Wie arbeitet es sich, wenn der Alltag völlig auf den Kopf gestellt wird? In diesem Text geben wir Einblick, wie die Coronakrise unsere Arbeit und unsere Redaktion verändert hat.

Am 1. Januar 2020 entdeckte unser Spätdienst eine Meldung, die er für berichtenswert erachtete: "Mysteriöse Lungenkrankheit in China ausgebrochen - Gerüchte über SARS" lautete die Überschrift, unter der die Nachricht auf unseren Websites WEB.DE und GMX erschien.

Schon ganz am Anfang gab es Gerüchte über eine mögliche Rückkehr der Lungenseuche SARS. Die chinesischen Behörden wiegelten ab, es handle sich um Falschinformationen - und nahmen deshalb acht Menschen fest.

Das neue Jahr hatte gerade erst begonnen, man machte sich immer noch Sorgen wegen der verheerenden Waldbrände in Australien - und vielleicht bereits wegen der im Herbst anstehenden US-Wahl.

Zu dem Zeitpunkt hätte niemand von uns damit gerechnet, dass keine drei Monate später die gesamte Redaktion im Homeoffice sitzen würde, wir unsere Themen per Videokonferenz planen und unseren Tag über Chats und E-Mails strukturieren würden.

Sachlich bleiben, wenn das Chaos losbricht

Die Coronakrise stellt uns vor neue Herausforderungen - menschlich, aber auch beruflich. Unsere Redakteurinnen und Redakteure, Ressortleiterinnen, Ressortleiter, unser Chefredakteur, unsere Produktmanager, Projektleiterinnen und ich: Wir sitzen an Küchentischen, im Wohnzimmer, im Keller und überall sonst, wo wir in unserem Zuhause ruhige Ecken finden, an denen wir arbeiten können. Denn Arbeit gibt es genug.

Wenn sich die Ereignisse überschlagen, nennen wir das im Journalismus eine "Lage". So eine "Lage" war etwa der Putschversuch des türkischen Militärs in Istanbul im Juli 2016, der Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum in München nur eine Woche später oder der Absturz des Germanwings-Flugs 9525 in den französischen Alpen vor fünf Jahren.

In solchen Situationen werden Teams gebildet, die sich auf dieses eine Thema stürzen, um es von allen Seiten zu beleuchten. Normalerweise dauern "Lagen" zwei, maximal drei Tage. Spätestens seit Anfang März befinden wir uns jedoch quasi in einer "Dauerlage": Minütlich prasseln Meldungen zur Coronakrise auf uns ein, die wir sichten, gewichten und verarbeiten.

Das tun wir möglichst nüchtern, wählen eine angemessene und klare Sprache und achten darauf, Sie besonnen, ruhig und sachlich zu informieren. Wir wollen Ihnen in dieser Krise mit Ratgeber-Inhalten zur Seite stehen, trotz Ausgangssperren und -beschränkungen Reportagen liefern und auch Mut machen.

Die große Frage: Spielt die Technik mit?

Nicht nur journalistisch, auch technisch sehen wir uns derzeit vor neue Herausforderungen gestellt.

Vor unserem Stresstest wusste niemand von uns, ob der virtuelle Zugriff auf unsere Firmennetzwerke und die WLANs zuhause der Belastung standhalten würden. Schließlich sitzen bei vielen von uns auch Ehemann, Frau oder Kinder daheim und brauchen ebenfalls Zugriff aufs Internet.

Teamleiterin Anja Schuth kutschierte Monitore durch ganz München. Im Smart. Und erst mal Tetris spielen, um sie reinzubekommen.

Schnell war klar, dass aus dem Test eine längerfristige Lösung werden musste. Wir organisierten Bildschirme, Tastaturen, Mäuse, lieferten einen Smart voll Equipment quer durch München.

Nicht jeder hatte einen VPN-Client installiert, bei manchen fehlte die Videochat-Software und ja, teilweise machte auch das WLAN schlapp - was uns spontan zu einem Ratgeber-Artikel motiviert hat: Was Sie tun können, wenn das Internet lahmt.

Aber wir haben uns arrangiert. Und damit wir im Homeoffice nicht ganz vereinsamen, gibt es das freitägliche Feierabendbier nun virtuell.

Auch uns trifft die Krise ins Herz

Seit dem 21. März gelten in Bayern Ausgangsbeschränkungen. Damit sind wir ganz unmittelbar von den Auswirkungen der Coronakrise betroffen. Wir alle haben inzwischen Passierscheine erhalten, damit wir im Fall der Fälle unsere Arbeit fortführen können.

Einige von uns sind noch sehr viel persönlicher betroffen: Wir haben Familie im schwer von COVID-19 gebeutelten Italien, im SARS-CoV-2-verseuchten Tirol oder in anderen Teilen der Welt. Wir haben Bekannte, Freunde und Familie, die zu den Risikogruppen gehören. Und auch wir kämpfen mit Lagerkoller und dem Umstand, liebe Menschen derzeit nicht einfach mal besuchen und in den Arm nehmen zu können.

Auch menschlich stehen wir also vor neuen Herausforderungen. Aber gemeinsam stehen wir das durch. #WirBleibenZuhause

Interessiert Sie, wie wir als Redaktion insgesamt arbeiten? Lesen Sie auch, woher unsere Inhalte kommen, wie wir Meinung in Artikeln kenntlich machen und wann und worüber wir berichten.