Die Zukunft wird seltsam sein: "The future is going to be weird." Das sagte Elon Musk, als er am Freitag die jüngsten Entwicklungen seines Unternehmens Neuralink vorstellte, das an einer Hirn-Handy-Verbindung arbeitet. Wir alle könnten in Zukunft in der Lage sein, so der Multiunternehmer, unsere Gedanken und Erinnerungen als Backup abzuspeichern und diese dann in einen neuen Körper oder Roboter hochzuladen.

Nikolaus Röttger
Eine Kolumne
von Nikolaus Röttger
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Elon Musk errichtet eine Welt, die nach Science Fiction klingt. Diese Science Fiction mag zeitlich fern sein, wie der Gehirn-Download. Oder auch örtlich fern sein, wie die Reise ins All, die Musk mit seinem Unternehmen SpaceX bewerkstelligt. Als erstes privates Raumfahrtunternehmen schickte SpaceX dieses Jahr Astronauten zur internationalen Raumstation ISS.

Elon Musk tourt durch Deutschland

Manchmal ist die Science Fiction auch ganz nah: Musk ist diese Woche auf Deutschlandtour, besucht die deutsche Biotech-Firma Curevac und das Tesla-Werk, das in gigantischer Geschwindigkeit in Brandenburg entsteht. Wenn wir ehrlich sind: Ein großes Bauvorhaben schnell in Deutschland umzusetzen, klingt ja auch erstmal nach Science Fiction, der Flughafen Berlin lässt grüßen.

Tesla-Chef Musk aber lässt auch diese Zukunftsvision Realität werden. Schon ab dem kommenden Jahr sollen nahe Berlin jährlich 500.000 Elektroautos entstehen. Ja, die Zukunft wird seltsam sein.

Was das Speichern persönlicher Erinnerungen auf dem Computer angeht: Das klingt für mich – bei allem Zukunftsoptimismus – nach einigermaßen gruseliger Science Fiction. Andererseits: Womöglich können durch Gehirn-Computer-Schnittstellen Querschnittsgelähmte in Zukunft wieder gehen, Seh- und Hörstörungen repariert oder andere Krankheiten geheilt werden. Das ist das große Versprechen.

Technologie, die unter die Haut geht

Technologie kann etwas Großartiges sein, ich persönlich bin zum Beispiel begeistert von den Möglichkeiten eines Cochlea-Implantats für Gehörlose. Auch das wird in den Schädel implantiert wie der Chip, den Musk am Freitag vorstellte.

Noch ist die Neuralink-Erfindung nur an Schweinen getestet worden, der Chip ist acht Millimeter dick und hat 23 Millimeter Durchmesser. Nicht alles, was Neuralink macht, ist superneu; es gibt schon seit Jahrzehnten Forschungen an Gehirn-Computer-Schnittstellen, durchaus erfolgreich. Musk versucht, diese Forschung nun zu optimieren, so wie er es auch bei anderen Projekten gemacht hat.

Technologie wird also in Zukunft nicht nur zunehmend unter die Haut gehen, sondern auch in unseren Kopf. Wird dies zu einer Verschmelzung von Mensch und Künstliche Intelligenz führen, wie Musk sie prophezeit? Wollen wir das? Und welches Menschenbild legen wir unserem Handeln zugrunde?

Ob der deutsche Investor Frank Thelen mit seiner Vorhersage Recht hat, dass irgendwann der AppStore fürs Gehirn kommt, weiß ich nicht. Ich teile aber seine Ansicht, dass wir uns schnellstmöglich mit solchen Fragen beschäftigen müssen. Künstliche Intelligenz (KI) wird unser aller Leben grundlegend verändern.

Texte wie von Geisterhand geschrieben

Denn auch diese Science Fiction kommt immer näher: Seit kurzem etwa sorgt das amerikanische Unternehmen OpenAI mit einer der wohl mächtigsten Sprach-KIs für Aufmerksamkeit.

GPT-3 heißt das Programm, es ist mit einem gewaltigen Datensatz gefüttert worden. Unter anderem das gesamte englischsprachige Wikipedia ist Teil des KI-Wissens, macht aber nur 0,6 Prozent aller Daten aus, die GPT-3 intus hat.

Man gibt der KI ein paar Sätze vor, dann schreibt sie selbständig Romane, Artikel, Gedichte, Computercode. Das ist häufig so gut, dass den Texten nicht unbedingt anzumerken ist, ob sie von einer Maschine oder einem Menschen stammen.

Dieser hier, den Sie gerade gelesen haben, ist – das sei Ihnen versichert – von einem Menschen verfasst, der am Ende noch eine Frage hat: Raten Sie mal, wer das Unternehmen OpenAI mit initiiert hat? Genau, Elon Musk.

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