Ein Urlaubstrip ins eigene Ferienhaus ist in der Pandemie ein Grund zur Freude. Er sei jedem gegönnt. Ob man sein Glück an die große Glocke hängt, ist Ansichtssache. Ebenso sieht es beim Impfstatus aus. Was spricht dafür und was dagegen, so etwas im Netz zu teilen?

Rolf Schwartmann
Eine Kolumne
von Rolf Schwartmann
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

In den Osterferien bleibt man in der Pandemie – Lockdown hin oder her – Zuhause. Wer das Glück hat, eine Ferienwohnung zu haben, kann trotzdem in Urlaub fahren.

Vermutlich darf man das auch. Schließlich sind die Regeln über Reisen im Inland aktuell gelockert und natürlich muss man in der Ferienwohnung sowieso regelmäßig nach dem Rechten sehen oder gar einen Handwerker bestellen. "Pandemieflüchtlingen" seien ihre Ausflüge gegönnt.

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Urlaubsfreuden in der Pandemie sind ein Privileg …

Den Freunden per WhatsApp-Status, Instagram oder Twitter zu zeigen, wie gut es einem geht ist einerseits verständlich. Man sagt aller Welt, wie gut man es in den schlechten Zeiten hat.

"Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels und ich bin schon mal vorgegangen. Haltet aus in der Dunkelheit. Bald habt ihr es auch geschafft." Das baut auf.

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… aber gehören sie in den WhatsApp-Status?

Mancher mag sich freuen über so viel Glück in der Pandemie. Manch anderer wird die Freude über das Glück der anderen als ein wenig schal empfinden oder bei sich denken: "Schön, dass es euch gut geht, aber was hab ich damit zu tun? Neid zählt zwar zu den sieben Todsünden, aber Privilegien-Prahlerei ist auch keine Tugend." Dieser Gedanke liegt nicht fern. Privilegien zu posten ist nicht verboten. Ob man das taktvoll findet, muss jeder selbst entscheiden.

Private Impfwerbung in sozialen Medien …

Wie sieht es mit dem Impfstatus aus. Niemand ist daran gehindert, seinen Gesundheitsstatus mit aller Welt zu teilen. Datenschutz vor sich selber gibt es nicht. Impfmuffel sind in der Pandemie verpönt. Der Staat muss öffentlich zur Impfung aufrufen und jeder der sich impfen lässt, gleich ob er schon an der Reihe ist oder nicht, hilft der Gesundheit aller. Aber gehört der Impfstatus in die Öffentlichkeit? Das muss man differenziert sehen.

Der Bundespräsident ist 65 Jahre alt tut gut daran, als Vorbild mit einem Foto von seiner Impfung an die Presse zu gehen. Aber sollen Hinz und Kunz es ihm gleichtun? Warum nicht? Wenn Menschen in der Zielgruppe der aktuellen Priorisierungsfolge ihren Impfstatus vor sich her tragen, sind sie Vorbilder für alle Impfmuffel.

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… auch das will überlegt sein

Auf der anderen Seite: Solange der Impfstoff knapp ist, darf man nicht einfach so geimpft werden. Wenn ein Endvierziger, der erkennbar nicht dem priorisierten Kreis angehört in sozialen Medien stolz seinen Corona-Impf-Stempel teilt, wirft das Fragen auf. Hat er sich an der Schlange vorbei gemogelt oder ist er krank?

Vom Neid aller Gleichaltrigen, die sich auch gerne impfen lassen würden, aber noch nicht können, ganz zu schweigen. Wen all das nicht stört, der kann sich neben dem Bundespräsidenten in die Riege der Vorbilder einreihen. "Twittern ist Silber, Schweigen ist Gold" dürfte das Motto der anderen sein.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels wurden im Hinblick auf mögliche Auswirkungen einer Kommunikation des eigenen Impfstatus geschrieben "Impfmuffel sind in der Pandemie Volksfeinde". Der Begriff "Volksfeinde" war dabei in Anlehnung an das Drama "Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen gewählt worden, um den Druck einer gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung zu beschreiben. Da der Begriff allerdings auch im Nationalsozialismus als ideologischer Begriff verwendet worden ist und um Fehlinterpretationen zu vermeiden, wurde der Absatz geändert.
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