Ein größerer Busen, eine kleinere Brust, oder eine Straffung nach einer Schwangerschaft: Zehntausende Frauen in Deutschland legen sich jedes Jahr unters Messer, weil sie nicht zufrieden mit ihrem Busen sind. Rund 25.000 Brustvergrößerungen gibt es jedes Jahr, meist setzen die Ärzte den Frauen Silikonkissen ein.

Mit dem Thema muss sich jetzt auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) befassen: 2010 war bekannt geworden, dass die französische Firma PIP Implantate aus nicht zugelassenem Billigsilikon produziert hatte.

Weltweit haben Chirurgen wohl hunderttausenden Frauen PIP-Silikonkissen implantiert, in Deutschland sollen mehr als 5.000 Frauen betroffen sein. Eine 64-Jährige hatte anschließend gegen den TÜV Rheinland-Pfalz wegen unzureichender Kontrollen geklagt.

Der Bundesgerichtshof gab das Verfahren an die EU-Richter weiter, die hoben das Urteil gegen den TÜV Rheinland auf. Das Unternehmen habe seine Verpflichtungen bei der Zertifizierung der PIP-Produkte erfüllt.

Betroffene müssen die auftretenden Symptome sehr ernst nehmen.

Im November 2015 ging der Prozess gegen den PIP-Gründer und vier frühere Mitarbeiter weiter. Ein Urteil wird heute erwartet.

Doch warum lassen sich Frauen ihre Brüste operieren? "Es ist eine sehr subjektive Entscheidung, ob sich eine Frau eine Brust-OP wünscht", erklärt Dr. Mark A. Wolter, Facharzt für Chirurgie und ästhetische Chirurgie in Berlin.

"Es hängt immer davon ab, was sie stört. Manche Frauen haben ein volles A und einen perfekt schönen Busen, aber sie wollen mehr. Andere Frauen haben gar keinen Busen und sind trotzdem sehr zufrieden."

Bei solchen kosmetisch-ästhetischen Eingriffen sehen die Krankenkassen allerdings keinen Grund für eine Kostenübernahme. Sie zahlen ausschließlich medizinisch notwendige Operationen. Auch die gibt es - allerdings viel seltener als die aus ästhetischen Gründen.

"Im Einzelfall können dabei auch Behandlungen der plastischen Chirurgie übernommen werden, wenn diese medizinisch notwendig sind, zum Beispiel Brustrekonstruktionen nach Brustkrebs oder bei schweren Entstellungen nach Brandverletzungen. Dabei trifft der Arzt die Entscheidung über die medizinische Notwendigkeit", erklärt Gabriele Baron, Sprecherin der Techniker Krankenkasse.

Ähnlich äußert sich auch Nils Franke vom AOK Bundesverband: "Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten, wenn der Arzt sagt, eine OP ist medizinisch notwendig."

Das könne auch der Fall sein, wenn etwa eine Frau zu kleine Brüste habe und der Mediziner ihr attestiert, dass dies eine schwere psychische Belastung für sie ist. Das müsse aber immer im Einzelfall entschieden werden.

Häufigster Wunsch: Brustvergrößerung

Dieses Horrorszenario ist gar nicht so selten wie Sie vielleicht denken.

Die Top 3 der ästhetisch-plastischen Operationen sind hierzulande seit Jahren unverändert, so die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC): Brustvergrößerung, Lidstraffung und Fettabsaugung sind die häufigsten Eingriffe.

Auch in Wolters Praxis ist die Vergrößerung der Brust der häufigste Wunsch der Patientinnen, der Arzt hat sich darauf spezialisiert. Er führt eine solche OP etwa 150 Mal pro Jahr durch.

Es gibt vor allem zwei Zeitpunkte, an denen sich Frauen für eine Brust-OP entscheiden, hat Dr. Wolter festgestellt: Die eine Hälfte, wenn sie jung sind, also etwa von Anfang bis Mitte 20.

