Im Falle der beiden toten Mitarbeiter im Hermes-Versandzentrum Haldensleben gehen die Ermittler derzeit von einem Zufall aus. Zur Sicherheit stand der Betrieb aber den Mittwoch über still.

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Der sonst mit Hunderten Autos gefüllte Mitarbeiterparkplatz ist fast leer. Ein Absperrband flattert vor dem Eingang, den die Beschäftigten sonst nehmen. Die Arbeit im Hermes-Versandzentrum Haldensleben steht still. Die Ermittlungen nach dem rätselhaften Tod von zwei Mitarbeitern binnen 24 Stunden hat die Welt in dem Logistikbetrieb mit gut 3.000 Mitarbeitern verändert. Wo sonst alles von Bewegung und Transport lebt, haben Feuerwehr und Polizei die Arbeit aufgenommen. Sie suchen nach Hinweisen zum Tod der beiden Männer. Sogar Experten aus Berlin, die Analytische Task Force Deutschland, ist angereist, um nach Hinweisen auf gefährliche Stoffe zu suchen. Zur Sicherheit. Denn die Ermittler gehen derzeit von einem Zufall aus.

"Ungewöhnliche" Todesfälle

Beide Mitarbeiter des Paketdienstleisters waren unter noch ungeklärten Umständen gestorben. Auf dem Gelände wurde in der Nacht zum Dienstag gegen 1.00 Uhr zunächst ein Toter entdeckt. Der 58-Jährige sei zusammengebrochen und vor Ort gestorben, sagt Polizeisprecher Matthias Lütkemüller. Gelassen steht er auf dem Parkplatz vor dem Versandzentrum, hin und wieder klingelt sein Telefon. Dass gleich zwei offenbar gesunde Mitarbeiter einer Firma an einem Tag sterben, sei "ungewöhnlich".

Am Dienstagnachmittag wurde nach Polizeiangaben in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter (45) tot aufgefunden. "Ich bin da vorbeigegangen, da hab ich bloß gesehen, dass der Fahrer mit dem Kopf auf dem Beifahrersitz gelegen hat", erzählt ein Augenzeuge. Zudem wurde am selben Tag auf dem Gelände des Versandzentrums ein Mann gefunden. Zunächst hieß es, er sei schwer verletzt. Später sagte Hermes-Geschäftsführer Andreas Stumpf, der Epileptiker habe wie schon öfter zuvor einen Anfall erlitten. Es gehe ihm wieder gut.

Für einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt es laut Polizei bislang keine Anhaltspunkte. Es gebe auch keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Die Feuerwehr war am Dienstagabend mit rund 120 Einsatzkräften vor Ort und prüfte, ob es "toxische Substanzen" gebe. Hinweise ergaben sich nicht. Um sicherzugehen, wurden Polizeiexperten aus Berlin hinzugezogen. Wenn sie die Arbeit abgeschlossen haben, soll die Obduktion durchgeführt werden. Die Ermittler erwarten, dass dann feststeht, woran die Männer starben und ob es vielleicht doch einen Zusammenhang gibt.

Mitarbeiter stehen vor dem Haupteingang des Paketdienstleisters Hermes.

300.000 Sendungen bleiben liegen

Die Mitarbeiter des Versandzentrums wurden schon am Dienstagabend nach Hause geschickt, als Vorsichtsmaßnahme. Den Mittwoch über stand der Betrieb still - die Polizei war bei der Tatortarbeit. Rund 300.000 Sendungen blieben liegen, schätzte Geschäftsführer Andreas Stumpf. Binnen zwei Tagen könne das wieder aufgeholt werden. Er geht davon aus, dass Kunden Verständnis für die Verzögerung haben.

Während der Mitarbeiterparkplatz nahezu leer ist und nur noch ab und zu noch nicht informierte Beschäftigte ankommen und wieder wegfahren, ist die Lieferzufahrt am dem Versandzentrum voll. Zwei Männer sitzen in der Nacht zum Mittwoch in einem Führerhaus, ein dritter Mann steht davor. Was sie da machen? "Pause", sagt einer der Männer und trinkt einen Schluck Bier. Ob sie schon wissen, ob sie heute noch arbeiten können? "Egal", sagt ein anderer Mann mit bulliger Statur und zuckt mit den Schultern. (Marek Majewsky/dpa/dar)

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Teaserbild: © Matthias Strauß/dpa