berichte, dass Herzmuskelentzündungen bei COVID-Patienten beobachtet wurden", sagt dazu Professor Thomas Voigtländer im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Virus kann, so Voigtländer, wie beispielsweise Influenzaviren auch, den Herzmuskel betreffen. "Viruserkrankungen beinhalten in der Regel eine Virämie." Dann gelangen Viren ins Blut und so auch in andere Organe. "Durch das bildgebende Verfahren der Kernspintomographie kann über verschiedene Sequenzen nachgewiesen werden, ob ein Ödem, das heißt, eine Wassereinlagerung im Herzen, vorhanden ist", so der Kardiologe. Das sei ein deutlicher Hinweis auf eine Herzmuskelentzündung.

Kürzlich habe zudem eine Studie aus Frankfurt gezeigt, dass auch bei vielen gar nicht so schweren COVID-19-Erkrankungen im Langzeitverlauf noch Hinweise auf Flüssigkeitsvermehrung im Herzen entdeckt wurden. "Die Einordnung dazu ist wissenschaftlich noch nicht abgeschlossen. Sagen kann man aber, dass durch COVID-19 eine Herzmuskelentzündung entstehen kann", so Voigtländer. Die Entzündung kann sowohl Patienten mit schweren Verläufen auf der Intensivstation betreffen als auch Infizierte, die sich zuhause aufhalten und möglicherweise kaum typische COVID-Symptome zeigen.

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SARS-CoV-2 kann auch bei leichten Verläufen Herz angreifen

"Ich hatte eine Patientin, die ist Marathonläuferin und hat COVID gehabt. Sie hatte an der Lunge gar nichts und ist kaum die Treppe mehr hochgekommen wegen einer Herzmuskelentzündung." Bis zum vollständigen Abklingen der Symptome müssen sich Patienten mit Herzmuskelentzündung körperlich schonen.

Zu den Anzeichen einer Herzmuskelentzündung zählen ein Leistungsabfall und die Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Hinzu kommt häufig das Gefühl von Schwäche. Auch kann es zu Luftnot beim Treppensteigen und einem Druckgefühl im Herzen kommen. Letzteres entsteht, wenn der Herzbeutel mitbeteiligt ist. "In vielen Fällen treten bei einer Myokarditis Beschwerden auf, die auch bei anderen sehr viel häufigeren Herzerkrankungen wie der Herzschwäche oder dem Herzinfarkt zu finden sind: So haben drei von vier Patientinnen und Patienten mit Myokarditis Luftnot, jede/r dritte Brustschmerzen und jede/r fünfte Herzrhythmusstörungen", so die Deutsche Herzstiftung. Dauert die Abgeschlagenheit nach einem viralen Infekt länger als gewöhnlich an, sollte die Ursache hierfür ärztlich abgeklärt werden. Das gilt insbesondere nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2.

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Herzmuskelentzündung: Schonen und beobachten sind wichtig

Im Falle einer Herzmuskelentzündung ist es wichtig, die Erkrankung zu beobachten. In vielen Fällen erholt sich das wichtige Organ. "Was wir als Kardiologen sehen, ist, dass die Herzmuskelentzündung nach und nach besser wird. Auch bei den Patienten in der englischen Studie ist meist keine dauerhafte Herzschwäche entstanden", so Voigtländer.

Die Therapie besteht in der Regel aus Ruhe und dem Vermeiden von außergewöhnlichen Belastungen. Patienten auf der Intensivstation werden zudem medikamentös behandelt: "Bei ihnen weiß man, dass Cortison als einziges richtig hilft. Aber die Problematik wird mehr über die Erkrankung der Lunge gesteuert als über das Herz", so Voigtländer. Um einer Herzmuskelentzündung entgegenzuwirken, können zudem hochdosierte Immunglobuline als Infusion verabreicht werden. Dabei handelt es sich um Eiweiße, die als unspezifische Antikörper wirken und die Viren bekämpfen können.

Zudem sind regelmäßige Untersuchungen wichtig, etwa die Blutuntersuchung zur Bestimmung des Troponinwertes, die Herzrhythmuskontrolle über ein Langzeit-EKG sowie die Kontrolle der Herzfunktion mittels einer Ultraschalluntersuchung des Herzens. Ob im Krankenhaus oder zuhause: Eine Herzmuskelentzündung muss erkannt und beobachtet oder behandelt werden. Sonst droht eine dauerhafte Herzschwäche oder im schlimmsten, seltenen Fall, ein plötzlicher Herztod.

Über den Experten: Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer ist Kardiologe und Intensivmediziner. Er ist ärztlicher Direktor am Agaplesion-Bethanien-Krankenhaus, Cardioangiologisches Centrum Bethanien in Frankfurt am Main. Tätig ist er außerdem als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Verwendete Quellen:

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