• Die Corona-Pandemie wütet nach wie vor, viele Menschen sehnen sich deshalb den Impfstoff herbei.
  • Es gibt allerdings auch Menschen, die Bedenken haben.
  • Wie steht es in Deutschland um die Sicherheit von Impfstoffen? Ein Überblick.

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Viele können es kaum erwarten, sich endlich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen. Andere hadern und sorgen sich um die Sicherheit des neuen Vakzins. Wie aber steht es in Deutschland generell um die Sicherheit von Impfstoffen und wie häufig kommen die gefürchteten Impfschäden vor?

Um das Thema Impfschäden zu verstehen, ist es zunächst wichtig, diese von Impfreaktionen und -komplikationen abzugrenzen. Als Impfreaktion gelten unmittelbar nach dem Einstich über ein bis drei Tage auftretende Beschwerden wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle. Dazu können auch Fieber unter 39,5 Grad sowie Kopf- und Gliederschmerzen oder allgemeines Unwohlsein und Übelkeit oder einer Schwellung der Lymphknoten kommen. Über diese möglichen Symptome einer Impfreaktion klärt der Arzt vor der Impfung auf. Sie kommen häufig vor und sind nicht ungewöhnlich.

Impfen: Verdacht auf Komplikation ist meldepflichtig

Impfkomplikationen hingegen sind sehr selten. Unter ihnen versteht man sogenannte unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Konkret sind sie definiert als "nach einer Impfung auftretende Krankheitserscheinungen, die in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten und über die beschriebenen Symptome einer Impfreaktion hinausgehen", erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI).

Der Verdacht einer Komplikation ist meldepflichtig. Die Meldung erfolgt über den Arzt an das Gesundheitsamt. Dieses wiederum ist verpflichtet, die gemeldeten Verdachtsfälle der zuständigen Landesbehörde und dem Paul-Ehrlich-Institut, Deutsches Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (PEI), in pseudonymisierter Form mitzuteilen. Auch ist es für Betroffene möglich, direkt an den Impfstoff-Hersteller oder das PEI zu melden.

Die meisten anerkannten Impfkomplikationen wurden nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in der Vergangenheit durch Impfungen verursacht, die heute nicht mehr empfohlen werden. Dazu zählen die gegen Pocken und Tuberkulose. Die Impfung gegen Kinderlähmung wurde früher mit einem Lebendimpfstoff durchgeführt, welcher jedes Jahr bei ungefähr ein bis drei Geimpften, oder Menschen, die mit ihnen in Kontakt waren, zu einer Erkrankung führte. Heute geschieht dies nicht mehr, da ein Totimpfstoff verwendet wird.

Häufig ist kein ursächlicher Zusammenhang nachweisbar

Im Jahr 2018 wurden dem PEI 3.570 Einzelfallmeldungen über Verdachtsfälle von Impfkomplikationen gemeldet. 82 von ihnen beschrieben einen bleibenden Schaden. Das entspricht 2,4 Prozent der Fälle. Wie ein solcher aussieht, ist sehr unterschiedlich.

Die Meldungen reichen von plötzlichem Kindstod, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Blutungen und Epilepsie. Allerdings lässt sich auch hier häufig der ursächliche Zusammenhang zur Impfung ausschließen oder es fehlen Angaben wie etwa das Impfdatum.

In wenigen Fällen wird die Impfung als Ursache allerdings als wahrscheinlich angesehen. Beispielweise bezogen sich 2018 sieben Meldungen in Deutschland auf die Schweinegrippeimpfung mit dem Impfstoff Pandemrix. Bei Kindern und jungen Erwachsenen zwischen elf und 21 Jahren war aufgefallen, dass sie in der Zeit nach der Impfung Narkolepsie, Schlafsucht, erlitten. Studien und eine Kontrollstudie führten dazu, dass vom PEI der Zusammenhang zwischen der Impfung mit Pandemrix und Narkolepsi als "konsistent" bewertet wird.

Daten zu Impfkomplikationen werden EU-weit erfasst

"Impfungen sind eine der wirksamsten Interventionen im öffentlichen Gesundheitswesen und moderne Impfstoffe haben eine ausgezeichnete Sicherheitsbilanz", sagt das PEI. "In sehr seltenen Fällen kommt es jedoch bei einigen Personen zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen."

Die Untersuchung der Ursachen solcher Ereignisse sei von entscheidender Bedeutung und könne dazu beitragen, die Impfstoffsicherheit zu verbessern, erklärt das PEI. Auch weist das Institut darauf hin, dass "zur Sicherheit eines Impfstoffes nicht die Zahl anerkannter Impfschäden entscheidend ist, sondern die Bewertung der Verdachtsfälle auf Impfkomplikationen".

