• Sepien haben einen Test für Kleinkinder bestanden.
  • Die Tintenfische konnten den sogenannten "Marshmallow"-Test bestehen, welcher Rückschlüsse auf kognitive Fähigkeiten wie zukunftsgerichtetes Planen erlaubt.
  • Forscher der Universität Cambridge haben ihre Ergebnisse nun veröffentlicht.

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Wie klug sind Tiere? Das ist eine der Fragen, welche die Forschung immer wieder beschäftigt. Dass Tintenfische intelligent sind, haben sie in zahlreichen Experimenten bewiesen. Doch nun haben Sepien der Art Sepia officinalis erstmals einen Test für Kleinkinder bestanden: Das Stanford Marshmallow Experiment - oder kurz: "Marshmallow-Experiment".

Belohnung jetzt oder in der Zukunft: Das steckt hinter dem "Marshmallow"-Test

Der Versuchsaufbau für Kleinkinder ist dabei sehr simpel: Ein Kind wird in einen Raum mit einem Marshmallow (oder einer anderen Süßigkeit) gesetzt. Ihm wird dann gesagt, dass es einen zweiten Marshmallow bekommt, wenn es die erste Süßigkeit nicht isst, sondern 15 Minuten wartet. Dann darf es beide essen.

Das Experiment soll dabei kognitive Fähigkeiten wie zukunftsgerichtetes Planen zeigen und wurde entwickelt, um herauszufinden, ab welchem Alter ein Kind erkennt, dass der Aufschub einer sofortigen Belohnung ein besseres Ergebnis in der Zukunft verspricht.

Vor allem der simple Versuchsaufbau macht das Experiment auch - mit Abwandlungen - für die Anwendung bei Tieren interessant. So wurde es bereits bei Affen, Hunden und Rabenvögeln angewendet – und auch bestanden. Nun wollten Forscher der Universität Cambridge wissen, ob auch Sepien den Test bestehen können.

Forscher unterziehen Sepien dem "Marshmallow"-Test

Für das Experiment wurden die Tintenfische in einen speziellen Tank gesetzt, welcher über zwei Kammern mit durchsichtigen Türen verfügt. In den Kammern wurde Nahrung platziert. In die eine Kammer wurde ein von den Tieren weniger bevorzugtes Stück Garnele gelegt, in der anderen Kammer wurde lebendige Schwimmgarnele platziert.

Auf den Türen waren zudem Symbole abgebildet, auf welche die Tiere zuvor trainiert wurden. Ein Kreis bedeutete, dass sich die Tür sofort öffnen würde. Ein Dreieck zeigte an, dass sich die Türe in etwa 10 bis 130 Sekunden öffnen würde. Ein Quadrat bedeutete, dass die Tür permanent geschlossen bleiben würde.

Tintenfische warteten auf die bessere Belohnung

Das Ergebnis fasst die leitende Forscherin des Experimentes, Verhaltensökologin Alexandra Schnell, so zusammen: "Die Tintenfische in der vorliegenden Studie konnten alle auf die bessere Belohnung warten und tolerierten Verzögerungen von bis zu 50 bis 130 Sekunden." Dies sei mit dem vergleichbar, was man bei Wirbeltieren mit großem Gehirn wie Schimpansen, Krähen und Papageien sehen könne, so Schnell.

Unklar bleibt, warum die Sepien dieses Verhalten zeigen. Bislang wurde diese Form der Selbstbeherrschung bei solchen Tieren festgestellt, bei welchen beispielsweise auch der Einsatz von Werkzeugen dokumentiert wurde oder die ein ausgeprägtes Sozialverhalten aufweisen. Die Forscher vermuten, dass es bei den Sepien etwas damit zu tun haben könnte, wie die Tiere ihr Futter suchen.

Selbstbeherrschung der Sepien stellt Forscher vor ein Rätsel

"Tintenfische verbringen die meiste Zeit damit, sich zu tarnen und zu warten – lediglich unterbrochen von kurzen Futtersuchperioden", erläutert Schnell. Sobald sie aber aus ihrer Tarnung brechen, seien sie jedem Raubtier im Ozean ausgesetzt: "Deswegen vermuten wir, dass sich als Nebenprodukt diese Selbstbeherrschung entwickelt haben könnte." Das müssten allerdings weitere Experimente und Untersuchungen zeigen.

Die Ergebnisse der Cambridge-Forscher wurden im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

Verwendete Quellen:

  • sciencealert.com: A Cephalopod Has Passed a Cognitive Test Designed For Human Children
  • Proceedings of the Royal Society B: Cuttlefish exert self-control in a delay of gratification task

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