• Wenn ein Tornado wütet, hinterlässt er oft eine Schneise der Zerstörung - wie aktuell in der ostfriesischen Gemeinde Großheide.
  • Von der Stärke der Naturgewalt zeugen dann entwurzelte Bäume, beschädigte Dächer und zertrümmerte Gartenhäuschen.
  • Wie entsteht ein Tornado überhaupt und kann ich mich schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wetter aktuell: Unwetter-Warnungen und Tornado-Gefahr

Wie entsteht normalerweise ein Tornado?

In einer Gewitterwolke steigt warme Luft spiralförmig nach oben. Dabei werden Drehbewegungen immer schneller, wie bei einem Eiskunstläufer, der eine Pirouette dreht. Schließlich wird an der Unterseite der Gewitterwolke eine Art Schlauch sichtbar.

Bekommt dieser Bodenkontakt, spricht man von einem Tornado und es wird gefährlich: Der Wirbelsturm kann zu schweren Schäden führen, besonders dann, wenn er über bewohntem Gebiet tobt.

Durch den Sog reißt der Schlauch alles nach oben, was ihm in den Weg kommt. Wird der Sturm schließlich wieder schwächer, fällt alles wieder nach unten und es drohen weitere Verwüstungen durch herumfliegende Trümmerteile.

Doch die Luft in Ostfriesland war kalt. Wie konnte dort ein Tornado entstehen?

Laut Aussage des Deutschen Wetterdienstes DWD hat es sich im Fall der Windhose in Ostfriesland um einen sogenannten Kaltluft-Tornado wahrscheinlich ohne Superzelle gehandelt.

"Das sind Tornados, die bilden sich in kalter Luft, wie sie gestern über Norddeutschland vorhanden war", erklärt der Tornadoexperte des DWD Andreas Friedrich.

Ursache seien ausgeprägte Windscherungen - das heißt verschiedene Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen am Boden und in einem Kilometer Höhe. In diesem Gefüge entsteht eine rotierende Bewegung in der eigentlichen Wolke, die nach unten herauswächst und dann wie ein Rüssel aussieht.

Wie schützt man sich vor einem Tornado?

Massive Steinhäuser und Kellerräume bieten laut Experten den besten Schutz, wenn ein Tornado aufzieht. Wer sich im Freien befindet, sollte stets auf eine Distanz von einem Kilometer zum Tornado ausweichen. In dieser Entfernung ist man in der Regel sicher.

Wer keine Zeit hat, um sich in Sicherheit zu bringen, legt sich am besten flach auf den Boden und wartet, bis der Sturm weiter gezogen ist. Auf der Erde liegend ist die Gefahr am geringsten, von umherfliegenden Gegenständen getroffen zu werden.

Kann ich mein Haus gegen einen Tornado rüsten?

Die Zerstörungskraft von Tornados wird in der sogenannten Fujita-Skala erfasst. Selbst ein "kleiner" F1-Tornado weist bereits Windgeschwindigkeiten von mindestens 118 km/h auf. Wenn das eigene Haus tatsächlich von solch einer Windhose getroffen wird, hat die bauliche Substanz der Naturgewalt kaum etwas entgegenzusetzen.

"Wenn es zu tatsächlichen Tornados kommt, dann hat im Moment die bauliche Infrastruktur keine Chance", erklärt Norbert Gebbeken, Bauingenieur und ehemaliger Professor der Baustatik an der Universität der Bundeswehr München im Gespräch mit der dpa.

Das gilt auch für die Häuser in der Gemeinde Großheide in Ostfriesland. Trotzdem gibt es Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise geklammerte Dachziegel, die vor allem bei heftigen Gewittern greifen.

Der wichtigste Rat von Experten ist daher Vorsorge: Gebrochene Dachziegel bieten dem Wind zusätzliche Angriffsfläche und sollten ersetzt werden, schwere Rollläden schützen Fenster zusätzlich und die Begrünung eines Flachdachs bringt mehr Gewicht und Halt, erläutert Gebbeken: "Es gibt viele kleine Dinge - ich muss nur die Augen und Ohren offenhalten und mich im Sturm fragen: Was klappert denn bei mir?"

Sollte es zum Schadensfall gekommen sein, sollten Betroffene die Schäden mit der Kamera dokumentieren und sich umgehend mit ihrem Versicherungsunternehmen in Verbindung setzen.

Wie oft kommen Tornados in Deutschland vor?

Die Sichtungen von Tornados haben laut DWD-Wetterexperte Friedrich in den letzten 30 bis 40 Jahren zugenommen. Jährlich würden im Schnitt zwischen 20 bis 60 Tornados in Deutschland nachgewiesen.

Es gebe aber eine Dunkelziffer, da ein Teil der Tornados nicht erfasst werde. Mittelschwere Tornados der Stärke F2, wie nun in Großheide festgestellt, seien in Deutschland dagegen vergleichsweise selten, erklärt Friedrich - doch das könnte sich in Zukunft ändern.

"Wir werden in Zukunft viel mehr Trockenheit und Dürre haben als heutzutage", sagt der Experte im Gespräch mit unserer Redaktion. "Und je heißer es ist, desto mehr Energie kann ein Tornado entfalten." Die Folge: Es werde in Zukunft nicht mehr Tornados geben als heute, wohl aber mehr gefährlichere.

Welche Schneise der Verwüstung diese hinterlassen können, zeigt ein Tornado aus dem Juni 2021 in Tschechien: Dort hatte ein Tornado der Stärke F4 mit Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 Kilometern pro Stunde fünf Gemeinden zwischen den Städten Breclav und Hodonin verwüstet. Sechs Menschen starben, etwa 250 wurden verletzt.

mit Material der dpa

Hinweis: Dies ist ein Artikel aus unserem Archiv, den wir aus aktuellem Anlass neu aufbereitet haben.