• In einem Seniorenheim sind vor einiger Zeit sechs ältere Menschen gestorben, die geimpft und trotzdem mit dem Coronavirus infiziert waren.
  • Eine Impfung schützt vor einer Vermehrung der Viren im Körper, nicht vor einer Infektion.
  • Bei den bislang registrierten Todesfällen nach einer Impfung waren wohl meist andere Erkrankungen die Todesursache.

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Über die drei in der EU zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca ist in den vergangenen Monaten viel berichtet worden: Zu Beginn wurden die Erfolge vermeldet, dann ging es zunehmend um Lieferengpässe, Nebenwirkungen und die Verhandlungsstrategien von Pharmakonzernen.

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Da nun - langsam, aber sicher - immer mehr Menschen geimpft werden, rücken jedoch auch wieder Fragen nach der Wirksamkeit und Nebenwirkungen der Impfstoffe in den Vordergrund. Zumal nach Meldungen wie der, dass sich sechs ältere Menschen in einem Seniorenheim mit SARS-CoV-2 infiziert haben und verstorben sind - obwohl sie schon mit zwei Dosen geimpft waren.

Schützt eine Impfung vor einer Infektion?

Nein, auch eine geimpfte Person kann sich anstecken. Das heißt, die Viren können zum Beispiel in den Nasen- oder Rachenraum gelangen. Allerdings stoppt ein durch eine Impfung vorbereitetes Immunsystem die Vermehrung dieser Viren schneller als ein unvorbereitetes - und verhindert so auch, dass die Viren weiter durch den Körper wandern und dort Schaden anrichten, etwa in der Lunge.

In welchem Abstand werden die beiden Dosen verimpft?

Bei dem Impfstoff von Biontech/Pfizer, der Comirnaty heißt, empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) , die zweite Dosis drei bis sechs Wochen nach der ersten zu geben. Bei dem Moderna-Vakzin mit dem Namen COVID-19 Vaccine Moderna sind es vier bis sechs. Bei dem von Astrazeneca, dem COVID-19 Vaccine AstraZeneca, sind es zwölf Wochen. Es sollten auf jeden Fall zwei Dosen mit dem gleichen Impfstoff verabreicht werden, nicht zwei verschiedene.

Wann ist der vollständige Impfschutz aufgebaut?

Bei dem Impfstoff von Biontech/Pfizer passiert das spätestens sieben Tage nach der zweiten Impfung, bei dem von Moderna nach 14 Tagen, bei dem von Astrazeneca nach 15 Tagen. Nach Ablauf dieser Zeit liegt der Impfschutz bei Biontech/Pfizer und Moderna bei rund 95 Prozent. Bei Astrazeneca nimmt der Impfschutz offenbar zu, je größer der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis ist. Bei einem Zwölf-Wochen-Abstand liegt er bei rund 82 Prozent.

Nach wie vor ist für alle Impfstoffe unklar, wie lange der Schutz vorhält. Auch weiß man immer noch nicht, wie ansteckend geimpfte Menschen, die sich infiziert haben, für andere sind. Allerdings legen Beobachtungen aus Tierversuchen und einer Phase-3-Studie eines anderen Impfstoffes laut RKI nahe, dass geimpfte infizierte Menschen weniger ansteckend sind als ungeimpfte infizierte.

Gibt es Menschen, bei denen die Wirksamkeit des Impfstoffs schwächer ist als bei anderen?

Bei Menschen mit Immunsuppression kann die Wirksamkeit geringer sein. Das sind zum Beispiel Menschen, bei denen wegen Rheumas oder nach einer Transplantation das Immunsystem absichtlich heruntergefahren wird, um Überreaktionen zu vermeiden.

Auch bei all jenen, die eine Chemotherapie hinter sich haben, kann ein Impfstoff schwächer wirken als bei gesunden. Keine Einschränkungen gebe es hingegen für Menschen mit einer HIV- oder einer Hepatitis-Infektion, sagt die Direktorin des Instituts für Virologie an der TU München und des Helmholtz Zentrums München, Ulrike Protzer.

Wie hoch ist der Impfschutz nach der 1. Dosis?

In den Impfstoff-Studien vor der Zulassung der Vakzine wurden zwischen 50 und 80 Prozent ermittelt. Allerdings bewertete die Ständige Impfkommission (STIKO) diese Zahlen als nur bedingt aussagekräftig.

Eine neue Studie aus Großbritannien lieferte vor einigen Tagen folgende Zahlen speziell für ältere Menschen: 60 bis 73 Prozent Schutz beim Astrazeneca-Impfstoff, 61 Prozent bei Biontech. Bislang kann man wohl nur sicher sagen, dass die zweite Dosis den Impfschutz noch einmal erheblich erhöht.

Astrazeneca: Dritter Corona-Impfstoff mit Lieferengpässen

Die Corona-Impfungen sollen mehr Fahrt aufnehmen - dazu soll auch der nächste Impfstoff beitragen, der kurz vor der Zulassung in Europa steht. Nicht nur bei den Liefermengen gibt es aber ungeklärte Punkte. Vorschaubild: picture alliance/dpa/PA Wire

Menschen mit Vorerkrankungen sind bei COVID-19 besonders gefährdet - können sie ohne Bedenken geimpft werden?

Die meisten Vorerkrankungen stehen einer Impfung nicht entgegen. Im Gegenteil: Für diese Menschen wird sie erst recht empfohlen, weil sie ein besonders hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben. Mit verstärkten Nebenwirkungen müssten sie nicht rechnen, sagte die Virologin Ulrike Protzer zu unserer Redaktion.

Es gibt allerdings einen Grund, der einer Impfung medizinisch entgegenstehen könnte: nämlich eine Allergie gegen Bestandteile des Impfstoffes.

