Hilft Wasser trinken gegen das Coronavirus? Und kann man sich selbst testen, indem man die Luft anhält? Diese Behauptungen werden derzeit tausendfach per WhatsApp verschickt. Das Team von CORRECTIV.Faktencheck ist dem Kettenbrief auf den Grund gegangen.

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Eine Kolumne
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Falschnachrichten über das neuartige Coronavirus als "viral" zu bezeichnen, hat eine gewisse Ironie. Doch zu diesem Thema werden aktuell massenhaft Gerüchte über Soziale Netzwerke verbreitet. Den CORRECTIV.Faktencheck erreichen zahlreiche E-Mails mit Hinweisen auf sogenannte WhatsApp-Kettenbriefe.

Einer davon enthält Tipps, wie man sich angeblich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen kann. Die Hinweise sind jedoch völlig nutzlos, wie unser Faktencheck zeigt. Wir haben die Behauptungen dem Gesundheitsexperten der WHO, David Heymann, zugeschickt. Seine Antwort: Für keine davon gibt es eine wissenschaftliche Grundlage.

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WhatsApp-Nachricht stellt irreführende Behauptung über "Fibrose" auf

Die Nachricht beginnt auf Deutsch mit den Worten "So werden die Menschen in Kanada informiert". Dann wird behauptet, die Inkubationszeit des Coronavirus betrage bis zu 20 Tage, in denen Infizierte keine Symptome zeigten. Das ist falsch: Nach aktuellen Informationen der WHO (zu den Fragen und Antworten zum Coronavirus der Weltgesundheitsorganisation zum Coronavirus) und des Robert-Koch-Instituts beträgt diese Phase bis zu 14 Tage, meistens bricht die Krankheit aber schon nach fünf bis sechs Tagen aus. Das heißt, ab dem Zeitpunkt treten Symptome wie Fieber oder Husten auf.

Dann sei es aber schon "recht spät", behauptet die WhatsApp-Nachricht – denn die Lunge sei meist schon "zu 50 Prozent fibrös", also von Fibrose betroffen. Für diese Behauptung gibt es nirgends Belege. Fibrose ist ein Überbegriff für Lungenerkrankungen, bei denen sich – oft aufgrund einer chronischen Entzündung – Bindegewebe in der Lunge bildet ("Narbenlunge").

So etwas entsteht nicht innerhalb von ein paar Tagen. Wie uns eine Sprecherin des Lungeninformationsdienstes des Helmholtz-Zentrums München per E-Mail mitteilte, vergehen bei Patienten mit Lungenfibrose nach den ersten Symptomen oft zwei Jahre, bis die Diagnose gestellt wird.

Luft anhalten oder Wasser trinken hilft nicht

Geradezu absurd mutet der nächste Tipp des Kettenbriefs an: Um zu testen, ob man das Coronavirus habe, solle man zehn Sekunden die Luft anhalten. Wer dabei keine Beschwerden habe, sei nicht infiziert. Das ist falsch. Einen solchen Selbsttest gibt es nicht.

Wer denkt, er sei infiziert, sollte zunächst telefonisch einen Arzt kontaktieren. Laut Robert-Koch-Institut ist ein Labortest sinnvoll, "wenn es sich bei den Betroffenen um begründete COVID-19-Verdachtsfälle handelt, d.h. sie Krankheitszeichen haben und innerhalb der letzten 14 Tage Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall hatten und/oder sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet/einem besonders betroffenen Gebiet in Deutschland aufgehalten haben."

Ebenso falsch ist ein weiterer Tipp in dem WhatsApp-Kettenbrief: Man solle angeblich alle 15 Minuten einen Schluck Wasser trinken, um das Virus vom Mund in den Magen zu spülen. Dort werde es durch die Magensäure abgetötet. Die WHO hat bereits am 8. Februar auf Twitter darauf hingewiesen, dass Wasser trinken zwar gesund ist, aber keine Infektion verhindern kann. Der häufigste Infektionsweg mit dem Virus ist nach derzeitiger Einschätzung des Robert-Koch-Instituts die Tröpfcheninfektion, also Verbreitung durch Speicheltröpfchen beim Niesen, Husten oder Sprechen.

Falsche Quellenangaben sollen seriös wirken

Die Strategie hinter solchen Kettenbriefen ist simpel, aber effektiv. In der Nachricht wird mit dem Hinweis auf "Informationen aus Kanada" angedeutet, dass hier exklusives Wissen verbreitet wird, das in Deutschland nicht verfügbar sei. Berichte von Faktencheckern weltweit zeigen, dass die identischen Behauptungen in verschiedenen Sprachen kursieren. In der englischen Version wurde offenbar die Stanford University in den USA als angebliche Quelle angegeben.

Mit solchen falschen Quellenangaben soll ein seriöser Anschein erweckt werden, damit die Nachricht von vielen Menschen weiter verbreitet wird.

Eine ähnliche Strategie wurde kürzlich in einer WhatsApp-Sprachnachricht verwendet, die in Deutschland kursierte: Darin wurde behauptet, die Uniklinik in Wien habe nachgewiesen, dass Ibuprofen die Krankheit durch das Coronavirus verschlimmere. Die Sprachnachricht enthielt eine erfundene Geschichte – die Uniklinik hat keine Studien zu Ibuprofen durchgeführt. Solche Studien gibt es bisher nicht. Dennoch warnen einige Mediziner und seit Dienstag auch die WHO, Ibuprofen könnte möglicherweise negative Auswirkungen in Verbindung mit Covid-19 haben; als Vorsichtsmaßnahme sollte man es daher ohne ärztlichen Rat nicht einnehmen.

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