Point Nemo ist ein Punkt im Pazifischen Ozean, der weiter vom Festland entfernt ist als jede andere Stelle auf der Erde. Aber das ist nicht das einzige Merkmal, das diesen Punkt so besonders macht. Warum etwa liegen dort zahlreiche Raumschiffe?

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Point Nemo - sofort denkt man an den Animationsfilm "Findet Nemo" aus dem Jahr 2003 - aber tatsächlich haben der Cartoon-Fisch und Point Nemo nichts miteinander zu tun. Vielmehr wurde Point Nemo nach Kapitän Nemo benannt, dem Kommandant der Nautilus in Jules Vernes "20.000 Meilen unter dem Meer".

Neben diesem literarischen Bezug ist Point Nemo auch bekannt unter dem nicht minder poetischen Namen "Pazifischer Pol der Unzugänglichkeit" (engl.: Pole of InAccessiblity (PIA)). Auch das Lateinische "nemo" - übersetzt: "keine/r", "niemand" - wäre daher durchaus zutreffend.

Point Nemo ist ein Fleck mitten im Pazifischen Ozean und weiter vom Land entfernt als jeder andere Punkt auf der Erde. Um ihn mit dem Schiff zu erreichen, benötigt man über zwei Wochen. Er liegt zwischen Chile und Neuseeland, der nächstgelegene Punkt an Land ist 2.688 km entfernt: Ducie Island, ein Teil der Pitcairninseln, im Norden, Motu Nui, eine Nebeninsel der Osterinsel, im Nordosten und Maher Island in der Antarktis im Süden.

Aufgrund seiner Lage war es lange nicht möglich, die genauen Koordinaten von Point Nemo zu bestimmen. Erst 1992 gelang es dem kroatisch-kanadischen Vermessungstechniker Hrvoje Lukatela mithilfe eines von ihm selbst entwickelten Computerprogramms, das die dreidimensionale Erdoberfläche mit einbeziehen konnte, Point Nemo zu berechnen.

"Biologisch inaktivster Ort der gesamten Ozeane"

Da der Punkt so weit vom Festland entfernt ist, gibt es dort nur wenig Leben. Der Meeresforscher Steven D'Hondt beschrieb Point Nemo in einem Interview mit der BBC gar als den "biologisch inaktivsten Ort der gesamten Ozeane".

Auch eine Expedition des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen im Jahr 2019 unter Leitung von Dr. Greta Reintjes, Dr. Bernhard Fuchs und Dr. Thimothy Ferdelman bestätigte, dass die Lebensbedingungen in dieser Wasserwüste ausgesprochen schlecht sind.

Durch die Entfernung vom Land kommen keine Staubpartikel oder Zuflüsse vom Land dort an, daher enthält das Wasser wenig Nährstoffe. Folglich gibt es dort weniger Plankton als in anderen Meeresregionen und es wurde die bislang geringste Anzahl an Zellen im Meer gemessen.

Unerwartet war jedoch die Entdeckung, dass das fotosynthetisch aktive Zyanobakterium mit den Namen "Prochlorococcus marinus", das in anderen Regionen zu den häufigsten Organismen der oberen Wasserschicht gehört, erst in Tiefen zwischen 100 und 150 Metern vermehrt vorkam. Im Gegensatz dazu fanden die Forscher ein anderes Lebewesen mit dem Arbeitsnamen "AEGEAN-169" nahe der Wasseroberfläche, das normalerweise erst in Wassertiefen um 500 Meter anzutreffen ist.

Der Grund dafür, so Dr. Greta Reintjes, dürfte sein, dass sich diese Lebewesen sehr gut an die nährstoffarmen, jedoch strahlungsintensiven Bedingungen angepasst haben. Die hohe Sonneneinstrahlung mit einem extrem hohen UV-Wert ist auf den oft wolkenlosen Himmel zurückzuführen. Durch den Mangel an Nährstoffen erscheint das Wasser dort im Übrigen absolut klar und ist strahlend blau.

Viel Weltraumschrott am Point Nemo - und Plastikmüll

Da Point Nemo so weit abgelegen ist und es kaum Schiffsverkehr gibt, erschien es offenbar als geeignete Stelle, um Weltraumschrott zu versenken. So wurde der Punkt zum Endlager für Raumfahrzeuge: Europäische, russische und japanische Weltraumbehörden haben dort wiederholt Raumschiffe und Satelliten kontrolliert zum Absturz gebracht.

Über 260 Weltraumfahrzeuge sollen bis 2016 am Point Nemo verklappt worden sein, angefangen von den russischen Raumstationen Saljut 1 bis 6, weiterhin sollen ausrangierte Satelliten und Teile der Mir dort versenkt worden sein.

Obgleich es fernab jeglicher Zivilisation liegt - auch am Point Nemo wurde Mikroplastik gefunden, wenn auch in einer geringeren Konzentration als im Mittelmeer und im westlichen Pazifik, wie Wissenschaftler des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel berichteten.

Bei der "Volvo Ocean Race" im Herbst 2018, einer Hochseeregatta rund um die Erde, gab es eine Kooperation zwischen Segelsport und Meeresforschung: So konnten während der Regatta mittels an Segelbooten angebrachten Sensoren ozeanographische Daten und die Verteilung von Mikroplastik gemessen werden.

Verwendete Quellen:

  • Max-Planck-Gesellschaft: "Mikroben im Südpazifischen Wirbel"
  • LiveScience.com: "Where Is the Literal 'Middle' of the Ocean?"
  • Helmhotz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel: "Mikroplastik sogar am Point Nemo"
  • GEO.de: "Point Nemo - Das ist der abgelegenste Ort der Erde"
  • Heise.de: "Zahlen, bitte! Point Nemo - Raumschiff-Friedhof am abgelegensten Punkt der Erde"
  • Spektrum.de: "Ein fast totes Meer"
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