Auf Facebook geht das Gerücht um, Markus Söder habe über die Weihnachtsfeiertage Urlaub auf Borkum gemacht. Und er habe sich nicht an eine 14-tägige Quarantänepflicht gehalten. Diese Behauptungen sind unbelegt und irreführend.

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Eine Kolumne
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Urlaub mit der ganzen Familie auf der ostfriesischen Insel Borkum, mitten im "Lockdown" – das werfen Facebook-Nutzer dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) vor. Doch dafür gibt es keine Belege. Die bayerische Landesregierung widerspricht den Vorwürfen.

Auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck erklärte Anton Preis, Pressesprecher der bayerischen Staatsregierung und der Staatskanzlei (der obersten Landesbehörde Bayerns) telefonisch, dass Markus Söder noch nie auf Borkum gewesen sei.

Er bestätigte zudem eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Demnach hat der Ministerpräsident Silvester zu Hause in Nürnberg verbracht. Das twitterte auch CSU-Generalsekretär Markus Blume am 4. Januar und bezeichnete die verbreitete Behauptung über Söder als "bösartige[n] Unfug".

Was die Weihnachtsfeiertage betrifft, hat Söder zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben im Homeoffice gearbeitet. Auch das bestätigte der Pressesprecher der Staatskanzlei CORRECTIV.Faktencheck.

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Söder wurde nach Kontakt zu einem positiv getesteten CSU-Politiker nicht als Kontaktperson der Kategorie 1 eingestuft

Auf Facebook wird Söder vorgeworfen, er habe Kontakt zu einer positiv getesteten Person gehabt, sei jedoch nicht 14 Tage in Quarantäne geblieben. Das ist irreführend.

Söder hatte zwar Kontakt zum CSU-Politiker Florian Herrmann, der positiv getestet wurde. Doch das Gesundheitsamt stufte Söder anschließend nicht als Kontaktperson der Kategorie 1 ein, daher war keine 14-tägige Quarantäne nötig.

Als Kontaktperson der Kategorie 1 gilt laut Robert-Koch-Institut (RKI), wer länger als 15 Minuten ohne adäquaten Schutz engen Kontakt (näher als 1,5 Meter) zu einer positiv getesteten Person hatte oder sich länger als 30 Minuten in einem Raum mit wahrscheinlich hoher Konzentration infektiöser Aerosole aufgehalten hat.

"Kontaktpersonen der Kategorie [1] müssen sich unverzüglich für 14 Tage häuslich absondern (Quarantäne)", schreibt das RKI weiter. Kontaktpersonen der Kategorie 2 ("geringeres Infektionsrisiko") müssten dagegen nicht in Quarantäne, sondern sollten nur für 14 Tage ihre Kontakte reduzieren.

Am 21. Dezember twitterte Söder, dass er sich nach Kontakt zu Herrmann "umgehend" in Quarantäne begebe. Einen Tag später, am 22. Dezember twitterte der Ministerpräsident dann: "Nach Prüfung des zuständigen Gesundheitsamtes bin ich keine Kontaktperson 1 und muss daher nicht in Quarantäne. Aus Vorsicht bleibe ich aber trotzdem im Homeoffice. Ein erster Test war negativ." Am 26. Dezember teilte er auf Twitter mit, auch ein zweiter Test sei negativ ausgefallen.

Die dpa schreibt dazu, der Ministerpräsident habe der Staatskanzlei zufolge bei dem Gespräch mit Herrmann die Abstandsregeln eingehalten und das Büro in der Staatskanzlei sei mit einem Belüftungssystem ausgestattet.

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