Nach den Hooligan-Krawallen in Köln wird nun auch intern die Strategie der Polizei kritisiert. Stimmen werden laut, die den Einsatz als fehlgeplant bezeichnen. Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt kann die Kritik nachvollziehen, beruhigt jedoch die Gemüter: Man werden den Einsatz nacharbeiten und korrigieren.

Die Bilder vom Sonntag haben Menschen in ganz Deutschland erschreckt. 4.800 gewaltbereite Hooligans und Neonazis ziehen marodierend durch die Kölner Innenstadt. Sie werfen mit Flaschen, beschädigen Autos, schreien Hassparolen. Die Polizei ist zwar anwesend, doch zahlenmäßig weit unterlegen. Auf einen Beamten kommen drei Demonstranten, schätzt ein Polizist, der anonym bleiben will, im WDR die Lage ein.

"Wir waren unterlegen"

Am Ende sind 49 Beamte verletzt, lediglich 17 Gewalttäter werden festgenommen. Die Kritik an der Einsatzstrategie der Polizei reißt auch drei Tage nach der Hooligan-Demonstration nicht ab. In der WDR-Talkshow Domian sagt ein weiterer Polizist, der am Sonntag dabei war und anonym bleiben will, über den Einsatz: "Es ist nichts aufgegangen. Die Veranstaltung hätte gar nicht erst stattfinden dürfen. Wenn sich ein rechter Mob von mehreren tausend Leuten irgendwo trifft, wird es massive Ausschreitungen geben." Der 19-Jährige beklagt: "Das war keine Kundgebung wie man sie kennt, sondern einfach nur Krawall machen. Es wurden keine Auflagen eingehalten. Kräftemäßig und zahlenmäßig waren wir weit unterlegen. Auch war die Reiterstaffel nicht da. Obwohl drei Pferde 25 Polizisten ersetzen können."

Diese Sicht der Dinge bestätigt auch sein Kollege: "Wir hatten keine Chance uns Strategien auszudenken. Es herrschte das reinste Chaos." Aus den Worten der Polizisten spricht eine Hilflosigkeit, die in dieser Deutlichkeit nur sehr selten nach Einsätzen nach außen dringt.

"Die Ziele wurden erreicht"

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, kann die Kritik der Polizisten nachvollziehen. "Als junger Polizist hat man eine völlig andere Wahrnehmung eines solchen Einsatzes, als beispielsweise der Einsatzleiter. Da kann man schnell den Eindruck bekommen, dass man gerade die Kontrolle verliert", sagt Wendt im Gespräch mit unserem Portal. Es sei eine wichtige Aufgabe der Führungskräfte, vor allem mit jungen Beamten nach einem solchen Tag persönlich zu sprechen, den Einsatz nachzubearbeiten und die Strategie noch einmal zu erörtern, meint Wendt. Allerdings gäbe es dafür leider zu wenig Zeit und Personal. "Die sind ja alle schon wieder im Einsatz."

Dennoch: "Aus ganz nüchterner Polizeisicht sind alle Einsatzziele am Sonntag erreicht worden. Diese Ziele lauteten: Die Demonstration und die Gegendemonstration stattfinden zu lassen und die Kölner Innenstadt zu schützen", erklärt Wendt. Deshalb wird der Einsatz trotz aller Kritik von Polizeiseite als Erfolg gewertet. Angesichts der erschreckenden Bilder aus Köln ist das kaum zu glauben, das versteht auch Wendt. "Das sind natürlich keine schönen Bilder. Man denkt da ja fast schon an Bürgerkrieg." Dass Polizisten bei einem solchen Einsatz verletzt werden, sei allerdings leider nicht vermeidbar. Das Gefahrenpotenzial gebe es in diesem Beruf eben.

Einsatz wird nachbearbeitet

Dennoch will Wendt besorgte Menschen beruhigen: Man werde natürlich den Einsatz nachbearbeiten, offene Fragen, wie beispielsweise nach der fehlenden Reiterstaffel, klären und im nächsten Einsatz selbstverständlich korrigieren.

Die Bewegung "Hooligans gegen Salafisten" hat bereits die nächste Demonstration angekündigt. Am 15. November wollen sie in Hamburg auf die Straße gehen.