Und die andere Hälfte sind die, die Kinder geboren haben, also etwa ab Mitte 30 bis Mitte 40. Das Brustvolumen kann sich nach der Schwangerschaft und Stillzeit verändern, der Busen erscheint schlaffer.

Manche Frauen wünschen sich dann eine Straffung. "Früher kamen mehr Frauen nach der Schwangerschaft, heute ist eine Brustvergrößerung aber viel normaler und selbstverständlicher geworden, auch für jüngere Frauen", sagt der Experte.

Wie groß ist die Gefahr für Komplikationen?

Ernsthafte medizinische Komplikationen gibt es bei einer Brustvergrößerung laut dem Experten fast nicht. "Natürlich besteht bei jeder OP die Gefahr von Infektionen, Blutungen oder Thrombosen, doch die sind bei einer Brust-OP alle sehr gering. Auch Kapselfibrosen sind selten."

Das ist die Ausbildung einer harten Kapsel, die nach einer Brustvergrößerung durch das Einsetzen eines Implantats entstehen kann. Eine solche Kapselfibrose macht einen erneuten Eingriff erforderlich.

Aderlass oder Elektroschocks waren früher gängige Behandlungsmethoden.

Die Gefahr dafür steigt, wenn die Brust-OP über einen Achselschnitt erfolgt. Es gibt generell drei Operationsmöglichkeiten: den Brustfaltenschnitt, der am häufigsten durchgeführt wird und selten Probleme bereitet.

Die zweithäufigste Methode ist der Warzenvorhof-Randschnitt. Er kann allerdings später Schwierigkeiten beim Stillen und bei der Krebsvorsorge bereiten. Dr. Wolter führt in seiner Praxis hauptsächlich den Brustfaltenschnitt durch, den Warzenvorhof-Randschnitt seltener.

Die dritte Möglichkeit ist der Achselschnitt, bei dem keine Narbe an der Brust selbst entsteht. Dafür können die mit Abstand meisten Komplikationen entstehen, neben den Kapselfibrosen passiert es auch häufiger, dass die Implantate verrutschen.

Ästhetische Risiken

Die Risiken einer Brust-OP sind generell eher ästhetischer Natur, meint der Mediziner. "Implantate können etwa bei sehr schlanken Frauen Falten machen, das hängt aber von der Ausgangsbrust ab. Es entsteht immer eine Narbe, aber die sieht man nachher kaum. Es handelt sich um einen haardünnen Strich, zwischen 3,5 und 5 Zentimetern, aber der ist in der Brustfalte kaum sichtbar."

Wie gefährlich können die Implantate sein? Die Vereinigung der deutschen ästhetisch-plastischen Chirurgen hat darauf eine Antwort: "Keine einzige wissenschaftliche Studie konnte bis heute eine durch mit Silikongel gefüllte Brustimplantate hervorgerufene Krankheit finden."

Eine US-Studie kam dagegen 2012 zu dem Ergebnis, dass Implantate keineswegs lebenslang halten. Bei 20 Prozent der Patientinnen war demnach innerhalb von zehn Jahren nach dem Einsetzen eine Entfernung der Implantate erforderlich – und zwar auch dann, wenn es von einem streng kontrollierten Hersteller stammte.

Wenn das der Fall sein sollte, kommen auf die Patientinnen Kosten zu. Denn im sogenannten "Piercingparagrafen", Paragraf 52, Absatz 2, SGB V, ist eindeutig festgehalten: Wenn eine OP ursprünglich ästhetische Gründe hatte, muss der Patient an den Kosten beteiligt werden, falls später etwas entfernt werden muss.

Nach Angaben des AOK Bundesverbandes kann das beispielsweise ein Implantat sein, dass nach einer Brustvergrößerung zu Komplikationen führt. "Doch wie das gehandhabt wird, hängt von den einzelnen Kassen ab", erklärt AOK-Sprecher Nils Franke.

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