Kim Kardashian und Elon Musk haben stark abgenommen und sollen dafür auf ein Diabetesmedikament gesetzt haben. Der Wirkstoff hat jedoch viele Nebenwirkungen und die Anwendung kann sogar gefährlich sein. Nun kann das Mittel auch in Deutschland verschrieben werden - allerdings nur für bestimmte Patientinnen und Patienten.

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Kim Kardashian soll es getan haben, Elon Musk auch: Beide haben stark abgenommen – und beide sagen, dass sie sich dafür ein Diabetesmedikament gespritzt haben. Es handelt sich dabei um ein Mittel mit dem Wirkstoff Semaglutid, das in den USA frei erhältlich ist. Es kostet rund 1.300 Dollar und wird unter den Namen "Wegovy" und "Ozempic" vertrieben.

Ab Montag (17.7.) können Ärztinnen und Ärzte nun auch in Deutschland Patienten und Patientinnen mit Adipositas "Wegovy" verschreiben, wie der Hersteller Novo Nordisk auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte. Apotheken können das rezeptpflichtige Medikament dann auch beim Großhandel bestellen.

Novo Nordisk rechnet mit einer hohen Nachfrage und einem begrenzten Angebot. Wegen des Abnehmhypes in den sozialen Medien rund um das Mittel ist es in der vergangenen Monaten auch schon zu Engpässen gekommen. Ärztinnen und Ärzte bittet der in Dänemark ansässige Pharmakonzern deshalb, das Mittel "verantwortungsvoll" zu verschreiben. Es ist rezeptpflichtig und die Kosten werden nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Novo Nordisk gibt den Apothekenabgabepreis einer 4-Wochen-Ration für die höchste Dosis mit gut 300 Euro an.

"Wegovy" ist seit Anfang 2022 in der EU zugelassen. Der darin enthaltene Wirkstoff Semaglutid soll zusammen mit einer Diät und Bewegung bei Gewichtsverlust und -kontrolle unterstützen. Gedacht ist es in erster Linie für Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 30, also Adipositas. Das Medikament wird einmal die Woche verabreicht, Patientinnen und Patienten können es sich selbst spritzen.

Wie funktioniert die Abnehmspritze?

Aber wie funktioniert das überhaupt? Wieso nimmt man durch die Spritzen ab? Der Wirkstoff wird eigentlich bei Diabetes eingesetzt. "Er ahmt einen körpereigenen Botenstoff nach, der dem Gehirn signalisiert, dass man satt ist", erklärt Afschin Fatemi, Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt ästhetische Medizin aus Düsseldorf. "Dadurch isst man weniger."

Weil der Wirkstoff Semaglutid den Blutzuckerspiegel senkt, bringt der Körper darüber hinaus Energie auf, um ihn zu stabilisieren. Das führt dazu, dass mehr Kalorien verbraucht werden und der Grundumsatz steigt – was ebenfalls eine Gewichtsabnahme fördert.

Ist es also eine gute Idee, sich zum schnellen Abnehmen Semaglutid zu spritzen? "Ich sehe das sehr kritisch", sagt Fatemi. "Man sollte sich immer verdeutlichen, dass es sich nicht um ein harmloses Wellnesspräparat oder ein Nahrungsergänzungsmittel handelt, sondern um ein Medikament, das tief in die Prozesse des Körpers eingreift."

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt "Wegovy" daher nur für Personen, die einen Body-Maß-Index (BMI) von mindestens 30 haben. Möglich ist auch der Einsatz ab einem BMI von 27, wenn es weitere gesundheitliche Probleme wie einen hohen Blutdruck oder erhöhte Blutfettwerte gibt, die mit dem Übergewicht zusammenhängen. Das niedriger dosierte "Ozempic" ist von der EMA nur für Menschen mit Diabetes zugelassen.

Es drohen erhebliche Nebenwirkungen

Selbst bei sachgemäßer Anwendung kommt es häufig zu Nebenwirkungen. "Insbesondere in den ersten Tagen der Anwendung können Übelkeit, Durchfall und Erbrechen auftreten", sagt der Experte. Vor allem in den ersten Tagen nehmen viele Patientinnen und Patienten stark ab, da sie wegen der Übelkeit keinen Hunger haben. "Wenn nach einiger Zeit eine Gewöhnung eintritt und die Abnahme sich verlangsamt, gibt es die Gefahr, dass Patienten immer mehr von dem Mittel nehmen, nach dem Motto: viel hilft viel", sagt der Arzt.

Insbesondere das ist gefährlich: Im schlimmsten Fall droht ein Koma durch eine starke Unterzuckerung. "Aber auch die leichteren Nebenwirkungen bei einer Überdosierung wie etwa Blutdruckabfall oder Ohnmacht sind nicht sehr angenehm", sagt der Experte.

Vorsicht bei unseriösen Anbietern

In Deutschland sind Präparate, die Semaglutid enthalten, - wie jetzt "Wegovy" - nur mit Rezept erhältlich, aber manchmal gibt es gefährliche Schlupflöcher. "Ich habe es schon erlebt, dass Ärzte entsprechende Rezepte ausstellen, ohne ihre Patienten auch nur gesehen zu haben", sagt Fatemi. "Ich halte das nicht nur für unseriös, sondern auch für brandgefährlich."

Das kann vor allem dann ein Problem sein, wenn Vorerkrankungen nicht abgefragt werden, Patienten und Patientinnen gar nicht stark übergewichtig sind oder die Medikamente überdosieren. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich.

In anderen Fällen werden "Wegovy" oder "Ozempic" im Internet angeboten – bei dubiosen Shops im Ausland. Das ist nicht nur illegal, sondern ebenfalls gefährlich: "Man weiß nie, was man am Ende bekommt", sagt der Experte, der dringend von einer solchen Bestellung abrät. "Im besten Fall hat man nur Geld verloren, weil gar kein Wirkstoff enthalten ist. Es kann aber auch sein, dass es Verunreinigungen mit Schwermetallen gibt, dass ein ganz anderer Wirkstoff enthalten ist, oder dass er deutlich höher dosiert ist, als angegeben ist."

"Wenn man sein Leben nicht umstellt und sein Verhalten nicht ändert, hat man das Gewicht schnell wieder zurück – und oft noch ein paar Kilos dazu."

Facharzt Afschin Fatemi über das Abnehmen mit Diabetesmittel

Ganz unabhängig davon sind radikale Abnehmkuren für den Körper problematisch – unabhängig davon, ob die Gewichtsabnahme mit oder ohne Medikamente erzielt worden ist. "Wenn man sein Leben nicht umstellt und sein Verhalten nicht ändert, hat man das Gewicht schnell wieder zurück – und oft noch ein paar Kilos dazu", sagt Fatemi.

"Wegovy" und verwandte Präparate seien außerdem nicht dafür geeignet, sie dauerhaft zum Abnehmen einzusetzen. "Dafür greifen sie zu stark in den Zuckerstoffwechsel des Körpers und weitere hormonelle Regelkreise ein, die mit dem Zuckerstoffwechsel zusammenhängen."

Hinweis: Dieser zuletzt im Februar 2023 veröffentlichte Beitrag wurde aus aktuellem Anlass aktualisiert und neu veröffentlicht.

Verwendete Quellen:

  • Dr. Afschin Fatemi, Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetische Medizin
  • European Medicine Agency: Wegovy
  • European Medicine Agency: Ozempic
  • Material der dpa
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