Folge kann eine sogenannte anaphylaktische Reaktion sein, die von einem Juckreiz bis hin zu Atemnot und Kreislaufversagen reichen kann. Bei starken Reaktionen wird mit Adrenalin behandelt, das in der Regel sehr schnell wirkt. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat bei knapp sechs Millionen Impfungen 100 solche Verdachtsfälle registriert. Möglicherweise war der Wirkstoff Polyethylenglykol (PEG) hier der Auslöser.

Für Personen mit anderen Allergien wie Heuschnupfen oder auch für Menschen mit Asthma oder Neurodermitis besteht laut PEI kein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen.

Was sind die bekannten Nebenwirkungen der Impfstoffe?

Die Impfreaktionen und Nebenwirkungen lassen sich grob in zwei Gruppen unterteilen: die äußerlichen und die innerlichen. Zu den äußerlichen zählen vorübergehende Schmerzen, Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle. Zu den innerlichen (in der Fachsprache: systemischen) gehören vor allem Kopfschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit.

In den Studien vor der Zulassung der Impfstoffe kamen insbesondere Schmerzen an der Einstichstellen, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen relativ häufig vor - wobei man sagen muss, dass die Symptome auch nicht wenige Teilnehmer aus der Placebo-Gruppe hatten. Das Paul-Ehrlich-Institut erfasst die Meldungen über Nebenwirkungen und hat am 4. März seinen jüngsten Sicherheitsbericht dazu herausgebracht, der alle Meldungen seit dem Impfstart bis Ende Februar umfasst.

Insgesamt gab es rund 12.000 Meldungen über Nebenwirkungen, davon waren rund 3.300 "schwerwiegend", wurden also medizinisch behandelt. Sie kamen bei Biontech und Moderna ungefähr gleich häufig vor, nur bei Astrazeneca waren es etwas mehr, wozu das PEI schreibt: Es sei nicht sicher, dass der Impfstoff mehr Nebenwirkungen habe, "da die erhöhte Melderate auch mit der erhöhten medialen Aufmerksamkeit für den Impfstoff und den unterschiedlichen Altergruppen der geimpften Personen zusammenhängen könnte."

Auch seien viele Meldungen "als gefühlt schwerwiegend gemeldet"" worden, obwohl es sich beispielsweise um vorübergehende Fieberreaktionen gehandelt habe.

Es gibt einzelne Fälle, wo Menschen nach einer Impfung schwere Beschwerden hatten - etwa eine vorübergehende Gesichtslähmung, bei der ein Zusammenhang mit der Impfung nicht ausgeschlossen werden konnte. Solchen Fällen werde nachgegangen, schreibt das PEI. Meistens sei es aber so, dass die Zahl solcher Vorkommnisse nach Impfungen nicht höher sei als normalerweise. Oder anders gesagt: Es ist einfach Zufall.

Was sind infektionsverstärkende Antikörper (antibody-dependant enhancement, ADE)?

ADE ist eine Reaktion nach einer Impfung oder einer durchgemachten Infektion, bei der in einem sehr ungünstigen Fall Antikörper produziert werden, die eine Infektion noch verstärken. Ulrike Protzer sagt dazu: "Ein ADE kennt man von einigen Infektionen. Bei COVID-19 gibt es aber keinerlei Hinweis darauf, dass das eine Rolle spielt."

Welche Rolle spielte die Impfung nun also bei den Todesfällen im Seniorenheim?

Der Fall wurde nicht näher untersucht, weil die Todesscheine offenbar keine Auffälligkeiten zeigten. Das Immunsystem älterer Menschen könne durch Vorerkrankungen und eben das Alter geschwächt sein und deswegen unter Umständen trotz Impfung nicht gegen eine Infektion ankommen, hieß es zur Erklärung.

Seit Impfstart wurden auch dem PEI 330 Todesfälle bei Geimpften gemeldet. 78 von ihnen verstarben "im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung", fast alle hatten den Angaben nach keinen kompletten Impfschutz.

Rund ein Drittel sei an einer anderen Vorerkrankung gestorben (und nicht an COVID-19), bei einem weiteren Drittel sei es "vermutlich" auch so gewesen.

Bei einigen Menschen war die Todesursache unbekannt. Das PEI betont auch hier, dass es einzelnen Fällen durchaus nachgehe. Insgesamt stellt es aber fest: "Wenn ältere Menschen oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen und einem erhöhten Sterberisiko geimpft werden, wird es eine gewisse Anzahl von Todesfällen geben, die kurz nach der Impfung auftreten, ohne aber kausal mit der Impfung assoziiert zu sein."

Welche Auswirkungen haben die Mutationen auf die Wirksamkeit der Impfstoffe?

Im Moment geht das RKI davon aus, dass die Impfstoffe zumindest zum Teil auch gegen die neu entstandenen Mutationen wirksam sind. Das gilt vor allem für die sich derzeit in Europa stark ausbreitende Variante B.1.1.7. Hier sollen die hier zugelassenen Impfstoffe gut wirken.

Bei den Varianten B.1.351 und P.1 werde die Wirksamkeit indes vermutlich "deutlicher reduziert". Allerdings gebe es Hinweise, dass COVID-19-Erkrankungen dieser Varianten trotz einer Impfung auftreten können - aber weniger schlimm verlaufen.

Verwendete Quellen:

  • Robert-Koch-Institut: " PDF: Epidemiologisches Bulletin der Robert Koch-Instituts, Ausgabe 5/2021"
  • Fragen per Mail an Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie an der TU München und Helmholtz Zentrums München
  • Paul-Ehrlich-Institut: "Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts vom 4. März"
  • Website von Biontech
  • Website der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA