Seit Jahresbeginn sind in Frankreich einer inoffiziellen Zählung zufolge mindestens 74 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. 2017 waren es laut offiziellen Zahlen 130 Frauen. Frauenrechtsorganisationen hatten der Regierung Untätigkeit vorgeworfen. Letztere steht nun unter Zugzwang.

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Frankreichs Regierung will nach dem Bekanntwerden alarmierender Zahlen Frauen besser vor häuslicher Gewalt schützen. "Die Regierung tut und wird alles in ihrer Macht Stehende tun. (...) Wir brauchen eine allgemeine Mobilisierung der Gesellschaft", sagte Gleichstellungsministerin Marlène Schiappa der Zeitung "Journal du Dimanche" (JDD) am Sonntag.

Schiappa kündigte für September einen Runden Tisch an, um wirksame Maßnahmen zur Eindämmung sogenannter Femizide zu entwickeln. Dabei sollen die betroffenen Minister, Akteure vor Ort, öffentliche Dienste, Verbände und Familien von Opfern zusammenkommen. Auch die Präsidentengattin Brigitte Macron werde sich dabei persönlich engagieren. Wenn es neue Gesetze brauche, würden diese umgesetzt, so Schiappa.

Gewalt gegen Frauen: Große Demonstration in Paris

Am Samstag hatten Hunderte Menschen in Paris gegen Gewalt gegen Frauen demonstriert und die Regierung zum Handeln aufgefordert. "Also stelle ich Emmanuel Macron die Frage: Wie viel ist das Leben einer Frau wert? Es wird nichts getan. Es ist beschämend", sagte die französische Schauspielerin und Aktivistin Muriel Robin dem Sender Franceinfo. Frauenrechtsorganisationen kritisierten, dass die Regierung das Problem nicht ernst nehme.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron postete daraufhin am Samstagabend die Vornamen von Dutzenden Frauen auf Facebook.

"Ihre Namen sind uns vertraut, sie sind unsere Freundinnen, unsere Mütter, unsere Schwestern, unsere Töchter. Die Gewalt, die sie das Leben gekostet hat, widert uns an", schrieb er. Macron hatte die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu einem zentralen Thema seiner Amtszeit erklärt.

Offizielle Zahlen aus dem Jahr 2017

Frauenrechtsorganisationen in Frankreich fordern unter anderem, dass es in jeder Polizeistation einen geschulten Ansprechpartner für Gewalt gegen Frauen gibt. Außerdem müsse es mehr Plätze in Frauenhäusern geben und bessere rechtliche Möglichkeiten, Frauen vor einem gewalttätigen Partner oder Ex-Partner zu schützen.

Die tödliche Gewalt gegen Frauen wird zum Beispiel von Aktivistinnen in sozialen Netzwerken gezählt. Die letzten Zahlen von offizieller Seite stammen aus dem Jahr 2017. Demnach wurden damals 130 Frauen von Partnern oder Ex-Partnern getötet. In Deutschland sind nach Angaben des Bundeskriminalamts im Jahr 2017 insgesamt 147 Frauen durch Partnerschaftsgewalt gestorben. (awa/dpa)

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