Erst Microsoft, jetzt Facebook: Fast wirkt es wie eine abgesprochene Aktion, in der die Unternehmen gegen Hacker, Datenklau und Desinformation im Netz vorgehen. Sie zeigen mit dem Finger nach Moskau und Teheran.

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Nach einem entschiedenen Vorgehen von Microsoft gegen Hacker ist jetzt auch Facebook gegen Beeinflussung von außen vorgegangen. Das Online-Netzwerk hat nach Darstellung seiner Chefs Mark Zuckerberg den nächsten Versuch aufgedeckt, Propaganda mit Hilfe hunderter gefälschter Profile zu verbreiten.

Das soziale Netzwerk löschte demnach 652 Accounts, Seiten und Gruppen, die aus dem Iran und mutmaßlich vom Umfeld des russischen Militärgeheimdiensts betrieben worden seien. Es habe sich um koordinierte Aktionen mit verknüpften Accounts gehandelt, sagte Zuckerberg in einer Telefonkonferenz mit Journalisten in der Nacht zum Mittwoch.

Microsoft verhinderte Hacker-Angriff auf anstehende Wahlen

Am Vortag hatte Microsoft die Kontrolle über sechs täuschend echt aussehende Webdomains übernommen, die nach Angaben des Unternehmens für Phishing-Attacken genutzt werden sollten: Nutzer hätten auf die Sites gelockt werden können, um ihre Geräte mit Schadsoftware zu infizieren.

Auf ähnliche Weise waren Hacker 2016 im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf in Systeme der demokratischen Partei eingebrochen und hatten in großem Stil Daten entwendet. Es handelt sich diesmal vermutlich um dieselbe Hackergruppe.

Nach Ansicht von Microsoft wurden so Cyberattacken auf den US-Senat und konservative Denkfabriken mit Blick auf die nächste große Wahlrunde in den USA im November vorbereitet.

Websites erwecken den Anschein einer Anbindung an Microsoft-Dienste

Die Domains erweckten zum Teil den Eindruck, mit Microsoft-Diensten verbunden zu sein. Sie seien von einer Hacker-Gruppe registriert worden, die im Westen unter den Namen APT28, "Fancy Bear", "Strontium" oder "Sofacy" bekannt ist, erklärte Microsoft.

Sie wird unter anderem auch hinter dem Hackerangriff auf den deutschen Bundestag 2015 vermutet. Nach Einschätzung westlicher Experten stehen hinter der Gruppe russische Geheimdienste. Der Kreml wies alle Anschuldigungen umgehend zurück.

Zuckerberg: Facebook ermittelt immer noch

Das aktuelle Vorgehen von Facebook sei das Ergebnis von vier getrennten Untersuchungen gewesen, erklärte Zuckerberg. "Wir ermitteln immer noch und es gibt eine Menge, was wir noch nicht wissen."

Die Verbindungen der iranischen Accounts zu staatlichen Medien des Landes hätten zum Teil über öffentlich zugängliche Registrierungsinformationen nachgewiesen werden können.

Hunderttausende Nutzer hätten mindestens einen dieser gefälschten Accounts abonniert. Die Zuordnung von Aktivität zu russischen Geheimdienstkreisen beruhe hingegen auf Erkenntnissen amerikanischer Sicherheitsbehörden, hieß es. Diese Accounts hätten sich vor allem auf Syrien und die Ukraine fokussiert und diesmal die USA nicht im Visier gehabt.

Facebook hatte zuletzt Ende Juli einen Versuch gemeldet, mit einem Netzwerk gefälschter Profile die öffentliche Meinung in den USA zu manipulieren. Das Social Network war hart dafür kritisiert worden, dass auf der Plattform vor allem im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 gefälschte Accounts in großem Stil Falschinformationen verbreiten konnten.

Deswegen verschärfte das Unternehmen im vergangenen Jahr die Sicherheitsvorkehrungen. Aktuell liefen noch mehrere weitere ähnliche Untersuchungen, sagte Zuckerberg. In den USA will man vor allem Manipulationen der öffentlichen Meinung vor den Kongresswahlen im November verhindern.

Die Aktivität russischer Hacker ist in den USA ein brisantes Thema. Größte Aufmerksamkeit haben die Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller zur Einmischung Russlands in die Präsidentenwahl 2016, die von US-Präsident Donald Trump als "Hexenjagd" abgetan werden. (ank/dpa)

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