Die Deutschen wollen mehr Geld für Lebensmittel ausgeben, wenn die Qualität stimmt und es genügend Transparenz gibt. Das zumindest sagt der Ernährungsreport 2018, den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in Berlin vorgestellt hat.

Die Menschen wünschen sich mehr Klarheit, wenn es um die Angaben auf Lebensmitteln geht. Das verdeutlicht der Ernährungsreport 2018. 79 Prozent der Deutschen wollen klare Angaben zu den Inhalts- und Zusatzstoffen, 73 Prozent vertrauen voll und ganz auf das Mindesthaltbarkeitsdatum.

Auch Allergien sollen deutlich öfter bei den Angaben berücksichtigt werden – zumindest wollen 67 Prozent der Befragten Hinweise auf Stoffe, die Allergien auslösen können. Dabei spielt es keine Rolle, um welche Art von Lebensmittel es sich handelt.

Bei Fleisch sind Deutsche empfindlich

Gerade wenn es um Fleisch geht, sind die Deutschen besonders empfindlich: 85 Prozent wollen Angaben zu den Haltungsbedingungen der verarbeiteten Tiere.

Auch die Frage nach genmanipulierten Produkten steht bei den Deutschen weit oben auf der Liste: 81 Prozent fordern hier Aufklärung.

Nun stellt sich die Frage: Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus dem Report, welche Kennzeichnungspflichten gibt es bereits für Lebensmittel und wie gut sind die wirklich?

Tierwohl-Initiative für höhere Qualität

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt möchte die sogenannte Tierwohl-Initiative vorantreiben. Sie soll dafür sorgen, dass Tiere, die unter besseren Bedingungen gehalten werden als es der Standard erfordert, gekennzeichnet werden dürfen.

Schweinen muss demnach 33 Prozent mehr Platz im Stall zur Verfügung stehen, als es die gesetzlichen Anforderungen vorschreiben. Außerdem müssen sie ständigen Zugang zu Raufutter und organischem Beschäftigungsmaterial haben.

Welche Vorschriften gibt es?

Bereits jetzt gelten europaweit für Hersteller Pflichtangaben, die auf Lebensmitteln nicht fehlen dürfen: Die Verbraucher sollen schnell und einfach erkennen, was sie essen, indem beispielsweise Kalorien- und Fettgehalt genannt werden müssen, genauso wie die Angabe über Zutaten, die allergische Reaktionen auslösen können, wie etwa Erdnüsse oder Sellerie.

Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum und die in den Lebensmitteln enthaltenen E-Stoffe müssen auf jedes Etikett, genauso wie die Herkunftsangabe von Fleisch. Hier muss der Schlachter den Aufzuchts- und Schlachtort angeben. Auch auf Eiern muss eindeutig gekennzeichnet werden, woher sie stammen und unter welchen Bedingungen die Hühner gehalten wurden.

Haben die Angaben auf Lebensmittel Tücken?

Was nach einer großen Hilfe beim Kauf von Lebensmitteln klingt, birgt aber Risiken. Denn die Lebensmittelhersteller verstecken die Angaben meist an Stellen auf der Verpackung, an der man kaum nachschaut - und sie drucken sie so klein, dass sie für manche Menschen kaum lesbar sind.

Ebenfalls problematisch: Manche Begriffe sind nicht geschützt und werden zu Marketingzwecken eingesetzt. Zutaten von Produkten, die mit Wörtern wie beispielsweise "Heimat" oder "regional" beworben werden, müssen nicht unbedingt halten, was sie versprechen.

Auf dem Portal "Lebensmittelklarheit" finden Sie eine Übersicht an Produkten, bei denen die Verbraucher in die Irre geführt werden.

Von Verbraucherschützer auch kritisch gesehen ist das GDA-Kennzeichnungssystem, das den täglichen Bedarf an Nährwerten anhand von Portionsgrößen bestimmt. Denn die tatsächlich konsumierten Portionen sind in der Regel deutlich höher, als auf der Packung angegeben. Vergleichen ist dadurch schwer und genaueres Hinschauen nötig.

Welche Vorschläge gab es bisher?

Der Verbraucherschutzverein foodwatch fordert seit geraumer Zeit ein Ampelsystem, das schnell und einfach auf den Nährwertgehalt hinweist und Lebensmittel vergleichbarer macht.

Die britischen Food-Standards-Agency hat hier bereits ein Muster entwickelt, auch in Frankreich wurde das NutriScore-Modell eingeführt, bei der die Nährstoffqualität mithilfe einer fünfstufigen Farbskala auf einen Blick erkennbar ist.

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO die französische Initiative lobte, gab die Bundesregierung in einer Stellungnahme bekannt, dass sie gegen die Vorgaben aus der Lebensmittelinformationsverordnung verstoße. Sie lehnte die Ampel ab, da sie unwissenschaftlich und zu undifferenziert sei.

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