Während die Ureinwohner Amerikas im Einklang mit der Natur lebten, brachten die Siedler aus der alten Welt Zerstörung und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen: Dieses Bild prägt bis heute unsere Vorstellung von Ureinwohnern weltweit. Davon müssen wir uns verabschieden.

Karl May schrieb seine "Winnetou"-Romane, ohne jemals in Amerika gewesen zu sein. Seine Darstellung der Ureinwohner Amerikas entsprang seiner Fantasie - doch er prägte damit vor über 100 Jahren unsere Vorstellung der sogenannten Indianer, die bis heute besteht.

Die Vorstellung vom "edlen Wilden" geht übrigens auf den französischen Aufklärer Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) zurück. Seiner Theorie nach lebt dieser "edle Wilde" unverdorben im Naturzustand der Menschheit und damit glücklicher als die "zivilisationskranken" Europäer.

Und heute? Von Generation zu Generation hält die öffentliche Meinung am romantischen Bild der sogenannten "Indianer" fest, die im Einklang mit der Natur leben und diese schützen.

Die erste Schwierigkeit dabei: Gibt es überhaupt den Indianer? Natürlich nicht. Je nach Kontinent, Kultur, Lebensraum und - weise sowie vielen weiteren Aspekten, unterscheiden sich die Urvölker voneinander.

Ein Pauschalurteil ist daher nicht möglich. Schauen wir also genauer hin. Beispielsweise nach Brasilien.

Romantischer Mythos über Indianer längst widerlegt

Marcos SÃ Correia, ein bekannter brasilianischer Umweltjournalist, vertritt folgende Meinung zur Verbundenheit der Ureinwohner mit der Natur: "Dass sie die Natur schützen, ist ein romantischer Mythos und eigentlich schon längst widerlegt. Doch er hält sich, weil er einfach so schön ist. Um ihn aufrechtzuerhalten, will man einfach bestimmte Fakten nicht zur Kenntnis nehmen. So etwas wie eine Philosophie der Naturerhaltung haben die Ureinwohner nicht."

Fabio Olmos, Doktor der Biologie, sieht das ähnlich. Laut Olmos verantworten die Völker Polynesiens das Aussterben von mindestens 2.000 Vogelarten.

Und in Nordamerika hätten weit mehr Büffel den Tod gefunden, als für den Eigenverzehr notwendig gewesen wäre. Die Art des Jagens – zum Beispiel Tiere über Felsklippen in den Abgrund zu treiben – widerspreche einer umweltverträglichen Lebensweise.

Der "edle Wilde" - lediglich Marketing?

"Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann" – wer kennt dieses Zitat einer angeblichen Weissagung der Cree-Indianer nicht?

Auch die Umweltbewegung der 1980er machten sich den Mythos des naturschützenden Indianers zur Eigenwerbung zunutze.

Tatsächlich finden diese Worte ihren Ursprung beim Filmregisseur Ted Perry.

Nicht nur bei Kindern ist der "edle Wilde" ein Kassenschlager. Mit Federschmuck bekleidet, ist er auch auf internationalen Konferenzen als symbolischer Ankläger gegen die Umweltzerstörungen der modernen Zivilisation ein gern gesehener Gast.

Das Naturschützer-Image der Urvölker lässt kaum Kritik zu. Besonders Journalisten, die Missstände aufdecken, bekommen oftmals negatives Feedback, wenn sie Ureinwohner in ihrem Handeln oder ihrer Lebensweise kritisch hinterfragen.

Der ökologische Fußabdruck der Ureinwohner

Jede Kultur verändert die Natur, in der sie lebt. Und so kommt es vor, dass Eingriffe von menschlicher Hand so verhängnisvoll sind, dass Landstriche zerstört und unbewohnbar werden. Ein Beispiel hierfür ist die Geschichte der Anasazi-Indianer im Südwesten der USA.

Laut dem Evolutionsbiologen Jared Diamond von der University of California überforderten die Anasazi ihren Lebensraum, indem sie Wälder rodeten, ein kilometerlanges Kanal- und Bewässerungssystem verlegten, um so auf einem Landstrich Gemüse und Baumwolle anzubauen, der dafür überhaupt nicht geeignet war.

Die künstliche Lebensraumveränderung hielt starken Unwettern nicht stand und führte letztlich dazu, dass die Anasazi ihre Siedlungen aufgeben mussten.

Landrodungen im Regenwald sowie die Jagd auf bedrohte Tierarten sind auch heute aktuelle Themen. Motiviert durch rentable Geschäfte, ist beispielsweise der Fortbestand der Meeresschildkröten in Nicaragua bedroht.

Miskito-Indianer verkaufen die Schildkröteneier als Wunder-Potenzmittel. Diese Einnahmequelle sichert das Überleben einer verarmten Bevölkerung, während die Tiere dadurch auszusterben drohen.

Eine Situation, in der es nur Verlierer gibt.

Aber es gibt natürlich auch die andere Seite. Brandaktuell ist der Fall der Dakota-Access-Pipeline in den USA. Sowohl Umweltschützer als auch Ureinwohner geben ihr Bestes, um den Bau durch die heiligen Stätten der Sioux zu stoppen. Die Pipeline-Gegner befürchten, dass das Trinkwasser durch leckende Rohre verseucht werden könnte.

Am Ende ist es immer der Mensch, der vehement in die Natur eingreift und oftmals nur kurzfristig überblicken kann, welche Konsequenzen sein Handeln hat.

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