Seit Anfang 2025 wurde bekannt, dass bei der BMW R 1300 GS Bremsflüssigkeit austreten kann. MOTORRAD erklärt, auf was 98 Prozent der R 1300 GS-Besitzer nun achten sollten und erklärt die Hintergründe.
Ein Deja-vu-Erlebnis für BMW Motorrad, Händler, Werkstätten und GS-Besitzer, obendrein ein unerfreuliches: austretende Bremsflüssigkeit an der vorderen Bremse. Ein bereits von der BMW R 1250 GS bekanntes Phänomen, nun also auch bei der neuen BMW R 1300 GS – und potenziell betroffen sind in diesem Fall 98 Prozent der Fahrzeugbesitzer in Deutschland. Was bisher bekannt ist:
Ähnliche Problematik wie bei der BMW R 1250 GS
Wenige Wochen nach dem Bekanntwerden möglicher Brems-Störungen bei der BMW R 1300 GS wegen zu geringen Schnüffelspiels in der Handbremsarmatur folgt im Frühjahr 2025 das nächste Bremsen-Thema beim BMW-Topseller. Wobei das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Das aktuelle Thema erinnert eher an die Probleme mit undichten Bremszangen beim Vorgänger-Modell BMW R 1250 GS.
Schwitzende Bremszangen und Tröpfchenbildung
Schwitzende Bremszangen bis hin zu Tröpfchenbildung auf der Vorderradfelge und dem Garagenboden – bei der BMW R 1300 GS scheint sich genau dieses Drama zu wiederholen. Und das, obwohl diese Problemzone vermeintlich bereinigt worden war, nämlich mit dem Wechsel des Bremszangen-Zulieferers von Hayes (USA) zurück zu Brembo (Italien).
Sportbremse von Brembo betroffen – und damit fast alle R 1300 GS
Brembo liefert sowohl die Standard-Bremszangen für die BMW R 1300 GS als auch die sogenannte Sportbremse, die als Sonderausstattung im Dynamik-Paket enthalten ist. Zu erkennen ist die Sportbremse an den roten BMW-Schriftzügen. BMW bewirbt sie mit angeblich reduziertem Gewicht und noch besserer Brems-Performance. Von den bisher circa 12.000 in Deutschland ausgelieferten R 1300 GS sind fast alle – 98 Prozent – mit der Sportbremse ausgestattet. Weltweit 97 Prozent von bisher circa 69.000 R 1300 GS.
Bisher 12 Fälle in Deutschland bekannt
Bis Mitte März 2025 sind nach BMW-Angaben insgesamt 12 "Einzelfälle" in Deutschland bekannt. 12 von bisher circa 12.000 in Deutschland ausgelieferten R 1300 GS, das entspricht einem Promille. Die Besitzer der betroffenen BMW R 1300 GS hatten bei ihren Händlern entsprechend reklamiert und bekamen oder bekommen neue Bremszangen. Die undichten Bremszangen befinden sich derzeit bei BMW zur Untersuchung, bislang angeblich ohne genauen Befund.
Technische Ursache in Untersuchung
Die technische Ursache für die Undichtigkeit scheint also noch nicht gefunden worden zu sein. Dass es bei den 12 "Einzelfällen" bleibt, ist indes äußerst unwahrscheinlich. Außerhalb Deutschlands waren bis Mitte März 2025 angeblich noch keine Fälle dokumentiert – wohl nur eine Frage der Zeit, zumindest im Promillebereich.
Niederdruck-Undichtigkeit nach langer Standzeit
Nach bisherigem Erkenntnisstand handelt es sich bei der BMW R 1300 GS um die gleiche Problematik wie zuvor bei der BMW R 1250 GS: Nach langer, mehrmonatiger Standzeit – über den Winter – kann eine sogenannte Niederdruck-Undichtigkeit auftreten. Insbesondere bei den Sportbremsen neuer Fahrzeuge, die vor dem Einmotten noch nicht "sportlich" gefordert waren.
Bisher kein Rückruf in Deutschland geplant
Die Niederdruck-Undichtigkeit führt nicht zum Auslaufen größerer Mengen Bremsflüssigkeit, somit auch nicht zum Bremsversagen. Deshalb stuft BMW dieses Thema – wie bereits bei der R 1250 GS – nicht als sicherheitsrelevant ein. Ein Rückruf ist nicht geplant. Bei der Einordnung als nicht sicherheitsrelevanten "Schönheitsfehler" stimmte das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) im Falle der R 1250 GS zu – und wird das bei der R 1300 GS wahrscheinlich ebenso tun.
Schäden an der Vorderradfelge möglich
Allerdings kann es unter den schwitzenden Sport-Bremszangen der BMW R 1300 GS zur Tröpfchenbildung kommen und, je nach Standposition des Motorrads, zu Ätzschäden von der Bremsflüssigkeit an der vorderen Felge. Derlei ästhetische Beeinträchtigungen wirken sich wertmindernd aus.
Kulante Abwicklung im Rahmen der Gewährleistung
Zumindest in Deutschland bekommen nun zwar nicht die Besitzer einer BMW R 1300 GS Post vom Werk, dafür immerhin die Händler und Werkstätten: Sie sollen das Thema beobachten und entsprechende Reklamationen von Kunden kulant im Rahmen der Gewährleistung abwickeln.
Reparatur-Lösung geplant
Für weitere Fälle undichter Sportbremsen an der BMW R 1300 GS ist vom Werk eine Reparatur-Lösung anstatt Tausch kompletter Bremszangen geplant. Dabei sollen die Bremskolben mitsamt Dichtringen gewechselt werden.
Rückruf der BMW R 1300 GS in den USA?
Die US-Behörde NHTSA hat strengere Anforderungen als das deutsche KBA, auch in puncto Umweltschutz. Deshalb könnte es demnächst zu einem erneuten Rückruf der BMW R 1300 GS in den USA kommen – wie vor einigen Jahren bei der R 1250 GS.
Fazit
Schon wieder ein "Qualitäts-Thema" bei BMW, schon wieder ist der Topseller R 1300 GS betroffen – und schon wieder die Bremse. Konkret geht es dieses Mal um austretende Bremsflüssigkeit bei der "Sportbremse", die als Sonderausstattung bei fast allen bisher ausgelieferten R 1300 GS montiert ist (bei 97 Prozent weltweit). Diese vorderen Bremszangen liefert Brembo zu. Ursache ist wohl Niederdruck-Undichtigkeit bei langer, mehrmonatiger Standzeit – genau wie bereits beim Vorgängermodell R 1250 GS, damals noch mit Bremszangen von Hayes.
Es treten nur geringe Mengen Bremsflüssigkeit aus, akute Gefahr besteht nicht, ein Rückruf steht deswegen aktuell nicht im Raum. In den USA könnte es dennoch erneut zu einem Rückruf kommen, wegen der dortigen strengeren (Umwelt-)Anforderungen. Und der Beschichtung der Felge tun einzelne Tröpfchen ätzender Bremsflüssigkeit auch nicht gut. In Deutschland informiert BMW die Werkstätten, entsprechende Reklamationen kulant im Rahmen der Gewährleistung abzuwickeln. Für weitere Fälle ist Reparatur statt Teiletausch geplant. Bis Mitte März 2025 waren bei BMW in Deutschland angeblich 12 "Einzelfälle" bekannt, außerhalb Deutschlands – noch – keiner. © Motorrad-Online