Sie heißen Gronkh, Y-Titty oder LeFloid und ihre Reichweite lässt TV-Sender und Verlage vor Neid erblassen. Video-Blogger sind Deutschlands neue Superstars, immer nur einen Mausklick entfernt. Aber was macht sie eigentlich so erfolgreich?

Erst stürmten sie das Netz, seit vergangenem Donnerstag erobern Bibi, Fresh Torge und Dagi Bee die deutschen Kinos. 121.488 Besucher zählte der YouTube-Film "Kartoffelsalat – nicht fragen?" in den ersten vier Tagen. Der Erfolg macht deutlich: Es wird nicht der letzte Leinwandausflug der Netzstars gewesen sein.

Erwachsenen ist der Hype um die YouTube-Stars meist fremd. Die wenigen Ü-25er, die sich dieser Tag in den Film trauen, können nur verwundert dreinblicken, wenn Fresh Torge alias Torge Oelrich von der Kinoleinwand ruft: "Sie ist kein Zombie, sie hat sich heute Morgen nur nicht geschminkt" und sich das Publikum vor Lachen den Bauch hält.

Seit 2009 zeigt Oelrich in seinem YouTube-Kanal "Freshhaltefolie" selbstgedrehte Comedysketche. 1,4 Millionen Abonnenten schauen ihm regelmäßig zu. Damit steht der 26-Jährige, der nebenbei als Erzieher an einer Grundschule arbeitet, an der Spitze der YouTuber in Deutschland. Andere, wie Dagi Bee oder Bibi, schminken sich vor laufender Kamera oder bereiten wie LeFloid jugendgerecht Nachrichten auf. Gronkh, der Videospiele spielt und kommentiert, folgen sogar 3,7 Millionen Nutzer.

Was macht diese YouTube-Stars besonders?

Eben gerade, dass sie ganz normal sind oder zumindest den Anschein erwecken. Authentizität ist ihr wichtigstes Gut. Sie sprechen die Sprache der Jugendlichen und leben deren Alltag. Zudem sind sie extrem extrovertiert, haben einen großen Drang zur Selbstdarstellung und kein Problem damit, ihr Leben im Internet zu präsentieren. Selten sind sie wesentlich älter als ihre Fans. Ihre Themen drehen sich um Videospiele, Comedy, Beauty und Mode, sind emotional und subjektiv aufbereitet und damit genau auf die Zielgruppe zugeschnitten.

Verdienen die Selbstdarsteller mit ihren Clips Geld?

Und wie. Mit ihren enormen Reichweiten werden die Jugendlichen nicht nur von Firmen gesponsert, deren Produkte sie in die Kamera halten, sondern sind auch Teilnehmer des YouTube-Partnerprogramms. Vor ihren Clips laufen Werbebeiträge, an denen zunächst YouTube, in der Folge aber auch der jeweilige Kanalbetreiber verdient. Wie viel das genau ist, dürfen die YouTuber aus vertraglichen Gründen nicht sagen. Entsprechend groß ist die Spanne für der geschätzten Einnahmen. So geht die Analyse-Website "Socialblade" davon aus, dass die großen deutschen YouTuber zwischen 6.660 und 81.000 Euro pro Monat verdienen. Gronkh, der meist gesehene unter ihnen, bringt es angeblich auf über 100.000 Euro pro Monat.

Sollte ich dann jetzt nicht sofort YouTuber werden?

Unbedingt! In kaum einem anderen Beruf lässt sich zurzeit so schnell so viel Geld verdienen. Denn Internet hat doch schließlich fast jeder, oder?

Weit gefehlt! Zwar steht YouTube-Profi auf der Liste der Traumjobs von Jugendlichen ganz weit oben, jedoch übersehen viele Fans die harte Arbeit, den Fleiß und das Durchhaltevermögen, die für diesen Beruf unerlässlich sind. Wer nicht mindestens zweimal in der Woche ein für seine Zielgruppe interessantes Video veröffentlicht, ist ganz schnell weg vom Schirm. Die Community möchte unterhalten werden. Die großen Summen verdienen zudem nur die Superstars unter den Kanalbetreibern.

Wohin wird der Hype noch führen?

Schon jetzt ist YouTube nach Google die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Jeden Tag klicken Nutzer rund vier Milliarden Videos an. Viele Jugendliche sind daher längst vom Fernsehen auf das Internet umgestiegen. Auch Talentsucher beobachten YouTube genau: Erst kürzlich nahm der TV-Sender Viva Sami Slimani (Herr Tutorial) unter Vertrag.