Ein Satz mit lediglich sechs Worten stellt die Welt von VW auf den Kopf: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", zitiert der aktuelle "Spiegel" Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Wir fragen nach: Wie sehr schaden diese Manager-Machtkämpfe dem Volkswagen-Konzern eigentlich?

Jahrelang waren Martin Winterkorn, Konzernchef bei VW, und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ein Erfolgsgespann. Für Branchenbeobachter stand fest: Wenn die Zeit von Piëch bei VW endet, dann wird Winterkorn in dessen große Fußstapfen steigen. Doch nun das Zerwürfnis.

Wie kam es zu dem Bruch des Gewinnerteams?

Gerüchte, dass das Verhältnis nicht mehr das beste sei, hat es konzernintern wohl schon länger gegeben. Was sich aber in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen genau abgespielt hat – darüber können auch Experten nur spekulieren. Und auch Piëch selbst lässt die Frage, warum er zu dem Manager auf Distanz geht, bisher unbeantwortet.

Gibt es denn Spekulationen über die Gründe?

Branchenkenner ziehen für das Handeln Piëchs drei Gründe in Betracht: Die größte Baustelle des Konzerns liegt derzeit in der USA, wo VW seit vielen Jahren mit Vertriebs- und Imageproblemen kämpft. Zugleich schwächele Audi im Inland und auch die Renditen der Kernmarke VW seien zu gering.

Andere wiederum vermuten, dem Aufsichtsratschef sei die Dominanz Winterkorns im Unternehmen einfach zu groß geworden. Schon lange nannten sie den Manager im Konzern nämlich nur noch den "Chef", während Piëch der "Alte" ist, so erzählen es Mitarbeiter. Und schon einmal, im Jahr 2009, als der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking seinen Hut nehmen musste, sagte Piëch deutlich: "Es kann nur einer an der Spitze stehen."

Warum aber geht Piëch so hart mit seiner Führungskraft ins Gericht?

Die Antwort liefert der Aufsichtsratschef in seiner Autobiografie selbst, in der er auch schreibt, dass sein Harmoniebedürfnis begrenzt sei: "Aus tiefster Überzeugung habe ich lieber einen für die betreffende Situation unpassenden Topmanager gefeuert als eine Schwächung des Unternehmens zu riskieren, die letztlich ein paar Tausend Arbeitsplätze kosten kann."

Deutlich ist: Sentimentalitäten zu verteilen ist nicht den Stärke dieses Machtmenschen, der mit seinen harten Bemerkungen den Konzern immer wieder in eine Führungskrise stürzt.

Wie ist Piëch bei früheren Entlassungen vorgegangen?

Genau im gleichen Stil: Erst bescheinigte er seinen Führungskräften gute Arbeit, dann servierte er sie ab – und das nur allzu gern unter Zuhilfenahme der Medien.

Bernd Pischetsrieder beispielsweise, ebenfalls einst von Piëch als dessen Nachfolger gehandelt, watschte der Aufsichtsratschef auf ganz ähnliche Weise ab – mit einer Bemerkung im "Wall Street Journal", dem er sagte, dass Pischetsrieders Wiederwahl als Chef im Aufsichtsrat keinesfalls sicher sei.

Auch Audi-Chef Franz Josef Paefgen erledigte Piëch in einem Interview: Bei Audi herrsche Stillstand. Und der Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking stand vor dem Aus, nachdem Piëch vor Journalisten auf die Frage, ob der damalige Porsche-Chef sein Vertrauen genieße, sagte: "Zur Zeit noch. Streichen Sie das 'noch'!"

Aber schadet Piëch damit nicht erheblich der Marke VW?

Definitiv ja, das zeigt nicht nur der Aktienkurs, der am Montag zeitweise um rund zwei Prozent fiel. Die Volkswagen-Papiere waren damit der kriselndste Wert im Deutschen Aktienindex. Dass sich die Anleger angesichts des in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Machtkampfes verunsichert fühlen, verwundert allerdings kaum.

Und unter moralischen Gesichtspunkten: Darf man sich als Führungskraft wie Piëch verhalten?

Wenn es nach Familienunternehmer Dirk Roßmann geht definitiv nicht. "Ich sage: Das ist ein No-Go, das geht gar nicht. Solche Probleme müssen intern besprochen werden, das darf nicht nach außen getragen werden", erklärte der Gründer und Chef der Drogeriemarktkette Rossmann der Nachrichtenagentur dpa.