Es ist beziehungsweise war das beliebteste Schiff der Deutschen: Die MS "Deutschland". Viele kannten sie aus der ZDF-Fernsehserie das "Traumschiff". Jetzt tritt sie ihre letzte Fahrt an. Die spannende Geschichte eines Luxusschiffes, das nicht nur wegen einer Fernsehserie in den Schlagzeilen stand.

Die MS "Deutschland" ist vielen ein Begriff. Mehr als 15 Jahre war sie der Drehort für die ZDF-Fernsehserie das "Traumschiff" und für die Deutschen ein wahr gewordener Urlaubstraum. Sie war lange Zeit das einzige Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge. Der Luxusliner hat mittlerweile jedoch seine erfolgreichen Jahre hinter sich. Ihr Besitzer meldete Insolvenz an und das einst stolze Schiff wurde erst kürzlich für einen Spottpreis an die US-Firma "Absolute Nevada LLC" verschachert. Jetzt tritt sie ihre letzte Kreuzfahrt an.

Im Jahre 1998 begann der Traum in Kiel. Die Reederei Peter Deilmann schickte die "Deutschland" auf ihre Jungfernkreuzfahrt in Richtung Norwegen. Zuvor gab es jedoch noch die Schiffstaufe. Und die wurde von niemand Geringerem als dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vollzogen.

Ein Schiff als Fernsehstar

Die MS "Deutschland" strotzt vor Luxus und orientierte sich beim Bau an den Grande Hotels. Mit einer Länge von 175 Metern und einer Breite von 23 Metern kann sie maximal 21 Knoten fahren. Auf acht Passagier-Decks haben insgesamt 480 Passagiere Platz. Das Angebot auf dem Schiff ist groß: drei Restaurants, drei Bars, mehrere Pools, ein Hallenbad, Shops, ein Golf-Deck und noch vieles mehr.

Bei dem Luxus ist es nicht verwunderlich, dass die MS "Deutschland" bereits ein Jahr nach ihrer Jungfernfahrt der neue Drehort für die ZDF-Fernsehserie das "Traumschiff" wurde. "Kreuzfahrt ins Glück", ebenfalls eine Fernsehserie des ZDF, spielt auch auf dem Luxusliner und ist eine Anlehnung an das "Traumschiff". Durch diese beiden Fernsehserien mauserte sich die MS "Deutschland" zu dem wohl beliebtesten Schiff der Deutschen.

Das Deutsche Schiff im Einsatz

Doch nicht nur im Fernsehen konnte sie Erfolge feiern. Im Jahr 2000 war die MS "Deutschland" für die Expo 2000 als Botschafterin in Hannover unterwegs und das Gästeschiff des Nationalen Olympischen Komitees Deutschlands anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Sydney.

Danach schaffte sie es im Jahr 2007 abermals ins Fernsehen, dieses Mal wurde sie in der Sendung "Kopfball extrem" beim WDR gezeigt. Dirk Gion lief im Rahmen eines Projektes in der Kieler Förde der Ostsee ganze fünf Minuten hinter der MS "Deutschland" Wasserski und stellte dadurch sogar einen Weltrekord auf. Das Kreuzfahrtschiff war zu diesem Zeitpunkt das größte Wasserskiboot der Welt.

Außerdem war die MS "Deutschland" bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London zugegen. Sie trug den Beinamen "Deutsches Schiff London 2012" und diente dort als Hotel- und Gästeschiff. Nach den Olympischen Spielen hatten die deutschen Athleten sogar die Möglichkeit, von London bis nach Hamburg mit dem Schiff zu fahren.

Das hatte aber ein Nachspiel: Die deutschen Athleten feierten allesamt ausgelassen ihre Siege und die deutsche Hockeynationalmannschaft der Herren demolierte in diesem Zuge Teile der Inneneinrichtung. Sie hatte zuvor die Goldmedaille ergattert. Dieser Zwischenfall war aber eher harmlos.

Die Unfälle des Kreuzfahrtschiffes

Ein weitaus schlimmerer Zwischenfall ereignete sich Ende Mai 2010. Das Schiff lag im norwegischen Hafen Eidfjord, als zur Mittagszeit ein Feuer im Maschinenraum ausbrach. Der Brand konnte wegen der übermäßigen Hitze erst am Abend gelöscht werden. Die insgesamt 607 Personen, darunter 364 Passagiere, kamen mit dem Schrecken davon und mussten ihre Reise über Land fortsetzen.

Einen weiteren Seeunfall gab es dann Mitte Januar 2012, zwei Tage nach dem Kentern der "Costa Concordia". Die MS "Deutschland" lief im Beagle-Kanal kurz auf Grund auf, weil sie zu dicht an einem eindrucksvollen Gletscher herangefahren war. Die Besatzung wollte die Sehenswürdigkeit aus der Nähe sehen. Das Schiff trug keine Schäden davon.

Das Ende einer Legende

Bereits seit 2009 hing der Haussegen in der Reederei Deilmann schief. 2010 holten sie dann einen Münchner Finanzinvestor ins Boot, der dem Traumschiff eine goldene Zukunft versprach. Der Traum entwickelte sich zunehmend zu einen Alptraum. Der Investor steckte kaum Eigenmittel in das Schiff und die Schulden beliefen sich allmählich auf bis zu 60 Millionen Euro. Anfang 2014 nahm ihm die Firma "Callista Private Equity" schließlich das Ruder aus der Hand und trieb die MS "Deutschland" vollkommen in den Ruin, bis der Eigentümer Ende 2014 Insolvenz anmeldete.

Der Verkauf zog sich einige Monate hin. Seit März diesen Jahres gehört der Luxusliner nun der US-Firma "Absolute Nevada LLC". Eigentlich sollte das Kreuzfahrtschiff weiterhin seiner Bestimmung nachgehen, doch das amerikanische Unternehmen änderte seine Meinung. Unter dem Namen "World Odyssey" soll die MS "Deutschland" gegen Ende des Jahres zu einer schwimmenden Universität werden. Sie fährt dann für die amerikanische Organisation "Semester at Sea" und bekommt einen neuen Anstrich.

Auch im Fernsehen wird die MS "Deutschland" nicht mehr zu sehen sein. Der Luxusliner wurde sowohl in das "Traumschiff" als auch in "Kreuzfahrt ins Glück" durch das Kreuzfahrtschiff MS "Amadea" ersetzt. Allerdings lösten die Dauerbelegung großer Teile des Schiffs durch die Filmcrew und deren Verpflegung enorme Kosten aus.

Die letzte Ehre

Bevor das einstige Traumschiff allerdings abgeschoben wird, bricht es noch einmal auf. Das Kreuzfahrtschiff "Hamburg" muss für längere Zeit in die Werft und deswegen übernimmt Plantours Kreuzfahrten die MS "Deutschland" für vier Fahrten. Sie wird am 9. Juni erstmals in See stechen und ab dem 20. Juni folgen insgesamt drei Nordmeerreisen von Spitzbergen über Island nach Grönland und zurück über die Färöer- und Shetland-Inseln nach Hamburg.