Am Telefon, im Internet oder an der Haustür: Auch in den eigenen vier Wänden ist das Risiko hoch, Opfer von Betrug zu werden. Diese häufigen Betrugsmaschen zeigen, wie geschickt Kriminelle oder unseriöse Anbieter vorgehen.

Mehr Ratgeberthemen finden Sie hier

Sie gehen mit großer Raffinesse vor: Betrüger, die ihre Opfer - häufig am Telefon, im Netz oder an der Haustür - um ihr Geld bringen. Der finanzielle Schaden sei in vielen Fällen "beträchtlich", heißt es von der deutschen Polizeilichen Kriminalprävention.

Letztlich seien es aber immer ähnliche Tricks, nur in unterschiedlichen Varianten, zu denen die Täter greifen: Meist geben sie sich als jemand aus, der sie nicht sind. Um gewarnt zu sein, sollte man unbedingt von den folgenden Maschen gehört haben.

Amazon: Geld nie an Händler direkt überweisen

Ein Händler auf Amazon fordert Sie dazu auf, ihm direkt eine E-Mail zu schicken? Vorsicht! Dies sei ein klarer Hinweis, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, warnt aktuell die österreichische Plattform "Watchlist Internet".

Dass unabhängige Händler ihre Waren auf Amazon anbieten, ist ganz normal, aber: Die Abwicklung eines Geschäfts - von Bestellung bis Bezahlung - läuft normalerweise vollständig über Amazon ab. Immer wieder aber komme es vor, dass Betrüger sich dazwischenschalten und versuchen, Kunden außerhalb der Plattform Waren anzubieten.

Oft beginnt es laut "Watchlist Internet" mit der Bitte, sich vor der Bestellung für weitere Details per Mail an den Verkäufer zu wenden. Am Ende geht es dann darum, das Geld direkt zu überweisen. Wer sich darauf einlässt, habe es in der Regel mit Fake-Verkäufern zu tun.

So funktioniert der Betrug: Kriminelle hacken immer wieder solche Marketplace-Accounts. Sie bieten dort Waren besonders billig an, kassieren das Geld - aber liefern keine Ware. Die eigentlichen Inhaber des Accounts bemerkten den Missbrauch häufig zu spät - und der Schaden ist für den tatsächlichen Händler oft groß, aber auch für die betrogenen Kunden.

Wer sich schützen will, verlässt also am besten nicht die gewohnten Wege bei der Verkaufsabwicklung.

Mit diesen Hinweisen entlarven Sie Betrüger:

  • Wer sich unsicher ist, findet bei Amazon Hinweise zum Verkäufer - bei der Smartphone-Version unter dem "Jetzt kaufen"-Button und am Desktop in der rechten Spalte der Produktseite.
  • Weitere Hinweise auf Betrug können beispielsweise sein, wenn die Zahl der Produkte unrealistisch hoch ist, Firmenname und Waren nicht zusammenpassen oder es widersprüchliche Angaben bei der Produktbeschreibung gibt.
  • Amazon rät, Geld nie direkt an Marketplace-Verkäufer zu überweisen - und wer von einem Verkäufer dazu aufgefordert wird, solle den Vorfall dem Kundenservice melden. Das Unternehmen weist zudem darauf hin, dass Marketplace-Verkäufer nie Zahlungsdaten von Kunden erhalten, sondern Amazon immer nur die Zahlungen weiterleitet.

Vorsicht, Falle: Frage nach Zählernummer am Telefon

Verbraucherschützer warnen im Oktober zudem vor einer Masche unseriöser Energieanbieter: Sie rufen Verbraucher an und fragen am Telefon unter einem Vorwand nach dem aktuellen Zählerstand und der Zählernummer.

Geben Verbraucher diese Daten preis, leiten sie unter Umständen den Anbieterwechsel ein, ohne es zu wollen. Denn dem unseriösen Anbieter reichen diese Daten aus, um den Vertrag beim bisherigen Versorger zu kündigen.

  • Tipp der Verbraucherzentrale Bremen: Legen Sie auf. Der derzeitige Energieanbieter würde sich schriftlich melden, wenn er den Zählerstand erfragen möchte, erklären die Experten. Grundsätzlich sollten am Telefon keine Daten durchgegeben werden - weder die Zählernummer noch der Name und die Anschrift.

Wer seine Daten einem unbekannten Anrufer genannt hat, sollte den untergeschobenen Vertrag schriftlich mit einem Einwurfeinschreiben innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Darüber hinaus sollte der unerwünschte Anruf der Bundesnetzagentur gemeldet werden.

