1,8 Milliarden Menschen weltweit nutzen das soziale Netzwerk Facebook. Unter den Millionen von Posts, die täglich abgesetzt werden, sind zahlreiche Fake-News, Pornos und Hassnachrichten dabei. Die Menschen, die diese Posts aussortieren, stehen unter schwerer psychischer Belastung, wie eine Recherche des "SZ-Magazins" nun enthüllte.

Auf Facebook laden viele Menschen ihren Hass und verbalen Abfall ab. Ein "Löschteam" sorgt dafür, dass diese Posts nicht den Weg an die Öffentlichkeit finden. Verantwortlich dafür ist der Dienstleister Arvato. Das Unternehmen beschäftigt in Berlin 600 Menschen, die diese Arbeit für Mark Zuckerbergs Konzern erledigen. Das "SZ-Magazin" hat mit Mitarbeitern gesprochen und Facebooks Löschregeln aufgedeckt, die sogar vor dem Bundesjustizministerium geheim gehalten worden sein sollen.

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Die Regeln seien kaum zu verstehen. "Ich habe meinem Teamleiter gesagt: Das gibt's doch nicht, das Bild ist total blutig und brutal, das sollte kein Mensch sehen müssen. Aber er meinte nur: Das ist deine Meinung." Mitarbeiter sollen versuchen, so zu denken, wie Facebook es will. "Wir sollten denken wie Maschinen", wird ein Arvato-Mitarbeiter im "SZ-Magazin" zitiert.

Schlimmste Kinderpornografie

In einem Live-Gespräch auf Facebook berichtete SZ-Autor Till Krause genauer über die Recherche: Hakenkreuze und Großaufnahmen von Geschlechtsteilen seien noch das geringste Übel: "Foltervideos, Enthauptungen, schlimmste Kinderpornografie und Menschen, die Tiere zertreten, Dinge, so brutal, dass wir sie gar nicht aufgeschrieben haben" seien an der Tagesordnung.

Die Mitarbeiter seien täglich mit solchen Posts konfrontiert: "Mindestens ein Mal pro Stunde sieht man den absoluten Horror", berichtete ein Angestellter. Ein Informant habe Krause gesagt, durch die Arbeit habe er den Glauben an das Gute im Menschen verloren.

Arbeit teilweise von Flüchtlingen übernommen

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Ausreichend professionelle Hilfe oder gar Betreuung erhielten die Mitarbeiter nicht. Es gebe keinen Psychiater oder Psychologen, der die Mitarbeiter betreue. Einzig eine Sozialpädagogin biete Gruppengespräche an. Von dieser wisse man jedoch nicht, ob sie überhaupt der Schweigepflicht unterliege, oder Probleme eventuell gleich den Vorgesetzten mitgeteilt würden.

Krause schildert den Fall einer Quelle, die seit geraumer Zeit keine sexuellen Beziehungen mehr aufnehmen könne: "Sie bekommt die Bilder der Kinderpornografie einfach nicht mehr aus dem Kopf", so der Journalist.

Arvato-Mitarbeiter können oftmals kein Deutsch, die Anstellung sei eine der wenigen Jobs in Berlin, die man ohne Deutschkenntnisse ergattern könne. "Da arbeiten dann teilweise auch syrische Flüchtlinge", sagt Krause.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) fordert gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" mehr Transparenz. Er könne sich vorstellen "soziale Netzwerke zu verpflichten, in überschaubaren Zeitabständen öffentlich zu berichten, wie viele Beschwerden zu strafbaren Einträgen es gegeben hat und wie sie damit umgegangen sind".

Zudem könne er sich vorstellen, Bußgelder zu verhängen, sollten andere Maßnahmen nicht greifen. Das sei ein starker Anreiz zum Handeln.

Weder Facebook noch Arvato wollten sich zu den Geschehnissen äußern.

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