Schlammlawinen und Hochwasser: Tief "Axel" öffnet die Schleusen und beschert Deutschland Dauerregen. Auch die Aussichten für die kommenden Tage sind nicht viel besser, nach kurzem Zwischenhoch wird das Wochenende wieder nass.

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Wonne- und Sonnemonat Mai? Das können wir uns abschminken. Tief "Axel" hat Deutschland fest im Griff. Heftige Regenfälle und schwere Gewitter haben in manchen Regionen Straßen und Keller überflutet. In der Nacht zum Dienstag fielen örtlich bis zu 70 Liter Wasser pro Quadratmeter.

Regenwasser lässt Decke von Kreißsaal einstürzen

In einem Kreißsaal im niedersächsischen Helmstedt stürzte nach heftigen Regenfällen die Decke ein. Der Saal und die Intensivstation des Krankenhauses wurden geräumt. Nach Angaben der Feuerwehr waren sechs Menschen betroffen - drei Frauen aus der Entbindungsstation und drei Intensivpatienten. Sie wurden am Montagabend aus dem Klinikum in andere Krankenhäuser verlegt.

Ursache für den Deckeneinsturz war nach ersten Erkenntnissen, dass sich auf dem Dach des Klinikums wegen eines verstopften Fallrohrs Regenwasser gestaut hatte.

Wetter aktuell: Unwetterwarnungen für Teile Süddeutschlands

In Baden-Württemberg gilt eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für den Großteil des Landes noch bis Mittwochmorgen (Stufe 3). Für den Südosten wurde sogar vor extremem Unwetter (Stufe 4) gewarnt.

In Wangen im Allgäu wurde um 1:30 Uhr Hochwasseralarm ausgelöst, nachdem der Fluss Obere Argen, der durch die Stadt fließt, den Auslösepegel von 2,30 Metern überschritten hatte. Am frühen Dienstagmorgen lag der Wasserpegel bei 2,70 Metern, wie ein Sprecher der Stadt mitteilte.

Ab einem Wasserpegel von etwa 2,80 Meter würde der Fluss großflächig über die Ufer treten. In der Nähe von Wangen sind nach Polizeiangaben mehrere Keller vollgelaufen.

Tief "Axel": Überflutete Bahngleise

Die starken Regenfälle bereiten auch Bahnreisenden in Bayern Probleme. Auf drei regionalen Strecken, darunter Augsburg-Ulm, fielen Züge aus. Die Bahn wollte nach Angaben eines Sprechers Ersatzverkehr einrichten. Wie lange die Sperrungen anhielten, war zunächst nicht absehbar. Auch bei Dinkelscherben seien Gleise überflutet.

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Hochwasser-Alarm im Süden Deutschlands

In weiten Teilen Bayerns kämpfen Feuerwehr, Polizei und Helfer gegen die Folgen des Dauerregens.

Auch in Thüringen machte sich Tief "Axel" bemerkbar: Nach heftigen Regenfällen sind in einigen Teilen des Freistaats Straßen und Keller überflutet worden. In der Krayenberggemeinde spülte der Regen am Dienstagmorgen Schlamm von einem Hang, wie die Rettungsleitstelle mitteilte.

Das Ausmaß war zunächst unklar. An etlichen Flüssen bereiteten sich die Einsatzkräfte im Land auf ein mögliches Hochwasser vor. Eine Sprecherin des Wartburgkreises sagte am Morgen allerdings, dass die Lage überschaubar sei.

Dauerregen in NRW: Mehrere Unfälle

Im Nordrhein-Westfalen war besonders der Kreis Lippe stark betroffen. Dort mussten wegen des Regens mehrere Straßen gesperrt werden. Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, lag insgesamt vor allem Ostwestfalen im Einflussgebiet des Unwetters.

Auf der Autobahn 44 kam es in dieser Region in der Nacht gleich zu mehreren Unfällen. Wie ein Sprecher der Polizei Bielefeld mitteilte, gerieten auf der Autobahn mehrere Fahrzeuge wegen des Starkregens ins Schleudern - eine Person wurde leicht verletzt.

Land unter in Hessen

In Hessen war vor allem der Norden und Osten des Landes unter Wasser gesetzt. Besonders betroffen war nach Angaben der Polizei Kassel. Zwar gebe es derzeit keine Unfälle, jedoch seien viele Keller im Stadtgebiet mit Wasser vollgelaufen, sagte ein Polizeisprecher. Teilweise stand das Wasser knietief auf den Straßen. Bäche traten über die Ufer.

Auch in Fulda, dem benachbarten Künzell und Alsfeld im Vogelsberg mussten mehrere Straßen gesperrt werden. Der Deutsche Wetterdienst gab eine Unwetterwarnung für Osthessen, die Region um Kassel und Teile Südhessens heraus. Es sei mit ergiebigem Dauerregen zu rechnen.

Hoch "Ophelia" sorgt Donnerstag für Abwechslung

Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes erwarten, dass die starken Regenfälle in der Nacht zum Mittwoch zurückgehen.

Oder wie Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net es ausdrückt: "Tief 'Axel' macht am Mittwoch den Abgang. Dann ist der Weg frei für das Hoch 'Ophelia'. Es bringt am Donnerstag vielfach freundliches und trockenes Wetter. Das Ganze bei Werten zwischen 18 und 25 Grad am Rhein."

Wer allerdings auf ein sonniges, warmes und vor allem trockenes Wochenende hofft, wird enttäuscht. "Schon ab Freitag gibt es wieder Schauer und auch Gewitter. Mit diesem wechselhaften Wetter gehen wir dann auch in das letzte Maiwochenende", erklärt Jung. "Auch die letzten Maitage werden wohl sehr nass werden. In Sachen Maisommer ist in diesem Jahr nichts zu holen."

Wetter aktuell: So werden die kommenden Tage

  • Dienstag: 12 bis 18 Grad, im Osten bei Sonnenschein bis zu 25 Grad, überwiegend stark bewölkt und weiterhin schauerartiger Regen mit der höchsten Starkregengefahr im Süden
  • Mittwoch: In der Osthälfte noch meist stark bewölkt mit schauerartigem Regen, im Westen und Südwesten längere sonnige Abschnitte, 14 bis maximal 22 Grad
  • Donnerstag: Geringes Schauerrisiko im Westen und Süden, Richtung Norden niederschlagsfrei, Höchsttemperaturen zwischen 17 und 23 Grad
  • Freitag: Im Süden und in der Mitte Deutschlands einzelne Schauer, wechselnde Bewölkung, im Osten und Südosten länger sonnig und trocken, Thermometer kann bis auf 24 Grad klettern
  • Prognose für das Wochenende: Es bleibt wechselhaft mit Schauern und zeitweiligen Regenfällen, im Süden gibt es vereinzelte Gewitter; die Temperaturen bewegen sich zwischen 18 und maximal 23 Grad, erst zum Wochenbeginn wird es etwas wärmer
  • Heute 8°C
  • Di 5°C
  • Mi 4°C
  • Do 5°C
  • Fr 5°C
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Verwendete Quellen:

  • Webseite des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
  • dpa
  • Mitteilung von wetter.net
Teaserbild: © picture alliance/Sven Hoppe/dpa