Dieser Vorfall erschüttert alle Hundehalter: In Hannover soll ein Staffordshire-Terrier-Mischling sein Frauchen (52) und den 27-jährigen Sohn der Familie totgebissen haben. Nach ersten Erkenntnissen soll der Hund nicht artgerecht gehalten worden sein. Doch eignet sich ein Staffordshire-Terrier-Mischling überhaupt als Familienhund? Welche Hunde familienfreundlich sind – und worauf man achten sollte.

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Noch ist unklar, was mit "Chico" passieren soll, nachdem er offenbar seine Familie getötet hat. Hundehalter zweifeln – wie konnte ein solches Unglück passieren? Können Hunde von Grund auf aggressiv sein? Oder trägt auch der Mensch dazu bei, dass Tiere sich falsch verhalten?

Hundeexperte Benedikt Scheppan ist Hundetrainer in Dachau, seit 10 Jahren führt er seine Hundeschule "Dog-Coaching" und hat eine klare Meinung: "Hunde sind grundsätzlich nicht aggressiv." Trotzdem sollte man im Vorfeld immer darauf achten, welcher Hund zu einem passt.

Als familienfreundlich gelten laut dem Experten vor allem Rassen wie Golden Retriever, Labrador, der Berner Sennenhund genauso wie ein Golden Doodle. "Das sind alles Rassen, die als kinderfreundlich, verschmust und lieb beschrieben werden."

Zudem seien sie auch nervenstark und ruhig vom Gemüt. Ein wichtiger Punkt bei Kindern, die gerne einmal lebhafter sind. "Ein Hund muss es aushalten können, wenn ihm ein Kind aus Versehen auf die Pfote steigt." Laut Benedikt Scheppan lassen sich diese Hunde gut erziehen und halten eine Menge aus.

Terrier-Rassen durch Jagdtrieb problematisch

Schwieriger wird es laut Scheppan bei allen Terrier-Rassen. "Diese Hunde sind vom Gemüt oft schneller reizbar und auch interessierter an Beute." Heißt: Mit ihrem Jagdtrieb kann es schneller passieren, dass sie auch laufenden Kindern hinterherjagen – und im schlimmsten Fall zubeißen.

Auch Huskys empfiehlt der Hundeexperte nicht als Familienhund. "Huskys sind sehr aktiv, wenig an Menschen gebunden und kaum verspielt."

Schäferhunde oder Dobermänner seien sehr groß und "schnell unter Strom". Einen Kangal, einen sogenannten Herdenschutzhund, würde Scheppan ebenfalls als Familienhaustier ausschließen. "Dieser Hund schützt zwar die Familie, könnte aber bei Fremden, beispielsweise Kinderbesuch, schwierig werden."

Nicht jeder Hund überall zugelassen

Auch ist nicht jeder Hund in jedem Bundesland zugelassen. Nachdem am 26. Juni 2000 zwei Pittbulls in Hamburg ein Kind anfielen und töteten, gibt es Listenhunde.

Jedes Bundesland erstellt seine eigene Rassenliste, auf denen jene Tiere stehen, die nur unter bestimmten Bedingungen als Haustiere zugelassen werden. Hier wird in zwei Kategorien unterschieden. In Kategorie 1 werden jene Rassen eingeordnet, die als grundsätzlich gefährlich gelten, in Kategorie 2 jene, die ein Gefahrenpotenzial haben. In Bayern stehen beispielsweise der Pittbull oder Staffordshire-Terrier auf der Liste.

Tierhalter können einen solchen Hund beantragen – doch ihn zu bekommen, scheint unmöglich. "Es gibt Leute, die versuchen seit zehn Jahren einen Pitbull zu beantragen, aber ihr Antrag wird immer wieder abgelehnt", erzählt Benedikt Scheppan.

Große Unterschiede bei Rassenlisten zwischen Bundesländern

Die Unterschiede auf den Listen sind extrem groß. In manchen Bundesländern stehen manche Rassen gar nicht auf der Liste, in manchen Gemeinden wird nochmal extra entschieden. Niedersachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein haben die Rassenliste mittlerweile ganz abgeschafft. Begründung: Der Hundehalter muss immer geeignet sein – nicht der Hund.

Eine These, der Benedikt Scheppan zustimmt. "Hunde sind grundsätzlich nicht aggressiv." Wird ein Hund als Welpe gut sozialisiert, bekommt Hundetraining und lernt mit schwierigen Situationen umzugehen, könne das Aggressionspotenzial sehr stark eingeschränkt werden. Auch bei sogenannten Listenhunden.

Geschichte eines Hundes ist wichtig

Gleichzeitig könne ein Hund aus dem Tierheim, der geschlagen wurde und schlimme Erfahrungen gemacht habe, ein viel höheres Gefahrenpotenzial in sich tragen. Man müsse also auch immer schauen, woher ein Hund komme und wie seine Geschichte ist – und ob Halter und Tier zusammenpassen.

Listenhunde bräuchten eine starke Hand: "Solche Hunde sind sehr wesensstark und brauchen eine gute Führung. Ist das Herrchen zu inkonsequent, liefert keinerlei Führung, übernimmt der Hund.

Hatte also in Hannover "Chico" das Ruder übernommen? Das Tier soll hauptsächlich auf dem Balkon seinen Auslauf gefunden haben, beide – Mutter wie Sohn – seien dem Hund nicht gewachsen gewesen.

"Hunde sind Lauftiere. Bekommen sie keine ausreichende Bewegung, staut sich Energie auf – die sich auch in Aggression umwandeln kann", sagt Benedikt Scheppan. "Laufen, Erziehung und Zuneigung sind die wichtigsten Faktoren für Hunde." Und: "Je entspannter ich bin, umso entspannter ist das Tier."

Hannover: Tötet Hund Mutter und Sohn?

Zwei Menschen werden tot in ihrer Wohnung gefunden - es sind eine Mutter und ihr Sohn. Hat ein Hund die beiden getötet? © ProSiebenSat.1