Sie bieten die Möglichkeit, Risikosignale für sehr seltene Ereignisse frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Die Daten werden inzwischen zentral an die European Medicines Ageny EMA übermittelt. Somit stehen Daten aus allen EU-Mitgliedsstaaten zur Verfügung, um Risikosignale erkennen zu können.

Impfschäden sind Sache der Versorgungsämter

Gefürchtet sind von Impfgegnern und -kritikern immer wieder die sogenannten Impfschäden. Von einem solchen spricht man erst, wenn "die gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung vorliegt", so das Robert-Koch-Institut.

Dabei geht es zum Beispiel darum, dass durch die Folgen einer Impfung eine Behinderung entstanden oder keine Erwerbstätigkeit mehr möglich ist. Kommt es durch eine öffentlich empfohlene Schutzimpfung zu einem Impfschaden, gelten die Regelungen des sozialen Entschädigungsrechts beziehungsweise des Bundesversorgungsgesetzes. Impfgeschädigte enthalten gemäß Paragraf 60 des Infektionsschutzgesetzes auf Antrag eine Versorgung in Form von finanzieller Hilfe. Das gilt auch für Hinterbliebene, falls ein Impfschaden tödlich endet.

Allerdings wird längst nicht jeder vermeintliche Impfschaden anerkannt. Die Entscheidung unterliegt nach genauer Prüfung dem Versorgungsamt des jeweiligen Bundeslandes. Gegen eine negative Entscheidung können Betroffene vor den Sozialgerichten klagen.

Zahl der anerkannten Impfschäden gering

Im Gegensatz zu den Verdachtsfällen von Impfkomplikationen werden die von Impfschäden nicht zentral erfasst. Die Daten unterliegen den Versorgungsämtern. Jedoch gibt der von der nationalen Lenkungsgruppe Impfen (Nali) 2012 veröffentlichte nationale Impfplan Aufschluss über Impfschäden von 2005 bis 2009.

So gingen in dieser Zeit 2.036 Anträge auf Anerkennung eines Impfschadens in Deutschland ein. Anerkannt wurden von ihnen 169. Wenn man nun bedenkt, dass alleine im Jahr 2008 fast 45 Millionen Impfdosen auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland verabreicht wurden, ist diese Zahl gering.

Müssen wir uns vor der Impfung gegen SARS-CoV-2 sorgen?

Was den auch in Deutschland kurz vor der Zulassung stehenden Impfstoff gegen COVID-19 angeht, kommen beruhigende Worte vom PEI: "Endgültig lässt sich die Sicherheit der COVID-19-Impfstoffe erst dann beurteilen, wenn die Bewertung der eingereichten Daten abgeschlossen und die Zulassung erfolgt ist", sagt Pressesprecherin Susanne Stöcker.

Nach den bisher veröffentlichten Zwischenergebnissen scheine es aber keine außergewöhnlichen Reaktionen zu geben. "Es kann allerdings sein, dass die Reaktionen, die beispielsweise von der Grippeimpfung bekannt sind, etwas intensiver ausfallen", weiß Stöcker.

Denn wenn eine Impfung sehr wirksam sei, sei durchaus zu erwarten, dass auch die Impfreaktionen intensiver ausfallen. Entscheidend ist dabei, dass sie insgesamt harmlos und vorübergehend sind.

Informationen zu allen von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen und deren möglichen Nebenwirkungen finden Interessierte unter "impfen-info.de", dem Informationsportal der BZgA. Sinnvoll ist es zudem, sich vor jeder Impfung vom Arzt beraten zu lassen.

Informationen zum Corona-Impfstoff gibt es zudem auf dem YouTube-Kanal des PEI, Paul-Ehrlich-Institut - YouTube, sowie in den FAQs des Paul-Ehrlich-Instituts - FAQ - Häufig gestellte Fragen.

Verwendete Quellen:

  • Anfrage bei der Pressestelle des Paul-Ehrlich-Instituts
  • Robert-Koch-Institut: Sicherheit von Impfungen
  • Daten zur Pharmakovigilanz von Impfstoffen aus dem Jahr 2018. In: Paul-Ehrlich-Institut: Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausg.1/2020, S.15-22
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Wie sicher sind Impfstoffe und welche Reaktionen können vorkommen?
  • Nationale Lenkungsgruppe Impfen. Nationaler Impfplan
  • Ärzteblatt: Grippeimpfung: Wie Pandemrix eine Narkolepsie auslöst

Spahn: Ende des Sommers könnten 60 Prozent der Bürger geimpft sein

Gesundheitsminister Jens Spahn glaubt, dass 2021 bis zum Ende des Sommers 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft sein könnten. Diese Durchimpfungsquote würde einen wichtigen Schritt im Kampf gegen die Pandemie darstellen.
Teaserbild: © imago images/UPI Photo