Einem Medienbericht zufolge fehlen der Bundeswehr seit 2010 mindestens 60.000 Schuss Munition. In den Zahlen sind jene 48.000 Schuss Munition des Kommando Spezialkräfte noch gar nicht enthalten. Dort kamen zusätzlich 62 Kilogramm Sprengstoff abhanden.

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Bei der Bundeswehr werden seit 2010 mindestens 60.000 Schuss Munition vermisst. Das geht aus vertraulichen Antworten der Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen verschiedener Fraktionen hervor, wie die "Welt" am Freitag berichtet.

Demnach konnten von über 96.000 abhanden gekommenen Patronen unterschiedlichen Kalibers nur rund 36.000 sichergestellt werden. Daneben gibt es in mehr als 100 Fällen keinerlei Hinweise darauf, wo einige Dienstwaffen von Bundeswehr und Polizei abgeblieben sind.

Der ungeklärte Verbleib von 48.000 Schuss Munition beim Kommando Spezialkräfte (KSK) ist dem Bericht zufolge in der Übersicht nicht enthalten.

62 Kilogramm Sprengstoff kamen abhanden

Bei der Sondereinheit kamen auch 62 Kilogramm Sprengstoff abhanden. Dabei handelt es sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums ausschließlich um PETN.

PETN-Pulver kommt etwa in Handgranaten oder als Bestandteil des Plastiksprengstoffs Semtex zur Anwendung. Der gleiche Stoff war bei einem inzwischen inhaftierten Soldaten in Nordsachsen gefunden worden.

"Die Feststellung des Unterbestandes ist als vorläufiges Ergebnis zu betrachten, das sich aus einem Abgleich zwischen Ist-Bestand vor Ort und Soll-Bestand im logistischen Buchungssystem ergeben hat", erklärte das Verteidigungsministerium in einer Antwort auf eine schriftliche Frage der Innenpolitikerin Martina Renner (Linke), die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.

Zwei Kilogramm PETN (Pentaerythrityltetranitrat) waren Mitte Mai in einem Waffenversteck eines 45-jährigen Soldaten der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK in Collm entdeckt worden. Bei der Razzia fand die Polizei damals auch ein SS-Liederbuch und Aufkleber mit Nazi-Motiven.

Der Mann, der das geheime Waffendepot auf seinem Privatgrundstück angelegt hatte, war 2017 Teilnehmer der Party für den Chef der zweiten Kompanie gewesen, die zum Auslöser der Rechtsextremismus-Affäre beim KSK wurde. Bei der Feier wurden Schweineköpfe geworfen, Rechtsrock gehört und der Hitlergruß gezeigt.

Spezialkommando könnte aufgelöst werden

Über den Verbleib des fehlenden Sprengstoffs solle eine Generalinventur Klarheit verschaffen, die bis zum Beginn des kommenden Jahres abgeschlossen sein werde, heißt es in der Antwort des Ministeriums.

Die "Bewährungsfrist" für das KSK endet schon früher - am 31. Oktober. Dann will Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) entscheiden, ob die bis dahin unternommenen Reformschritte ausreichend sind oder das Spezialkommando ganz aufgelöst wird.

Dass in Zusammenhang mit Sprengstoff und Munition, die als Fehlbestand festgestellt wurden, nie der KSK-Standort im baden-württembergischen Calw auftaucht, findet Renner fragwürdig. Auch die Tatsache, dass in Antworten der Bundesregierung auf frühere parlamentarische Anfragen zu Munitionsverlust und Sprengstoffschwund deutlich geringere Mengen genannt worden seien.

"Das KSK scheint ein von oben geduldetes schwarzes Loch gewesen zu sein, das sich nicht an Recht und Gesetz gebunden fühlte", sagte die Abgeordnete.

Die Aufklärung zu dem verschwundenen Sprengstoff werde Maßstab dafür sein, inwieweit die Ministerin an Konsequenzen aus dem KSK-Skandal interessiert sei "und ob die Ermittlungsbehörden die rechten Strukturen tatsächlich ausleuchten oder zerschlagen wollen". (ff/afp/dpa)

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