Für die Gletscher in den Alpen hat der Klimawandel drastische Folgen: Einer Studie zufolge ist die Hälfte der heutigen Eismasse schon jetzt verloren. Gelingt es nicht, die Erderwärmung zu bremsen, könnten die Alpengletscher in 80 Jahren quasi komplett verschwunden sein.

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Sie sind entscheidend für den Wasserkreislauf, eine Quelle für Strom aus Wasserkraft, ein Magnet für Touristen - und womöglich bald Geschichte: die Gletscher in den Alpen. Im Jahr 2100 könnten sie weitgehend geschmolzen sein, so das Ergebnis einer Studie von Forschern der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Nur einzelne Flächen in hohen Lagen würden erhalten bleiben.

Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "The Cryosphere" schreiben, ist die Eisfreiheit binnen 80 Jahren allerdings ein pessimistisches Szenario. Es geht davon aus, dass der Ausstoß von Treibhausgasen ungebremst ansteigt und sich die Erdatmosphäre entsprechend erwärmt.

Dass das Szenario pessimistisch ist, bedeutet jedoch nicht, dass es unrealistisch wäre. Im Gegenteil. Laut "Spiegel" liegen die Emissionen, die derzeit weltweit ausgestoßen werden, über jenen, die die Forscher angenommen haben.

Hälfte der heutigen Eismasse ist so oder so verloren

Noch ein zweites Szenario haben die Forscher simuliert. Wie das erstgenannte entstammt auch das optimistischere Szenario aus einem Bericht des Weltklimarates und stützt sich auf eine ganze Reihe internationaler Studien.

Es nimmt an, dass nur noch wenige Jahre lang mehr Treibhausgase ausgestoßen werden als heute und es gelingt, den Ausstoß im Anschluss deutlich zu senken. In der Folge, so die Annahme, könnte die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf unter zwei Grad verglichen zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden.

Für die Gletscher in den Alpen würde dies bedeuten, dass immerhin zwei Drittel der Eismasse zwischen 2017 und 2100 verloren gehen würden.

So erschreckend wie ernüchternd ist auch ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Hälfte der heutigen Eismasse der Alpengletscher halten die Wissenschaftler schon jetzt für verloren.

Weitgehend unabhängig davon, wie sich der Treibhausgasausstoß weiterentwickelt, gehen sie davon aus, dass die Gletscher in den Alpen zwischen 2017 und 2050 etwa 50 Prozent ihrer Masse einbüßen werden.

Gletscher als "klarer Indikator des Klimawandels"

In den Jahren darauf komme es darauf an, wie sich das Klima weiterentwickele. "Die Gletscher in den Europäischen Alpen und ihre jüngste Entwicklung sind einige der klarsten Indikatoren des Klimawandels", sagte ETH-Forscher Daniel Farinotti, der an der Untersuchung beteiligt war.

Die Studie, die Prognosen für alle rund 4.000 Gletscher im Alpenraum enthält, bestätige im Wesentlichen bisherige Annahmen zur Entwicklung der Gletscher, sagt Klimaforscher Ben Marzeion von der Universität Bremen, der nicht an der Studie beteiligt war.

Der große Schritt sei, dass in der Studie die Bewegung des Eises berücksichtigt worden sei. "Das Eis deformiert sich, rutscht den Berg herunter - das wird in der Studie zum ersten Mal explizit mitmodelliert." (mcf/dpa)

Dass jeder Einzelne von uns Schuld auf sich lädt, wenn er nichts gegen den Klimawandel unternimmt, will nun wirklich keiner unter die Nase gerieben bekommen. Dass die Welt den Kampf gegen die Erderwärmung vielleicht längst verloren hat, erst recht nicht. Der Astrophysiker Harald Lesch ist dennoch nicht müde, diese Botschaft zu wiederholen. Wenn Sie also bis hierher gekommen sind, lesen Sie bitte weiter. Es wird wehtun - aber auch ein wenig Spaß machen.