Betrüger in Coronakrise auf Beutezug

Vor unterschiedlichsten Maschen hat in diesem Jahr die Polizei bereits gewarnt, bei denen sich Täter die Verunsicherung durch Corona schamlos zunutze machten.

Cyberkriminelle etwa versuchen gehäuft, Hilfsgelder in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu ergaunern. Dabei geben sie sich via E-Mail als Förderbank aus und fordern die Rückzahlung angeblich gezahlter Hilfsgelder. Auch wird mit Fake-Mails versucht, an sensible Daten von Bankkunden heranzukommen.

Verbraucherschützer warnen zudem vor Fake-Shops im Internet, die beispielsweise Desinfektionsmittel oder Masken ungewöhnlich günstig anbieten. Oft handele es sich um gute Kopien real existierender Websites, die mit besonders günstigen Preisen locken. Die angegebenen Kontaktdaten und das Impressum seien, wenn überhaupt vorhanden, meist falsch. In einigen Fällen werden dafür auch andernorts gestohlene Daten von Nutzern missbraucht. Die Ware, wenn sie denn überhaupt existiert, sei allenfalls minderwertig.

So verraten sich laut der Verbraucherzentrale Berlin Fake-Shops:

  • Erstaunlich günstige Preise
  • Fehlendes Impressum
  • Vorkasse

Wenn ein angegebenes Gütesiegel keine Verlinkung zum Siegel-Betreiber enthält, sei das ein Zeichen dafür, dass es erfunden oder einfach kopiert wurde.

Wer auf das Angebot eines Fake-Shops hereingefallen ist, sollte sich umgehend an seine Bank wenden, raten die Verbraucherschützer. Überweisungen könnten noch Stunden nach der Bestellung zurückgezogen werden, beim Lastschriftverfahren gebe es die Möglichkeit der Zurückziehung bis zu acht Wochen. Opfer sollten auch Belege für den Betrug, etwa die Online-Bestellung, Auftragsbestätigung und Mail-Verkehr sammeln und von der Verbraucherzentrale prüfen lassen.

Der falsche Polizeibeamte

"Wenn es um die momentan häufigsten Betrugsarten geht, wäre der 'falsche Polizeibeamte' zu nennen", heißt es von der Polizeiliche Kriminalprävention auf Anfrage unserer Redaktion. Die Zahl der Delikte habe so zugenommen, dass der "falsche Polizeibeamte" kürzlich gesondert in die Polizeiliche Kriminalstatistik des BKA aufgenommen wurder. Die Schadenssummen seien häufig beträchtlich.

So funktioniert der Trick: Betrüger verkleiden sich als Polizeibeamte, um das Vertrauen ihres Gegenübers - meist ältere Menschen - zu gewinnen. Sie manipulieren ihre Opfer so gekonnt, dass diese freiwillig hohe Geldbeträge oder Wertsachen übergeben. Die Täter erreichen das, indem sie von erfundenen Einbrecherbanden erzählen und so Angst und Verunsicherung erzeugen. Schließlich täuschen sie vor, das Hab und Gut ihrer Opfer vor Einbrechern in Sicherheit bringen zu wollen - und nehmen es mit.

Warnung: "Die Polizei fordert Bürgerinnen und Bürger niemals dazu auf, Geld oder Wertsachen an Beamte zu übergeben. Nur Betrüger wollen an Ihre Wertgegenstände", betont Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Tipps der Polizei:

  • Lassen Sie niemals Unbekannte in Ihre Wohnung.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und übergeben Sie niemals Geld an fremde Personen.
  • Verlangen Sie von angeblichen Amtspersonen grundsätzlich den Dienstausweis und prüfen Sie ihn sorgfältig auf Druck, Foto und Stempel. Rufen Sie im Zweifel die entsprechende Behörde an. Die entsprechende Telefonnummer sollten Sie selbst heraussuchen, nicht vom Unbekannten verlangen.
  • Stellen Sie keine Wertgegenstände zur Abholung vor die Tür.
  • Rufen Sie im Zweifelsfall 110 oder bei Ihrer Polizeidienststelle vor Ort an.
  • Wurden Sie zum Opfer, wenden Sie sich sofort an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.

Varianten des Haustürbetrugs

Neben dem Beamten geben sich Betrüger sehr häufig auch als Hilfsbedürftige, Handwerker oder Mitarbeiter der Stadtwerke aus oder treten als seriös gekleideter Geschäftsmann auf.

