Nach dem Flugzeugabsturz in Frankreich ist bereits einer der beiden Flugschreiber des verunglückten Germanwings-Airbus geborgen worden. Der Stimmenrecorder (Voice Recorder) soll schwer beschädigt, aber auslesbar sein. Die Suche nach dem zweiten Gerät, dem sogenannten Flugdatenschreiber (Flight Data Recorder), läuft auf Hochtourten. Wie helfen die beiden Geräte nach einem Absturz, die Ursache für eine solche Katastrophe aufzuklären? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie sehen Flugdatenschreiber aus?

Die Flugdatenschreiber - häufig in der Signalfarbe grell-orange - werden umgangssprachlich auch "Blackbox" genannt. Das vom Australier David Warren entwickelte Gerät wird seit Mitte der 1950er-Jahre serienmäßig in Flugzeugen verbaut. Die meist im Heck der Maschine untergebrachten Stahlkästen sind etwas größer als ein Schuhkarton und wiegen je nach Hersteller vier bis fünf Kilogramm. Das Gehäuse übersteht einen Flugzeugabsturz selbst aus großer Höhe und ist absolut wasserdicht. Es kann hohem Wasserdruck bis zu einer Tiefe von 6.000 Metern standhalten und bis zu einer halben Stunde lang Temperaturen von bis zu 1.100 Grad Celsius widerstehen.

Welche Daten speichert die "Blackbox"?

Beide Geräte haben jeweils eine unterschiedliche Aufgabe: Der Flugdatenschreiber (Flight Data Recorder) zeichnet auf allen Flügen relevante Daten wie Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine auf. Durch das Speichern von GPS-Daten gibt er zudem Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks - auch wenn die Trümmer später weit verstreut sind. Diese Daten könnten im Fall des Germanwings-Absturzes erklären, warum sich die Maschine nach Erreichen der Reiseflughöhe über acht Minuten in einen Sinkflug begeben hat und schließlich in den Alpen zerschellte. Dieser Teil der Blackbox wird derzeit immer noch gesucht.

Auf einem Stimmenrekorder (Voice Recorder) sind Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Co-Pilot sowie weitere Geräuschen im Cockpit gespeichert. Dies könnte im Fall der Germanwings-Maschine Aufschluss darüber geben, warum die Piloten keinen Kontakt zur französischen Flugsicherung aufgenommen haben. So geht der Flugexperte und frühere Formel-1-Pilot Niki Lauda davon aus, dass die Piloten der abgestürzten Maschine möglicherweise handlungsunfähig waren: "Acht Minuten sind in so einem Zustand irrsinnig lang. Deswegen wundert es mich, dass keiner der Piloten mit der Flugkontrolle geredet hat". Die Auswertung der Flugschreiberdaten könnte hier Klarheit schaffen.

Welchen Zeitraum umfassen die Daten?

Der Flugdatenschreiber kann etwa 25 Stunden lang Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine aufzeichnen. Auch Informationen des vorletzten Flugs sind darum meist noch erhalten. Neuere Modelle des Stimmenrekorders speichern einen Zeitraum von zwei Stunden, früher waren es etwa 30 Minuten. Hier werden alle Gespräche im Cockpit aufgezeichnet.

Wichtig für die Ortung nach einem Absturz vor allem im Meer: Die Box kann etwa einen Monat lang Positionsangaben senden, dann ist die Batterie des Signalgebers leer.

Wer wertet die Daten aus?

Bekannte Untersuchungsinstitutionen, die Flugschreiber auswerten können, sind die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig, das National Transportation Safety Board (NTSB) in den USA, das Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la sécurité de l’Aviation civile (BEA) in Frankreich und das Air Accidents Investigation Branch (AAIB) in Großbritannien. Welche Behörde die Auswertung im Fall der abgestürzten Germanwings-Maschine übernehmen wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

Wie lange wird eine Auswertung der Daten dauern?

Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen. Das eigentliche Überspielen sollte je nach Beschädigung der Blackbox schnell vonstattengehen. Was danach folgt, ist die Auswertung der so gewonnen Daten, die in Relation zueinander gesetzt werden müssen. Dabei müssen die wichtigsten Fragen beantwortet werden: War die Crew handlungsfähig? Hatte das Flugzeug einen technischen Defekt oder machte der Pilot einen Fehler? Welche Maßnahmen wurden von der Crew eingeleitet, um die Katastrophe zu verhindern oder lösten diese Handlungen die Katastrophe erst aus? Schlüsse auf die Ursache des Absturzes lassen sich nur durch Analyse aller Daten und Funde am Absturzort ziehen - dazu gehören auch die Untersuchung der Opfer und die Lage und der Zustand des Trümmerfelds. Und diese Untersuchung ist zeitaufwändig.

So geht das Technische Hilfswerk (THW) nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen von langen Ermittlungen zur Ursache aus. "Mir sind Flugzeugabstürze bekannt, wo in einer riesigen Halle die ganzen Trümmerteile wie ein Puzzle in 3D wieder zusammengesetzt wurden", sagte THW-Präsident Albrecht Brömme am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. So ein Puzzle dauere zwei bis drei Jahre.

Warum sendet der Flugdatenschreiber kein Funksignal?

"Die Geräte senden nur bei Kontakt mit Wasser", erläuterte Jens Friedemann von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) am Montag (30.03.) in Braunschweig. In den Alpen sende der Datenschreiber also gar keine Funksignale. Die BFU ist mit sieben Personen an den Untersuchungen des Absturzes beteiligt - fünf davon in Frankreich. Sie werden den Schreiber gemeinsam mit ihren französischen Kollegen auswerten, sobald er gefunden ist. Der Chip mit mehreren Hundert gespeicherten Daten steckt in einem gepanzerten Zylinder von der Größe einer Konservendose. Er soll über die letzten Minuten an Bord des Germanwings-Airbusses Aufschluss geben, der am vergangenen Dienstag mit 150 Menschen an Bord an einer Felswand in den französischen Alpen zerschellte.

mit Material der dpa