• Wer vollständig geimpft ist, ist gut gegen schwere Verläufe geschützt.
  • Das gilt auch für die Delta-Variante. Allerdings gibt es keinen hundertprozentigen Schutz gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2.
  • Deshalb kann es zu sogenannten Impfdurchbrüchen kommen. Was ein Impfdurchbruch genau ist und welche Gefahr von ihm ausgeht.

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Bei einem Impfdurchbruch kommt es trotz vollständiger Impfung zu einer nachweislichen Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. Die vorherrschende Delta-Variante ist aggressiver, ein gut wirksamer Impfschutz besteht erst nach der zweiten Impfung. Die zweite Dosis ist somit unverzichtbar.

Impfdurchbrüche sind in Deutschland verhältnismäßig selten. Den Fortschritt der Impfkampagne gefährden sie bislang nicht. Es ist unklar, wie groß die Viruslast bei geimpften Infizierten ist. Ihr Krankheitsverlauf ist meist asymptomatisch oder mild. Besonders betroffen von Impfdurchbrüchen sind alte und kranke Menschen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) definiert einen Impfdurchbruch als Corona-Infektion mit klinischer Infektion bei einer seit mehr als zwei Wochen vollständig geimpften Person. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Infektion anhand eines PCR-Tests oder einer Erregerisolierung nachgewiesen wurde.

Solche Fälle von Impfdurchbrüchen kommen zwar vor, sind aber bislang in Deutschland selten. Im Rahmen seines Monitorings von Impfdurchbrüchen zählte das RKI vom 1. Februar bis zum ersten 12. August dieses Jahres 10.827 Impfdurchbrüche. Dem gegenüber stehen aktuell über 48 Millionen vollständige Impfungen.

SARS-CoV-2: Impfdurchbrüche waren zu erwarten

Dass es zu solchen Impfdurchbrüchen kommt, war zu erwarten. Keiner der vorhandenen Impfstoffe bietet einen vollständigen Schutz gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Das ist normal und trifft auch auf Impfstoffe gegen andere Erreger zu. Gegen schwere Erkrankungen, auch nach der Infektion mit der Delta-Variante, schützen die verfügbaren Impfstoffe gut, allerdings reicht die erste Impfung nicht mehr aus.

So besteht zum Beispiel nach der ersten Dosis mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer nur ein Schutz von 33 Prozent gegen die vorherrschende Variante. Erst nach der zweiten Impfung besteht ein Schutz von rund 83 Prozent, so das Bundesgesundheitsministerium. Die zweite Impfung ist daher unverzichtbar. Trotzdem bleibt ein Risiko von rund 17 Prozent bestehen, sich trotz Impfung mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Insofern waren Impfdurchbrüche vorhersehbar.

COVID-19: Wie ansteckend sind infizierte Geimpfte?

Trotzdem sind Geimpfte vermutlich keine Treiber der Pandemie. Studien hatten gezeigt, dass die Viruslast bei ihnen im Falle einer Infektion geringer ist. Somit sinkt auch das Risiko, dass sie andere anstecken. Zudem sollen Geimpfte über einen kürzeren Zeitraum ansteckend sein, als dies bei Ungeimpften der Fall ist, so das RKI.

Aktuelle Untersuchungen aus den USA und Großbritannien weisen jedoch darauf hin, dass auch bei Geimpften die Viruslast groß sein kann. In Israel fanden Forscher bei 74 Prozent der geimpften Infizierten eine hohe Viruslast.

Ob sich diese Ergebnisse auf Deutschland übertragen lassen, ist bislang unklar. Auch, inwiefern die Ergebnisse aussagekräftig sind, da es sich jeweils um kleinere Probandengruppen handelte. Um konkrete Aussagen zur Infektiosität von Geimpften treffen zu können, sind weitere wissenschaftliche Studien notwendig. Das Einhalten von Hygieneregeln wie Abstandhalten, Hände desinfizieren, Mund-Nasenschutz tragen und regelmäßiges Lüften bleibt in jedem Fall wichtig.

Corona-Impfung schützt vor schwerem Krankheitsverlauf

In den meisten Fällen verläuft die Infektion bei vollständig Geimpften asymptomatisch oder mit milden Symptomen. Das zeigten auch Fälle von Impfdurchbrüchen in Seniorenheimen, wie das Bundesgesundheitsministerium informiert. Das Monitoring machte deutlich, dass Impfdurchbrüche häufiger bei älteren und vorerkrankten Menschen auftraten. Ihr Immunsystem ist weniger aktiv und bildet deshalb eine weniger gute Immunantwort. 28 Prozent der geimpften Infizierten mussten im Krankenhaus behandelt werden, so das RKI. Die meisten von ihnen waren 60 oder älter.

Bei Patienten mit unterdrücktem Immunsystem, wie zum Beispiel während der Krebstherapie oder nach einer Organtransplantation, kann es vorkommen, dass der Körper durch die Impfung nur unzureichend Antikörper gegen SARS-CoV-2 bildet. Dadurch sind sie ebenfalls stärker gefährdet.

Mehr Impfdurchbrüche durch abnehmenden Impfschutz möglich

Zudem könnte es durch einen mit der Zeit abnehmenden Impfschutz sein, dass Impfdurchbrüche zunehmen. Eine drastische Zunahme befürchtet der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Die Ursache sieht er darin, dass bei alten und immungeschwächten Menschen, die als erste geimpft wurden, die zweite Dosis nun mehr als sechs Monate zurückliegt. Das RKI empfiehlt bereits, Auffrischungsimpfungen für alte Menschen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem für den Herbst vorzubereiten.

Impfung kann auch Mutationen verhindern

Auch wenn es zu Impfdurchbrüchen kommt, bietet eine vollständige Impfung den besten Schutz gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2 und insbesondere vor einem schweren Krankheitsverlauf. Ungeimpfte tragen ein deutlich höheres Risiko für eine Infektion, eine Einweisung auf die Intensivstation und schlimmstenfalls den Tod.

Unter ihnen verbreitet sich die Deltavariante nachweislich im größten Rahmen. Die Impfung dämmt die Verbreitung des Virus ein und kann somit auch weitere Mutationen verhindern. Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger schwere Krankheitsverläufe gibt es und desto wahrscheinlicher wird es, dass unser gesellschaftliches Leben wieder weitestgehend normal stattfinden kann.

Verwendete Quellen:

Teaserbild: © picture alliance/dpa/Luise Evers