So funktioniert der Trick: Mit schauspielerischem Geschick überrumpeln die Täter ihre Opfer und verschaffen sich unter einem Vorwand Zutritt zu deren Wohnung: Sie bitten um ein Glas Wasser, etwas zum Schreiben oder fragen, ob sie die Toilette benutzen dürften. Als Handwerker verkleidet weisen sie auf einen vermeintlichen Wasserrohrbruch hin, der schnell behoben werden müsse.

Tatsächlich gelingt es laut Polizei auf diese Weise leider oft, dass eine zweite Person unbemerkt in die Wohnung eindringt und nach Wertsachen sucht.

Die schriftliche Variante: Die Täter werfen Benachrichtigungen in den Briefkasten, die mit den Namen der Opfer ausgefüllt sind. Darin heißt es, dass "niemand angetroffen" wurde und man sich bitte "zur Vereinbarung eines Gesprächstermins in Ihrer Angelegenheit“ oder "zur Abholung Ihres Pakets" telefonisch melden möge. Beim angegebenen Telefonkontakt handelt es sich dann um eine kostenintensive Telefonnummer.

Tipps der Polizei:

  • Öffnen Sie Unbekannten die Tür höchstens bei vorgelegtem Sperrriegel.
  • Bestellen Sie Unbekannte für später ein, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.
  • Wehren Sie sich energisch gegen zudringliche Besucher, sprechen Sie sie laut an oder rufen Sie um Hilfe.

Geschäfte an der Haustür

Ein "einmaliges Schnäppchen", ein "Gratisangebot": Bei diesen Worten sollte jeder hellhörig werden. Ebenso, wenn es um Handwerksleistungen geht, die an der Haustür angeboten werden, oder der Unbekannte behauptet, für ein soziales Projekt zu arbeiten.

So funktioniert der Trick: Mit unterschiedlichen Maschen - indem sie entweder mit Gewinnen locken oder das Mitgefühl der Opfer wecken - besorgt sich der Täter die Unterschrift des Opfers. Letztlich handelt es sich aber um einen Vertrag - für eine Versicherung, ein Abo oder sonstiges - den das Opfer unterschrieben hat.

Bietet der Betrüger eine Handwerksleistung an, beginnt er diese zur Täuschung, beendet sie dann aber nicht. Der Auftraggeber aber wird zur Kasse gebeten.

Tipps der Polizei:

  • Kaufen oder unterschreiben Sie niemals etwas an der Haustür. Angebote Produkte - Teppiche, Besteck, Schmuck - oder Handwerkerleistungen sind meist wertlos.
  • Lassen Sie nur Handwerker in Ihre Wohnung, die Sie selbst bestellt haben oder die von der Hausverwaltung angekündigt worden sind. Das gleiche gilt für vermeintliche Vertreter der Stadtwerke.
  • Nehmen Sie für Nachbarn nichts ohne deren Ankündigung entgegen, etwa Nachnahmesendungen oder Lieferungen gegen Zahlung.
  • Geben Sie keine Unterschrift für angebliche Geschenke oder Besuchsbestätigungen.
  • Banken, Sparkassen, Polizei oder andere Behörden schicken nie "Geldwechsler" oder "Falschgeld-Prüfer" an die Haustür. Informieren Sie umgehend die Polizei, wenn derartige Unbekannte bei Ihnen auftauchen.
  • Wechseln Sie niemals Geld an der Haustür. Es könnte sich um Falschgeld handeln.

Falsche Mails: Beispiele Amazon und Netflix

Zu den häufigsten Betrugsmaschen gehören auch falsche Emails, die angeblich von Behörden, der Bank oder bekannten Unternehmen stammen. Dieses Jahr kursieren beispielsweise falsche Amazon- und Netflix-Mails.

So funktioniert der Trick: Die Kriminellen locken ihre Opfer auf gefälschte Seiten, damit diese dort ihre Daten - inklusive Bankdaten - eingeben. Im Fall von Netflix wird den Usern per Mail vorgegaukelt, ihr Konto werde in 48 Stunden auslaufen - wenn sie nicht online ihre Daten aktualisieren. Ein Link führt zu einer gefälschten Website, wo die Kunden ihre Logindaten und Bezahlinformationen eingeben sollen.

Im Fall Amazon erhielten die User eine angebliche Bestellbestätigung, was zu Verunsicherung führt, denn die angebliche Bestellung wurde nie durchgeführt. Das Ziel der Betrüger: Der irritierte User öffnet den Anhang, gelangt über einen Link auf die Fake-Seite und gibt seine Daten ein.

In beiden Fällen handelt es sich um den Phishing-Trick: Die Kriminellen greifen die Anmeldedaten der Nutzer sowie Zahlungsdaten und Adressen ab.

