In den kommenden Jahrzehnten wird Küstenhochwasser hunderte Millionen Menschen mehr bedrohen, als bislang angenommen wurde. Das geht aus einer Studie hervor. Unter anderem werden auch Nord- und Ostfriesland in knapp 30 Jahren fast vollständig von Wasser bedeckt sein.

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In den kommenden Jahrzehnten sind hunderte Millionen Menschen mehr von regelmäßigem Hochwasser bedroht, als bislang angenommen wurde. Das geht aus einer Studie hervor, die im Fachblatt "Nature Communications" veröffentlicht wurde.

Ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen seien bis zum Jahr 2050 Küstengebiete, in denen heute 300 Millionen Menschen leben, mindestens ein Mal jährlich von Überschwemmungen betroffen, legte die US-Nichtregierungsorganisation "Climate Central" am Dienstag auf Grundlage eines neu entwickelten Rechenmodells dar.

Nord- und Ostfriesland fast vollständig überflutet

Der Großteil der Betroffenen lebt demnach in den sechs asiatischen Ländern China, Bangladesch, Indien, Vietnam, Indonesien und Thailand. Mit insgesamt 237 Millionen Menschen ist die Zahl der dortigen Betroffenen laut den Berechnungen von "Global Central" mehr als vier Mal so hoch wie in bisherigen wissenschaftlichen Prognosen.

Die Zahl der Küstenbewohner, deren bisheriger Lebensraum bis 2050 wegen des klimabedingten Anstiegs des Meeresspiegels dauerhaft unter Wasser gesetzt wird, beziffert "Climate Central" mit rund 150 Millionen, davon 30 Millionen in China.

Betroffen werden unter anderem Ost- und Nordfriesland sein, die in über 30 Jahren weitgehend überflutet sein werden. Auch Städte wie Amsterdam, Bangkok oder Shanghai sind betroffen.

Bis zum Jahr 2100 könnten der Prognose zufolge allein in den sechs asiatischen Ländern Gebiete dauerhaft unter Wasser stehen, die derzeit von 250 Millionen Menschen bewohnt werden. Damit wären fünfmal mehr Menschen betroffen als laut bisheriger Prognosen.

Diese Berechnungen zeigten "das Potenzial des Klimawandels, Städte, Ökonomien, Küstengebiete und ganze Regionen auf der Welt noch zu unseren Lebzeiten umzukrempeln", erklärte der führende Studienautor Scott Kulp.

Fehlerspanne liegt bei etwa zehn Zentimetern

Die Prognosen von "Climate Central" zum Anstieg der Meeresspiegel beruhen auf einem von ihren Wissenschaftlern neu entwickelten digitalen Rechenmodell namens CoastalIDEM, bei dem systematische Fehler mithilfe von Methoden des sogenannten maschinellen Lernens korrigiert werden. Dies führt nach Angaben der NGO dazu, dass die Fehlerspanne bei der Berechnung der Meeresspiegel bei höchstens etwa zehn Zentimetern liegt.

Das bisher international gebräuchliche Rechenmodell der US-Raumfahrtbehörde Nasa namens SRTM könne sich hingegen um mehr als vier Meter verrechnen und so ein falsches Bild von Hochwassergebieten zeichnen, betonen die Forscher von "Climate Central".

Sie wollen daher eine Gratis-Version von CoastalIDEM zur Verfügung stellen, die zu wissenschaftlichen Zwecken und für humanitäre Maßnahmen verwendet werden darf.

"Climate Central"-Chef Benjamin Strauss erklärte, das CoastalIDEM-Modell erlaube ein genaueres Bild von den klimabedingten Gefahren der Zukunft. Regierungen und Luftfahrunternehmen müssten aber noch genauere Daten zum Meeresspiegelanstieg sammeln. "Leben und Lebensgrundlagen hängen davon ab." (ff)

Verwendete Quellen:

  • Climate Central: "Land projected to be below annual flood level in 2050"
  • Nature Communications: "New elevation data triple estimates of global vulnerability to sea-level rise and coastal flooding"
  • afp
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