Viele Eltern nutzen jede Gelegenheit, um ihre Kinder im Internet zu präsentieren. Das geht schnell und die süßen Fotos bekommen oft viel positive Resonanz. Allerdings interessieren sich auch Kriminelle für solche Bilder – und erhalten deutlich mehr Informationen, als Eltern sich vorstellen können.

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Ist es gefährlich, Kinderfotos bei Facebook und Co. zu posten? Problematisch sei vor allem unbekümmertes Teilen in sozialen Medien und auf öffentlichen Profilen, ohne auf die Privatsphäre und den Datenschutz zu achten, erklärt Iren Schulz.

Die 41-Jährige ist Medienpädagogin und beschäftigt sich beruflich mit den Möglichkeiten und Gefahren des Internets im Hinblick auf Kinder.

Wenn die Server in den USA stehen, wird es schwierig

Schulz zufolge spricht grundsätzlich wenig dagegen, private Fotos in einem klar abgegrenzten Rahmen mit vertrauenswürdigen Menschen zu teilen, etwa über einen Cloud-Speicherdienst, per E-Mail oder im Familien-Chat. Minimieren lässt sich das Risiko, wenn man Ende-zu-Ende-verschlüsselte europäische Dienste nutzt.

Plattformen wie Facebook, Instagram oder Snapchat agieren weltweit. Ihre Server stehen häufig in den USA. Dort gelten weitaus laxere Datenschutzgesetze als in Europa.

Zwischen der EU und der Schweiz auf der einen und den USA auf der anderen Seite besteht seit Mitte 2016 das Datenschutzabkommen Privacy Shield - der Nachfolger des Safe-Harbour-Abkommens. Es wird zwar als derzeit rechtskonform eingestuft, doch schon im Vorfeld der Übereinkunft wurde kritisiert, dass es weiter keine Möglichkeit für EU-Bürger gibt, der kommerziellen Nutzung ihrer Daten durch US-Firmen zu widersprechen.

Selbst wenn in den Datenschutzbedingungen beschrieben ist, welche Daten für welche Zwecke verwendet werden, haben Nutzer langfristig keinen Einfluss darauf, was mit den Bildern geschieht.

Je nach Profileinstellung können unter Umständen Menschen auf der ganzen Welt bei Facebook geteilte Kinderfotos anschauen. Wird zum Beispiel die Einstellung gewählt, dass "Freunde von Freunden" ein Bild sehen können, erweitert sich der Kreis rasch um Tausende Menschen.

Auch ein Download oder Screenshot ist schnell gemacht - und wer ein Foto hochlädt, erhält keine Informationen darüber, wer sich den Schnappschuss lokal speichert. Dieser Gefahr sind sich Eltern oft nicht bewusst.

Schulz sieht Betreiber von privaten Websites im Vorteil: Wer eine eigene Site betreut, hat Einfluss darauf, wie er die Fotos einbindet und wo er sie abspeichert.

Ein Administrator kann zudem einen privaten Bereich einrichten, so dass Fotos nicht für alle Besucher sichtbar sind, sondern nur für ausgewählte Nutzer nach einem Login. Aber auch hier lässt sich letztlich nicht nachvollziehen, was mit den Fotos passiert.

Eltern machen es Kriminellen zu leicht

Postet man die Kinderfotos öffentlich auf Social-Media-Plattformen, kann das extrem gefährlich werden. Zum einen tummeln sich dort auch Pädophile, die gezielt nach Kinderfotos suchen.

Sie nutzen Bilder oft nicht nur für ihre Zwecke, sondern verbreiten sie weiter. So könnten die Bilder am Ende sogar im Darknet landen.

Zum anderen locken Kinderfotos auf Facebook und Instagram auch Entführer und Stalker an. Sie können Informationen über Wohnort, Routinen und Freunde der Kinder sammeln: Oft markieren Eltern die Bilder mit dem aktuellen Standort oder dem Ereignis, bei dem sie aufgenommen wurden.

Facebook etwa speichert zudem die Metadaten der hochgeladenen Fotodatei - sprich: Wo, wann und mit welchem Gerät das Bild aufgenommen wurde. Diese Informationen sind je nach Einstellung zwar nicht öffentlich zu sehen, jedoch müssen sich Eltern bewusst sein, dass die Daten auch dann gespeichert werden, wenn sie der Veröffentlichung nicht zugestimmt haben.

Können Kinder gegen veröffentlichte Fotos klagen?

Eine weitere Gefahr, die Eltern nicht unterschätzen sollten, ist Cybermobbing. Im schlimmsten Fall schämen sich Kinder später für Schnappschüsse und könnten von Klassenkameraden gehänselt werden, wenn diese Babyfotos im Internet entdecken.

Eltern sind - bis ihr Kind 14 Jahre alt ist - dafür verantwortlich, dass das Recht des Kindes auf Privatsphäre und ihr Recht am eigenen Bild gewahrt werden. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass Kinder sich später nicht bloßgestellt fühlen, wenn sie Fotos von sich im Netz finden.

Erziehungsberechtigte sollten sich vor der Veröffentlichung von Fotos daher fragen, ob der Stolz auf das eigene Kind die größte Rolle spielt oder eher das eigene Geltungsbedürfnis. Laut Mediencoach Schulz ist das Posten von kuriosen Szenen aus dem Familienalltag oft mit dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und "Likes" verbunden.

Schulz ist sich sicher, dass die meisten Erwachsenen auch nicht die eigenen Kinderfotos im Internet finden möchten, ohne je einer Veröffentlichung zugestimmt zu haben - und ohne zu wissen, wo sich welche Bilder befinden.

Tatsächlich könnte es dazu kommen, dass Kinder ihre Eltern wegen Verstoßes gegen die Persönlichkeitsrechte verklagen, wenn Fotos von ihnen ohne Einwilligung veröffentlicht wurden. Bisher wurde im deutschsprachigen Raum nur ein Fall bekannt: Jener einer 18-jährigen Österreicherin, der sich im Nachhinein als Falschmeldung herausstellte.

Wenn doch Kinderfotos gepostet werden sollen

Wenn Eltern unbedingt Fotos von ihren Kindern veröffentlichen möchten, rät die Initiative "Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht" dazu, dass der Nachwuchs nur mit Sonnenbrille oder von hinten zu sehen ist.

Beim Hochladen von Bildern über das Smartphone sollte man darauf achten, dass die Standorterkennung deaktiviert ist, damit andere Nutzer nicht sehen können, wo ein Bild aufgenommen wurde. Fotos und Profilinformationen sollten immer nur für ausgewählte Kontakte und auf keinen Fall für Suchmaschinen sichtbar sein.

Schulz empfiehlt Eltern zudem, ihren Kindern ein Vorbild zu sein, wenn es um den sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten im Netz geht.

Checkliste zum Posten von Kinderfotos

Folgende Punkte sollten Erziehungsberechtigte im Hinterkopf behalten, wenn sie Kinderfotos posten möchten:

  • Persönlichkeitsrechte der Kinder achten
  • Kinder über ihre Rechte aufklären und miteinbeziehen
  • Kinder nur undeutlich zeigen
  • Fotos möglichst nur in gesicherten Bereichen veröffentlichen
  • Persönliche Daten reduzieren: keine Informationen zu Name, Adresse und Ereignis
  • Rechte Dritter auf dem Bild beachten


Dr. Iren Schulz ist Medienpädagogin und Kommunikationswissenschaftlerin. Die 41-Jährige arbeitet als Mediencoach bei der Initiative "Schau Hin! was dein Kind mit Medien macht".
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