Tipps der Polizei:

  • Niemals Links oder Anhänge in verdächtigen Emails öffnen.
  • Wer Opfer geworden ist, sollte unverzüglich die echten Amazon- oder Netflix-Webseiten aufrufen, sich dort einloggen und seine Zugangsdaten ändern.
  • Nehmen Sie Kontakt mit dem Support des Unternehmens auf.
  • Unbedingt sollten Betroffene sofort die Bank informieren, zu der die Zahlungsdaten gehören, die auf der Phishing-Seite preisgegeben wurden.

Falsche Microsoft-Mitarbeiter am Telefon

Diese Betrugsmasche ist immer noch besonders häufig: Das Telefon klingelt, es meldet sich - häufig in gebrochenem Englisch oder Deutsch - ein angeblicher Mitarbeiter von Microsoft oder einer anderen bekannten IT-Firma.

So funktioniert der Trick: Der Anrufer behauptet, der Computer des Opfers sei von Viren befallen oder gehackt worden, was sich aber durch ein neues Sicherheitszertifikat beheben ließe. Die Opfer installieren unter Anleitung eine Fernwartungssoftware. Das ist fatal, denn mit dieser haben die Betrüger Zugriff auf den Rechner und somit alle Passwörter, auch denen fürs Online-Banking. Zudem fordern die vermeintlichen ITler in vielen Fällen dann noch Geld für ihren Aufwand.

Tipps der Polizei:

  • Legen Sie im Fall eines solchen Anrufs sofort auf.
  • Geben Sie auf keinen Fall private Daten - etwa Bankkonto- oder Kreditkartendaten, oder Zugangsdaten zu Kundenkonten wie PayPal - heraus.
  • Erlauben Sie einem unbekannten Anrufer nie Zugriff auf Ihren Rechner.

Wenn Sie Opfer wurden:

  • Trennen Sie Ihren Rechner vom Internet und fahren Sie ihn herunter. Über einen nicht infizierten Rechner sollten Sie unverzüglich Ihre Passwörter ändern.
  • Lassen Sie Ihren Rechner überprüfen und das Fernwartungsprogramm auf Ihrem Rechner löschen.
  • Nehmen Sie Kontakt zu den Zahlungsdiensten und Unternehmen auf, deren Zugangsdaten in den Besitz der Täter gelangt sind.
  • Lassen Sie sich von Ihrem Geldinstitut beraten, ob Sie bereits getätigte Zahlungen zurück holen können.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

"Romance Scamming" oder "Loverboy"-Masche

Immer häufiger wird auch vor der "Loverboy"-Masche gewarnt, auch bekannt als "Romance Scamming": Kriminelle erschleichen sich in den sozialen Medien oder beim Online-Dating das Vertrauen ihrer Opfer und bringen sie im schlimmsten Fall um sehr viel Geld. Wie Sie die "Loverboy"-Betrüger erkennen, lesen Sie hier. Das rät die Polizei im Verdachtsfall:

Geben Sie den Namen Ihrer Bekanntschaft mit dem Zusatz "Scammer" oder "Loverboy" in eine Suchmaschine ein - oft ließe sich der Verdacht dadurch schon bestätigen.

  • Falls ein Bild mitgeschickt wurde, lassen sich anhand der umgekehrten Bildersuche zusätzliche Informationen zu dem Bild erhalten.
  • Anfragen ignorieren, Person blockieren.
  • Hilfe holen, etwa bei der Polizei.
  • Beweise sichern, etwa durch Screenshots.

Unerwünschte Anrufe & Co.: So legen Sie Beschwerde ein

Besteht der Verdacht eines Betrugs, wenden sich Bürgerinnen und Bürger am besten schnellstmöglich an die Polizei. Niemand muss es sich zudem gefallen lassen, unerwünschte automatisierte Anrufe zu erhalten, Fax-Spam oder Werbenachrichten über Messenger-Dienste: Solche Fälle können Verbraucher unter diesem Link der Bundesnetzagentur melden. Auch etwa über hochpreisige Kundenhotlines können Sie sich dort beschweren. (af)

Verwendete Quelle:

  • Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
  • Bundesnetzagentur
  • dpa

Gefahr von Hackerangriffen in Corona-Krise gestiegen - Experten warnen

In der Coronakrise verlagert sich die Kriminalität teilweise ins Internet. Während die Zahl der Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle gesunken ist, boomt der Online-Betrug. Im Netz versuchen etliche Betrüger, von der Krise zu profitieren. Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor gefährlichen E-Mails.
Teaserbild: © imago images/ZUMA Wire