Abgeriegelte Wohngebiete, geschlossene Schulen - die Angst vor einer zweiten Pandemie-Welle in Peking geht um. Virologe Schmidt-Chanasit sieht die Situation relativ gelassen - und erklärt, warum das Beispiel in China sogar Anlass zu Optimismus gibt.

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Die Lage scheint ernst: Im Kampf gegen den neuen Coronavirus-Ausbruch in Peking haben die Behörden der chinesischen Hauptstadt die zweithöchste Gefahrenstufe ausgerufen.

Vergangene Woche kam es auf dem Pekinger Großmarkt Xinfadi zu einem neuen Ausbruch. Wie die Stadtverwaltung am Mittwoch mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 31 neue Coronavirus-Infektionsfälle in der Stadt verzeichnet. Damit stieg die Gesamtzahl der Ansteckungsfälle seit der Entdeckung des Neuausbruchs am Freitag auf 137. Zuvor waren in Peking über zwei Monate hinweg keine neuen Coronavirus-Fälle festgestellt worden.

Virologe Schmidt-Chanasit: Das ist nicht der Beginn der zweiten Welle

Jonas Schmidt-Chanasit findet, China habe gut auf den neuen Ausbruch in Peking reagiert.

Nach Einschätzung des Virologen Jonas Schmidt-Chanasit handelt es sich allerdings nicht um den Beginn der gefürchteten zweiten Welle der Pandemie.

"Eine zweite Welle zu postulieren wäre jetzt übertrieben", sagte Schmidt-Chanasit am Mittwoch dem Radiosender Bayern 2. Ein Ausbruch, wie jetzt in China, könne jederzeit auftreten. "Das hat mich nicht überrascht. Aber wir sehen jetzt auch, wie gut China darauf reagiert", sagte der Virologe.

Die in China ergriffenen Gegenmaßnahmen wirkten überzeugend. China versuche mit sehr strikten Maßnahmen, den lokalen Ausbruch unter Kontrolle zu bringen. Das scheine gut zu funktionieren.

Aufgrund dieser schnellen und strengen Maßnahmen rechne er auch nicht mit einer zweiten Welle, sagte Schmidt-Chanasit. Darüber hinaus sei der Ausbruch in Peking nicht überraschend, da "ein Großteil der Bevölkerung in China natürlich wie bei uns noch nicht immun" sei.

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Peking verschärft Corona-Maßnahmen

Wegen des neuen Coronavirus-Ausbruchs sind in Peking die Schutzmaßnahmen weiter verschärft worden. Mindestens 1.250 Flüge wurden am Mittwoch in der chinesischen Hauptstadt gestrichen, wie die staatliche "Volkszeitung" berichtete. Damit entfielen rund 70 Prozent aller geplanten Flüge. Auch blieben die Schulen geschlossen.

Zuvor hatten die Behörden bereits ein Reiseverbot gegen alle Bewohner von Pekinger Stadtvierteln mit "mittlerem" oder "hohem" Coronavirus-Risiko verhängt. Alle anderen Einwohner wurden aufgerufen, die Stadt nach Möglichkeit nicht zu verlassen. Wenn sie dies dennoch wollen, müssen sie sich vorher einem Coronavirus-Test unterzogen haben.

Fast 30 Wohnviertel in der 21-Millionen-Einwohner-Stadt waren in den vergangenen Tagen unter Quarantäne gestellt worden. Zehntausende Menschen werden auf das Virus getestet.

Rund 200.000 Menschen besuchten Xinfadi-Markt

Den neuen Ausbruch des Erregers führen die Behörden auf den Xinfadi-Markt zurück, der nach ihren Angaben seit dem 30. Mai von rund 200.000 Menschen besucht wurde.

Der Xinfadi-Markt lieferte vor seiner Schließung rund 90 Prozent des Gemüses und Obsts für die 20-Millionen-Metropole. Der Direktor des Marktes sowie zwei Beamte der Pekinger Lokalregierung mussten infolge des Ausbruchs ihre Posten räumen.

In anderen chinesischen Städten wurde bereits eine Quarantäne-Pflicht für aus Peking kommende Reisende verhängt. (hub/dpa/afp)

Erneuter Corona-Ausbruch in China: Wohnviertel in Peking unter Quarantäne

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Teaserbild: © picture alliance / Daniel Bockwoldt/dpa