Ärzte, Sozialarbeiter oder Lehrer: Lesen Sie hier, welche Berufsgruppen besonders Burnout gefährdet sind und warum.

Burnout ist mittlerweile so etwas wie eine Volkskrankheit. Immer mehr Menschen klagen über Erschöpfungszustände und geminderte Leistungsfähigkeit infolge ihrer harten Arbeit. Dabei sind einige Berufsgruppen besonders betroffen.

Burnout - Wer ist gefährdet?

Während Burnout anfänglich nur mit helfenden Berufen wie zum Beispiel Ärzten, Sozialarbeitern oder Krankenschwestern in Verbindung gebracht wurde, finden sich heute Burnout-Betroffene auch in vielen anderen Berufsgruppen. Vor allem Lehrer, Journalisten, Bankangestellte, Manager, Sekretärinnen, Polizisten, Richter, aber auch Pfarrer, Sportler und Stewardessen fühlen sich immer häufiger "ausgebrannt".

Dennoch trifft es noch immer überwiegend Menschen in helfenden Berufen. Die Gründe dafür sind vielfältig. So haben es etwa Sozialarbeiter häufig mit einer schwierigen Klientel zu tun. Sich von den Problemen ihrer Patienten ausreichend abzugrenzen, um nicht selbst davon hinuntergezogen zu werden, ist ein schwieriges Unterfangen, das nur wenigen gelingt.

Zudem fehlt es gerade in solchen Berufsgruppen oft an positivem Feedback, der Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit. Erfolgserlebnisse sind rar. Stattdessen arbeiten etwa Ärzte und pflegend Tätige ständig unter hohem Zeitdruck, schaffen es nicht einmal nach Feierabend richtig abzuschalten und nehmen die Sorgen ihrer Patienten oft mit nach Hause.

Therapeuten in Suchtkliniken geht es da ähnlich. Werden Süchtige etwa rückfällig, macht sich angesichts des Therapie-Misserfolgs bei dem behandelnden Arzt oft Frustration breit. Die Arbeit scheint ein Fass ohne Boden zu sein, so formulieren es Burnout-Betroffene häufig.

Helfer sind oft auch privat Ratgeber in der Not

Warum Menschen in Helferberufen Zuhause nie richtig entspannen und von ihrer Arbeit abschalten können, hat auch einen anderen Grund, wie der Kölner Psychologie-Professor Dr. Jörg Fengler weiß. "Schuld" daran sei deren Attraktivität als Gesprächspartner. So werden vor allem Therapeuten auch privat von Bekannten angesprochen und bei Schwierigkeiten aller Art um Rat gefragt. Spätestens, wenn der Bekanntenkreis überwiegend aus "Patienten" besteht müsse dem Einhalt geboten werden, rät der Psychologie-Professor.

Dazu kommt oft noch ein gewisser öffentlicher Erwartungsdruck, ist Fengler überzeugt. So würde etwa von Eheberatern oder Paartherapeuten erwartet, dass sie eine vorbildliche, glückliche Ehe führten. Beziehungsprobleme sind da hinderlich - was jedoch wiederum den Druck auf die Partnerschaft erhöhe.

Auch Lehrer stünden oftmals unter dem öffentlichen Druck, bloß keine Fehler machen zu dürfen. Schließlich sehe sich fast jeder als Experte in Sachen Schule und Erziehung - sei es, weil man selbst einmal zur Schule gegangen ist oder mittlerweile eigene Kinder hat.

Dieser von außen erzeugte Druck erschwere aber die Situation für die Betroffenen zusätzlich.

Burnout in anderen Berufsgruppen

Natürlich können auch Beschäftigte anderer Berufsgruppen ein Burnout erleiden, sagt Psychologie-Professor Fengler: "Das kann die Sekretärin im Prüfungsamt der Universität sein, die seit Jahrzehnten den Studierenden immer wieder das Gleiche auf die gleichen Fragen antworten muss - obwohl an ihrer Tür schon ein Schild hängt, dass man zunächst die Prüfungsordnung durchlesen möge, womit sich viele Fragen von selbst erledigt hätten." Aber auch bei Hausfrauen, die für ihre tagtägliche Arbeit kaum Anerkennung erhielten, oder etwa bei Arbeitslosen, die auf der Suche nach einer Beschäftigung immer wieder Rückschläge einstecken müssten, kann sich irgendwann das Gefühl des "Ausgebranntseins" einstellen.

