Südfrankreich im 16. Jahrhundert: Ein Prophet macht mit grausamen Vorhersagen von sich reden. Er behauptete, er sähe die Zukunft voraus – eine Zukunft voller Tod und Verderben. Doch wer war dieser Mann, der als Nostradamus in die Geschichtsbücher einging und bis heute Stoff für Bücher, Filme und finstere Verschwörungstheorien liefert?

Um die Kräfte von Wünschelruten ranken sich die wildesten Mythen.

Vor mehr als 400 Jahren sorgte Nostradamus mit einer Vision in Frankreich für Unruhe: Die Prophezeiung besagte, es werde ein Komet vom Himmel fallen und alles Leben auf der Erde auslöschen. Obwohl oder gerade weil niemand anderes das Schicksal der Welt so düster und dramatisch voraussagte wie Nostradamus, wurde keinem anderen Zukunftsdeuter so sehr geglaubt wie ihm.

Fast 1.000 Zukunftsverse dichtete er und traf damit – da sind sich viele Anhänger des Propheten einig – mitten ins Schwarze: Napoleon und die Französische Revolution soll er ebenso vorhergesagt haben wie Hitlers Machtergreifung. Das Buch namens "Die Prophezeiung" wurde noch zu Nostradamus‘ Zeit ein Verkaufsschlager. Doch das, was darin geschrieben steht, ist keineswegs so eindeutig, wie Verschwörungstheoretiker behaupten.

Nostradamus verfasste seinen Blick in die Zukunft stets wage und ließ viel Spielraum für Interpretation. So sollte etwa im Jahr 1999 "der König des Terrors" vom Himmel hinabsteigen und Krieg bringen. Zu welchem Zeitpunkt genau, an welchem Ort, auf welche Art und in welchem Ausmaß hatte allerdings nicht mehr in den entsprechenden Vierzeiler gepasst.

Das trifft auf fast alle Warnungen zu, die Nostradamus formulierte. Für jedes Jahrhundert und jede Generation hält er düstere Bildfetzen bereit, die mal zutreffen, mal nicht - deren zusammengesetztes Gesamtwerk aber in jedem Fall die grausame Apokalypse sein soll.

Doch wer war dieser Mann?

Hillary könnte als US-Präsidentin Geheimakten öffnen lassen.

Als Kind einer reichen, jüdischen Familie im Dienste des französischen Adels wird Michel de Nostredame früh Zeuge vom Austausch im Geheimen. Er gilt als "kleiner Gelehrter", als hochintelligentes Kind, das bereits die Fragen der Erwachsenen stellt. Welche das sind und wie sie ihn schließlich auf den Weg zum Visionär brachten, lässt sich aufgrund der wenigen vorhandenen historischen Belege über Nostradamus' Existenz nur bruchstückhaft zusammensetzen.

Sicher ist, dass er sich aufgrund seines Studiums der Medizin gut mit dem menschlichen Körper und der Welt der Pflanzen auskannte. Die Natur ist es auch, aus der er die Zukunft liest. Die Sterne sollen es unter anderem gewesen sein, die ihm das Wissen über Kriege, Tyrannen und das tragische Ende der Geschichte der Welt verraten haben.

Doch seine Vorhersagen bringen ihm nicht nur Popularität, sondern auch Feinde: Als sich die Prophezeiung erfüllt, dass König Heinrich II. bei einem Turnier den Tod finden wird, wird Nostradamus vom aufgewühlten Volk des Mordes bezichtigt – doch ohne weitere Konsequenzen. Zu groß ist die Ehrfurcht vor dem Mann, der in die Zukunft blicken kann und dabei so oft richtig liegt. Das Nichtwissen darum, ob es sich hierbei um reine Zufälle oder tatsächliche Visionen handelte, befeuert bis heute den legendären Mythos.

Immer wieder berichten Menschen von paranormalen Begegnungen.

Was ist dran an den Künsten des Nostradamus?

Sein Leben und sein Werk sind bis heute umstritten. Denn niemals konnte endgültig geklärt werden, ob es sich bei Nostradamus um ein Genie oder einen geschäftemachenden Scharlatan handelte. Doch viele Menschen, darunter einige Wissenschaftler, sind davon überzeugt, dass in den Schriften des Sehers geheime, verschlüsselte Botschaften enthalten sind. Die Codierung soll notwendig gewesen sein, um seinerzeit nicht aufgrund der Verbreitung von unangenehmen Informationen auf dem Scheiterhaufen zu landen.

Ob es nun diese oder die eigentlich geschriebenen Worte sind, die die vermeintliche Zukunft vorhersagen, bleibt ungewiss. Da die Vorhersagen aber bis ins Jahr 3797 reichen, werden sich noch einige Möglichkeiten ergeben, Nostradamus seherische Fähigkeiten einzuräumen - oder eben nicht. Denn inzwischen ist auch klar: Die berühmten Verse befassen sich mit Themen, die in der Historie der Welt stets wiederkehren: Brutaler Krieg, unberechenbare Krankheiten, unterschiedlichste Naturkatastrophen, diktatorische Herrscher.