Erst Hameln, dann Kiel: In den letzten Tagen gab es schockierende Fälle von Gewalt gegen Frauen. Die Täter sind in solchen Fällen häufig die Partner oder Ex-Partner. Wie kann es so weit kommen? Und wo können Frauen Hilfe bekommen?

Ende November schleifte ein Mann in Hameln eine Frau an einem Seil hinter seinem Auto her und ließ sie dann auf einem Gehweg liegen. In Kiel ist am Mittwoch eine Frau in aller Öffentlichkeit angezündet worden und an ihren Verletzungen gestorben. In beiden Fällen war der Ex-Partner der Täter.

Gewalt gegen Frauen ist in Partnerschaften oder nach einer Trennung nicht selten. Aus der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts (BKA) für 2015 geht hervor, dass in jenem Jahr 104.000 Frauen Gewalt in einer Beziehung erlebt haben. Darunter sind nicht nur Morde und Fälle von Totschlag erfasst, sondern auch Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Stalking und Bedrohung. Laut BKA sind im Erfassungszeitraum 331 Frauen in Deutschland durch Gewalt in ihrer Beziehung gestorben.

"Wo warst du? Wen hast du getroffen?"

Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. "Das Thema ist sehr mit Scham behaftet", sagt Silvia Zenzen vom Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Berlin. Meistens fange Gewalt sehr schleichend an.

Der Partner beginne, immer mehr Kontrolle auszuüben. "Wo warst du? Wen hast du getroffen? Mit wem hast du telefoniert?" seien typische Fragen. "Ein gewisses Maß an Eifersucht ist normal", sagt Silvia Zenzen. Aber in solchen Beziehungen sei diese Schwelle sehr schnell überschritten. "Und dann kommt es häufig zu körperlichen Übergriffen."

Fälle wie in Kiel und Hameln seien extrem, sagt Zenzen. Typisch an einem Fall wie in Kiel sei aber, dass der Ex-Partner der Täter sei. "Wir wissen aus Statistiken, dass es für Frauen in gewalttätigen Beziehungen dann gefährlich wird, wenn sie sich trennen wollen." Viele Täter hätten ein Problem damit, diesen Schritt zu akzeptieren. "Und dann eskaliert die Situation."

Warum die Täter wie in Hameln oder Kiel in aller Öffentlichkeit agieren, kann Silvia Zenzen nur vermuten. "Ich gehe davon aus, dass es um eine öffentliche Demütigung und um eine Machtdemonstration geht", sagt sie. "Vermutlich möchte ein Mann so der ganzen Welt zeigen, dass er nicht hinnimmt, was die Frau tut."

Wer die Täter sind

Doch wer sind eigentlich die Männer, die ihren Frauen oder Ex-Partnerinnen Gewalt zufügen? Laut der Statistik zur Partnerschaftsgewalt, die das BKA Ende November herausgegeben hat, sind die meisten von ihnen zwischen 30 bis 39 Jahre (30,7 Prozent), vor der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen.

Bei der Mehrzahl von ihnen handelte es sich um die Ex-Partner (36,9 Prozent). In einem Drittel der Fälle war der Ehepartner der Täter, in 29,5 Prozent der Fälle ereignete sich Gewalt in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft.

Die Tatverdächtigen waren überwiegend Deutsche. Vier von fünf Männern, die bei der Polizei wegen Gewalt in der Beziehung erfasst wurden, hatten die deutsche Staatsbürgerschaft. Die nächstgrößere Gruppe sind Türken (6,3 Prozent), gefolgt von Polen (2,4 Prozent.

Alkohol spielte dagegen keine besonders große Rolle: Nur rund ein Viertel der Täter hatte getrunken.

Wo Frauen Hilfe bekommen

Es gibt in Deutschland ein kostenloses Hilfetelefon für Frauen, das rund um die Uhr unter der Nummer 0800/116016 erreichbar ist. Es ist anonym, barrierefrei und in 15 Sprachen verfügbar. Die Mitarbeiter können auch an Beratungsstellen vor Ort vermitteln. Mehr Informationen dazu gibt es auch im Internet unter der Adresse www.hilfetelefon.de.

Silvia Zenzen rät dazu, sich jemandem anzuvertrauen, wenn man Gewalt in seiner Beziehung erlebt. "Das kann eine Freundin sein, jemand aus der Familie, eine Nachbarin oder jemand von der Arbeit – auf jeden Fall jemand, bei dem man sich gut aufgehoben fühlt."

Es sei wichtig, nicht das Gefühl zu haben, mit seinem Problem alleine zu sein. Wenn man befürchtet, dass der Partner bei einer Trennung gewalttätig wird, kann man zum Beispiel mit einer Beratungsstelle einen Plan ausarbeiten oder sich an ein Frauenhaus vermitteln lassen.