Nach Ansicht des Kölner Professors sei im Grunde jeder Burnout-gefährdet, der über einen längeren Zeitraum eine hohe, multiple und lang andauernde Stressbelastung erfahre. Dazu kommen weitere begünstigende Faktoren wie etwa fehlende Anerkennung oder das Arbeiten unter hoher Belastung und großem Zeitdruck, bei der die betroffene Person zudem nur geringen Eigeneinfluss habe.

Dem Burnout auf mehreren Ebenen entgegensteuern

Das von Professor Fengler entwickelte Konzept zur Burnout-Prophylaxe umfasst Privat- und Berufsleben gleichermaßen. Im Privatleben können vorbeugende Maßnahmen wie etwa positive Naturerlebnisse, das Abschalten mittels Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training, aber auch Ausdauersport oder Tanzen dabei helfen, ausgeglichener und weniger stressanfällig zu sein.

Generell sei es jedoch wichtig, sich selbst mehr in den Vordergrund zu stellen und Anerkennung nicht nur auf der Ebene des Berufs erzielen zu wollen. Dabei können Fragen zur "Sinnbesinnung", die man sich von Zeit zu Zeit ins Gedächtnis ruft, helfen: "Warum habe ich diesen Beruf damals gewählt - verbinde ich mit dieser Tätigkeit immer noch diesen Sinn? Oder sollte ich etwas ändern und beruflich etwas Neues wagen, was mir sinnvoller scheint?"

Für das Berufsleben rät Fengler Bunrout-Gefährdeten, auch einmal das Arbeitsumfeld genauer unter die Lupe zu nehmen - also die Vorgesetzten, das Team und die Institution, für die man arbeitet: Wie ist das Arbeitsklima, erfährt man Anerkennung? Wird gerecht entschieden? Werden Pausen eingehalten? Hat man ein Anrecht auf Coaching, auf Supervision?

Einen weiteren Schwerpunkt in Sachen Burnout-Prophylaxe bildet die Zielgruppe, mit der man arbeitet. Besonders in Helferberufen sollte dieser besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. So sei es etwa wichtig, möglichst mehrere Zielgruppen zu haben: Ein Sozialarbeiter, der überwiegend mit sehr schwierigen Jugendlichen zu tun hat und dadurch wenig Erfolgserlebnisse in seiner Arbeit erfährt, sollte auch einmal mit anderen Jugendlichen arbeiten können, die ihm ein positives Feedback geben.

Leide ich schon unter einem Burnout? Was sind die Symptome?

"Ich kann nicht mehr", "Ich habe keine Kraft mehr", "Ich fühle mich ausgebrannt" - wenn Ihnen solche Gedanken und Gefühle bekannt vorkommen, und das mittlerweile schon seit geraumer Zeit, dann könnten Sie unter "emotionaler Erschöpfung" leiden. Emotionale Erschöpfung gepaart mit einer Form von Unzufriedenheit, bezogen auf die berufliche und/ oder private Situation, gilt als eines von drei Hauptmerkmalen bei einem Burnout.

Das zweite Hauptmerkmal ist die Entfremdung, auch Depersonalisation genannt. Man findet keinen Bezug mehr zu seiner Arbeit, zu seinen Kollegen oder dem Klientel, das man betreut. Das Engagement, das man früher einmal an den Tag gelegt hat, versiegt mehr und mehr. Stattdessen prägt sich eine gefühllose, gleichgültige, und manchmal zynische Einstellung auch gegenüber Kollegen, Klienten oder Patienten aus.

Das dritte Zeichen für einen Burnout ist die abnehmende Leistungsfähigkeit, die sich meist aber erst ganz zuletzt ausprägt, wenn es schon fast zu spät ist. Denn gerade in der Anfangsphase eines Burnouts sind die betroffenen Menschen besonders aktiv.

Quelle: "Burnout-Prävention" Thomas B. H. Bergner, Schattauer, 2011