Wie stellen Sie sich Haare vor, die schon sehr lange nicht mehr mit Shampoo in Kontakt gekommen sind? Denken Sie an eine fettige und strähnige Masse, die unschön am Kopf klebt? Das Gegenteil sei der Fall, behaupten Anhänger der "No Poo"-Methode.

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Hinter dem Begriff "No (Sham)Poo" verbirgt sich der Trend, bei der Haarpflege auf Shampoo zu verzichten. Stars wie Gwyneth Paltrow und Adele sollen Verfechterinnen der Methode sein.

Was steckt hinter der "No Poo"-Methode?

Das Fett auf unserer Kopfhaut kommt über eine Drüse aus bis zu 150.000 Haarfollikeln und verteilt sich über die Kopfhaut. "No Poo"-ler suchen nach alternativen Möglichkeiten, um diesem Fett zu Leibe zu rücken.

Sie glauben, chemische Inhaltsstoffe in Shampoos können den pH-Wert unserer Kopfhaut aus dem Gleichgewicht bringen. Derart aus der Balance geraten, fette die Kopfhaut schneller nach, was dazu führe, dass man sie häufiger waschen müsse.

Wie funktioniert "No Poo" in der Praxis?

Es gibt unterschiedliche Ansätze bei der "No Poo"-Methode. Einige verstehen darunter den kompletten Verzicht auf jede Art von Shampoo. Das Haar wird nur mit Wasser gewaschen und anschließend mit einer Bürste, beispielsweise aus Wildschweinborsten, gekämmt. So wird das Fett der Kopfhaut vom Ansatz bis in die Spitzen verteilt.

Im Netz finden sich dazu zahlreiche Selbsttests. Nach einer Periode mit fettigem Haar, die circa ein bis zwei Monate andauert, soll sich die Talgproduktion auf dem Kopf normalisieren. Wer durchgehalten hat, der werde mit weicherem, kräftigerem und vollerem Haar belohnt.

Andere verzichten auf chemische Shampoos und setzen stattdessen auf natürliche Alternativen. Diese sind zum Beispiel Roggenmehl, Lava-Erde oder Natron. Als Spülung kann eine Mischung aus Apfelessig und Wasser verwendet werden, die dem Haar Glanz verleihen soll.

Wie ordnen Experten die Wirkung von chemischem Shampoo ein?

Stimmt es, dass herkömmliche Shampoos den Säureschutzmantel unserer Kopfhaut aus dem Gleichgewicht bringen? Laut der Dermatologin Yael Adler ruft alles, was man auf die Haut oder die Kopfhaut aufträgt, eine Veränderung der Lokalsituation hervor.

"Wenn man ein beliebiges Shampoo nimmt, dann sind da Konservierungsmittel enthalten, Farbstoffe, Duftstoffe und Emulgatoren", so Adler. Diese würden die Kopfhaut verändern, sie wirken sich zum Beispiel auf die Fette, Bakterien und den pH-Wert aus.

In der Folge könne die Kopfhaut gereizt sein und austrocknen. Ein Ekzem könne sich entwickeln, der Geruch könne unangenehm werden. Schuppenbildung, Juckreiz, Rötungen und Allergien können die Folge sein.

Was hält die Expertin von natürlichen Shampoos?

Synthetische Shampoos würden die Kopfhaut stark entfetten. Die Expertin empfiehlt daher, stattdessen leichtere Entfetter zu verwenden. Zucker- und Kokos-Tenside seien sehr empfehlenswert.

Kritik an der "No Poo"-Methode

Die Annahme, dass der Verzicht auf Shampoo die Fettproduktion der Talgdrüsen beeinflusse, sehen viele Dermatologen dagegen kritisch. Yael Adler erklärt: "Die Talgdrüsen sitzen in der zweiten Hautschicht, der Lederhaut." Die Dermatologin stellt klar: "Kein Shampoo auf dieser Welt wird in irgendeiner Form die in der Tiefe der Haut liegenden Talgdrüsen berühren oder beeindrucken. Man trocknet nur die Oberhautfette aus."

Die Talgdrüsen produzieren unabhängig vom Haare waschen immer gleich viel Hauttalg - sogenanntes Sebum. Wie viel, das ist Veranlagung.

Die Vorteile des Shampoo-Verzichts

Den "No Poo"-Trend sieht die Expertin dennoch positiv. "Ich halte das für überhaupt nicht ungesund, eher im Gegenteil", so Adler. "Der Steinzeitmensch hat sich ja auch die Haare nicht shampooniert. Es ist ja so, dass sich dieser Fettfilm vom Kopf auch auf das Haar legt und es schützt." Vorsicht sei lediglich geboten, wenn Leute eine zu starke Fettproduktion hätten.

Bei einem sehr fettigen Milieu auf der Kopfhaut vermehren sich die Hefepilze rasant. So könne ein sogenanntes seborrhoisches Kopfekzem entstehen. Hierbei bildet sich eine schuppende und juckende Kruste auf der Kopfhaut.

Ein Mittelweg

Ein guter Kompromiss wäre es laut Adler, sich die Haare mit einem milden, synthetischen Tensid zu shampoonieren. Aber auch eine Mischung aus Roggenmehl und warmem Wasser sowie eine Spülung aus Apfelessig bewertet sie positiv, genauso wie die Verwendung von Sheabutter für die Spitzen.

Lava-Erde sei ebenfalls empfehlenswert, allerdings nicht, wenn die Haare sehr fein sind oder vorgeschädigt sind. Die Verwendung von Natron hält sie dagegen aufgrund seines alkalischen pH-Werts für nicht empfehlenswert.

Unabhängig von der positiven Wirkung auf die Haare: Wer ohne sein bisheriges Shampoo auskommt, spart Geld und schont die Umwelt. Denn es fällt weniger Verpackungsmüll an und es gelangen bei der Haarwäsche keine chemischen Substanzen ins Abwasser.

Verwendete Quellen:

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