Ein mysteriöses Monument im US-Bundesstaat Georgia beschäftigt Verschwörungstheoretiker auf der ganzen Welt: In vier riesige Tafeln eingraviert sind zehn Anweisungen für die Menschheit. Wer die Georgia Guidestones aufgestellt hat, ist unklar. Stecken Satanisten, Ufo-Gläubige, die Illuminaten oder der Rosenkreuz-Orden dahinter?

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  • "Halte die Menschheit unter 500.000.000 in fortwährendem Gleichgewicht mit der Natur."
  • "Vereine die Menschheit mit einer neuen, lebendigen Sprache."
  • "Würdige Wahrheit – Schönheit – Liebe – im Streben nach Harmonie mit dem Unendlichen."

Das sind nur drei von insgesamt zehn mysteriösen Inschriften auf riesigen Grantittafeln im US-Bundesstaat Georgia. Bei allen handelt es sich um eine Art Gebote mit teilweise kryptischem Inhalt.

Seit dem 22. März 1980 stehen die Georgia Guidestones oder Orientierungstafeln auf einem Hügel im Elbert County, etwa 180 Kilometer von Atlanta entfernt.

Doch bis heute weiß niemand, wer hinter dem "amerikanischen Stonehenge" steckt, wie das Bauwerk auch genannt wird.

Ausgeklügelte Konstruktion und zwölf Sprachen

Die Konstruktion des sechs Meter hohen Monuments ist ausgeklügelt: Vier aufrecht stehende Platten sind symmetrisch um einen fünften Steinblock gruppiert, auf ihnen liegt ein Deckstein. Die Steine sind so ausgerichtet, dass sie in die vier Himmelsrichtungen zeigen. Zusammen wiegen sie 100 Tonnen.

Die eingravierten Botschaften sind in verschiedenen Sprachen zu lesen. Auf jeder Seite der vier aufrechten Tafeln stehen die zehn Anweisungen in einer anderen Sprache: auf Englisch, Spanisch, Swahili, Hindi, Hebräisch, Arabisch, Chinesisch und Russisch.

Auf dem Deckstein prangt zudem ein merkwürdiger Spruch auf Babylonisch, Altgriechisch, Sanskrit und in ägyptischen Hieroglyphen: "Lass sie Orientierungssteine für ein Zeitalter der Vernunft sein."

Diese hypothetische Epoche wird noch einmal erwähnt – auf einer Bodenplatte wenige Meter neben dem Monument. Dort wird folgender Geldgeber für das Projekt genannt: "Eine kleine Gruppe Amerikaner, die nach dem Zeitalter der Vernunft trachten".

Die Bodenplatte enthält darüber hinaus Hinweise auf astronomische Details und eine mysteriöse Zeitkapsel.

Sie soll unter dem Monument verborgen sein, gefunden hat sie bislang niemand. Es gibt zwar Platz für die Daten, wann der Behälter vergraben und geöffnet werden soll. Doch dort steht nichts. Wurde die Kapsel also gar nicht verbuddelt?

Der mysteriöse "Autor" R.C. Christian

Nicht nur die Inschriften und die Konstruktion der Georgia Guidestones geben Rätsel auf. Offen ist auch die Frage, wer eigentlich hinter dem Bau steckt. Zwar wird auf einem Stein explizit der sogenannte "Autor" erwähnt: R.C. Christian.

Gleichzeitig ist aber auch von einem "Pseudonyn" die Rede. Auch der Schreibfehler am Ende des Wortes lässt die Gerüchteküche kochen: Ist ein "Pseudonym" gemeint, oder bedeutet das etwas ganz anderes?

Ein Mann, der sich R.C. Christian nannte, gab das Bauwerk 1979 bei der Firma Elberton Granite Finishing in Auftrag – mitsamt genauen Anweisungen und Plänen, wie "Wired" schreibt.

Der Unbekannte bezeichnete das Monument demnach als "Kompass, Kalender und Uhr". Es sollte unbedingt so stabil sein, dass es eine Katastrophe überstehen könnte.

Aber was sollen die Orientierungstafeln bedeuten? Dazu gibt es unzählige Theorien, über die Verschwörungstheoretiker in Blogs und Foren debattieren.

Die Botschaften sind so rätselhaft formuliert, dass es einen großen Interpretationsspielraum gibt. Zwar ist auch von "gerechten Gesetzen", Schönheit und Natur die Rede. Gleichzeitig soll die Menschheit aber nur noch 500 Millionen Menschen umfassen. Was passiert dann mit den Milliarden anderen Menschen auf der Erde?

Und wer steckt eigentlich dahinter? Einige sind sicher, dass Geheimbünde beim Bau ihre Finger im Spiel hatten, zum Beispiel die Illuminaten. Die stehen bei Verschwörungstheoretikern sowieso im Verdacht, eine sogenannte Neue Weltordnung erschaffen zu wollen, die New World Order (NWO). Sind die zehn Inschriften also die Gebote dieser NWO?

Wahlweise wird auch der Rosenkreuz-Orden als Architekt des Monuments vermutet. Dafür spricht nach Meinung der Anhänger dieser Theorie der merkwürdige Name seines "Autors": R.C. Christian soll demnach eine Anspielung auf den Gründer des gleichnamigen Ordens Christian Rosencreutz sein.

Die Zehn Gebote des Teufels oder ein Ufo-Landeplatz?

Aber es gibt noch mehr Spekulationen, wer hinter dem Denkmal steckt: Einige verweisen auf die Bibel und behaupten, die Inschriften seien die Zehn Gebote der Neuzeit.

Das Gegenteil glauben christliche Aktivisten – sie befürchten, dass es sich um die zehn Gebote des Antichristen handele, wie "Wired" schreibt. Manch einer habe deshalb gefordert, die Guidestones in Millionen Teile zu zerschlagen.

Ufo-Gläubige finden es merkwürdig, dass die vier aufrecht stehenden Steine die Form eines X haben, wenn man aus der Luft darauf schaut. Für sie ist klar: Es muss sich um einen Ufo-Landeplatz handeln.

Vielleicht hat das Monument aber eine ganz andere Bedeutung. Der US-Autor Brad Meltzer weist darauf hin, dass die Steine auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges aufgestellt wurden.

Womöglich sollten sich die Botschaften deshalb an die Überlebenden eines Dritten Weltkriegs richten – und an ihre Vernunft appellieren.

Einen Aufruf an die Vernunft liest auch Yoko Ono, die Witwe des Ex-Beatle John Lennon, in den Inschriften. Laut Magazin "The Week" nannte sie die Botschaften "einen bewegenden Aufruf zum rationalen Denken" – und widmete ihnen mit "Georgia Stone" sogar einen eigenen Song.

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