• Bei Kälte ziehen wir unweigerlich die Schultern hoch.
  • Dabei können die Nackenmuskeln verkrampfen und Schmerzen zur Folge haben.
  • Wie kommt es zu diesem Reflex und was können wir dagegen tun?

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Die derzeitige Witterung kann unangenehme Verspannungen auslösen. Wir stehen in der winterlichen Kälte wartend und frierend an der Bushaltestelle, verschränken die Arme oder vergraben sie tief in den Taschen und ziehen automatisch die Schultern nach oben.

Geschieht das über einen längeren Zeitraum, spannt es oft schmerzhaft im Nacken, und auch der Rücken ist häufig in Mitleidenschaft gezogen. Es ist ein verhängnisvoller Reflex, dem wir nur wenig entgegensetzen können.

Evolutionsbedingter Reflex

"Dieses Hochziehen der Schultern, um damit einen 'krummen Rücken' zu bilden, ist ein Reflex, der wahrscheinlich noch aus einer Zeit stammt, als wir behaart und unbekleidet herumliefen und auch nicht frierend an Bushaltestellen gewartet haben", erklärt Martin Buchholz, Facharzt für Chirurgie und Orthopädie in Hamburg.

Durch die gebeugte Haltung wird unsere Körperoberfläche verkleinert und dadurch die Wärmeabstrahlung reduziert.
Diese Haltungsveränderung ist effektiv und unter Evolutionsgesichtspunkten auch sinnvoll.

"Auch das Hochziehen der Schultern bei besonders konzentriertem Arbeiten oder vor dem Computer ist evolutionsbedingt. Es kommt dann zu einer Anspannung und Anpassung der Augenmuskulatur, sodass wir in dem Moment besser fokussieren und damit besser und schärfer sehen können", sagt Buchholz.

Die oberen Trapezmuskeln sind zudem starke Stressindikatoren, das heißt: Bei Belastung oder ängstlicher Erwartung zieht man reflexartig die Schultern hoch – ein natürlicher Schutzmechanismus.

Reflexe sind nicht kontrollierbar

Eine solche Haltung ist jedoch nur kurzfristig zweckmäßig und hilfreich. Langfristige Anspannungen sollten möglichst vermieden werden. Abstellen können wir den Reflex indes nicht.

Reflexe sind automatisch ablaufende Reaktionen, die über Nervenzellen koordiniert werden und dem Schutz unseres Körpers dienen. Sie sind unwillkürlich. Wir müssen einen Reflex nicht bewusst aktivieren, können ihn andererseits aber auch nicht willentlich steuern.

Auf Kältereflex können Schmerzen folgen

Schmerzen im Schulter- und Rückenbereich können daher die indirekte Folge von Kälte sein. Unser Körper ist darauf bedacht, sich konstant auf Betriebstemperatur zu halten, damit die Zellen keinen Schaden nehmen. Weder zu viel Hitze noch direkte Kälte tun uns gut.

Kühlt beispielsweise unsere Muskulatur aus, kann sie verhärten. Sie ist dann verspannt und verweigert ihren Dienst. Ein steifer Hals kann zum Beispiel die schmerzhafte Folge sein.

Verspannungen entstehen aber auch durch eine falsche Körperhaltung. Bei einer einseitigen, starren Haltung mit hochgezogenen Schultern wird die Rückenmuskulatur nicht mehr ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt - und verhärtet.

Verspannungen vorbeugen

"Aktiv können wir nur durch eine bewusste Haltungsänderung mit anderen Bewegungsmustern entgegenwirken", betont Buchholz. "Strecken Sie den Rücken, kreisen sie die Arme, schütteln Sie sich, bleiben Sie allgemein in Bewegung."

Wer den ganzen Tag konzentriert am Bildschirm sitzt, "sollte schauen, dass der Arbeitsplatz ergonomisch korrekt eingerichtet ist - also dass der Blickwinkel zum Bildschirm, die Sitzhöhe und die Beleuchtung passen", rät der Orthopäde.

Auch eine monotone Sitzhaltung sollte so oft wie möglich zu unterbrochen werden: häufiger aufstehen, im Stehen telefonieren und sich immer wieder bewusst gerade hinzusetzen.

Hochgezogenen Schultern bei kalten Außentemperaturen kann man auch mit Wärme vorbeugen. Sprich: Wer temperaturgerecht gekleidet ist, der friert nicht so schnell und behält dementsprechend seine natürliche aufrechte Haltung bei. Gegen Zugluft schützt ein Schal oder eine Mütze.

Was tun bei Verspannungen?

Ob nun durch Kälte oder Fehlhaltungen - ist der Nacken einmal steif, versuchen Sie nicht, ihn ruhig zu halten. Führen Sie kleine Bewegungen in dem Bereich aus, in dem Sie keine Schmerzen haben. Streichen Sie mit sanftem Druck über die schmerzende Stelle und versuchen Sie dabei, dem betroffenen Muskelstrang zu folgen. Dort, wo die Verspannung am größten ist, können Sie mit kleinen kreisenden Bewegungen die Massage intensivieren.

Probieren Sie Wärme oder Kälte aus – Wärmflasche oder Coolpack. Hier gibt es kein falsch oder richtig. Handeln Sie nach ihrem Gefühl. Sie werden merken, was Ihnen gut tut.

Normalerweise klingen Verspannungen nach einigen Tagen von alleine wieder ab. Sollte der Zustand jedoch länger als eine Woche anhalten, große Schmerzen verursachen oder regelmäßig wiederkehren, ist es ratsam, einen Arzt bzw. eine Ärztin aufzusuchen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Experteninfo: Dr. med. Martin Buchholz ist Facharzt für Chirurgie und Orthopädie, ehemaliges Vorstandsmitglied im Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) und Experte für die Aktion Gesunder Rücken (AGR e. V.). Der niedergelassene Orthopäde praktiziert mit seinem Team in Hamburg im Zentrum für Orthopädie die gesamte nicht-operative Orthopädie
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