Hygienemaßnahmen, Mund-Nasen-Schutz und Kontaktbeschränkungen sind in der Coronakrise zum Alltag geworden. In Teilen der Welt fiel daher die Grippewelle deutlich milder aus. Ist dies auch für den kommenden Winter in Deutschland zu erwarten und drängen die Corona-Maßnahmen andere Krankheiten zurück?

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Die Influenza-Saison wurde im März abrupt beendet. Als positiver Nebeneffekt der Corona-Maßnahmen gab es auch weltweit so wenige Grippefälle wie nie zuvor. Im Südhalbkugel-Winter ist die Influenza-Saison in Ländern wie Südafrika, Australien und Argentinien fast ausgefallen, meldete die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Die aktuelle Datenlage deutet auch darauf hin, dass es im kommenden Herbst und Winter in Deutschland wesentlich weniger Grippefälle geben könnte, denn die Influenza-Aktivität ist auf einem niedrigeren Niveau, als es für diese Jahreszeit normalerweise zu erwarten wäre.

Corona-Maßnahmen hielten Grippewelle in Schach

Die Gründe für den milden Verlauf der letzten Grippe-Saison liegen auf der Hand: Im März wurden vielerorts teils drastische Einschränkungen verfügt und der internationale Flugverkehr brach zusammen. Mit der Folge, dass Grippeviren nicht von der nördlichen auf die südliche Halbkugel gebracht wurden und durch Social-Distancing-Maßnahmen die Viren auch in den Ländern selbst mehr Mühe hatten, sich zu verbreiten.

Die Erfahrungen aus dem Frühjahr und den vergangenen Monaten in der südlichen Hemisphäre könnten dafür sprechen, dass sich der Effekt auf der nördlichen Halbkugel wiederholt - wenn auch aufgrund der lockereren Maßnahmen weniger stark. Einen großen Unterschied könnten dabei die geöffneten Schulen machen. Laut Aussagen des Robert-Koch-Instituts (RKI) spielen Kinder für die Verbreitung der jährlichen Grippe eine wesentliche Rolle.

Nichtsdestotrotz sei beispielsweise in den USA die Zahl der zwischen den Grippewellen auftretenden Influenzafälle derzeit auf einem historischen Tiefstand. Verantwortlich dafür sind nach Ansicht der Fachleute die Maßnahmen gegen SARS-CoV-2. Da weniger Massenveranstaltungen stattfänden und allgemein soziale Kontakte eingeschränkt würden, verbreiteten sich die Atemwegsinfektionen weniger.

Grippeimpfung nicht nur für Risikopatienten

Die saisonale Grippe gilt zwar als weniger gefährlich als COVID-19, aber auch diese Krankheit führt weltweit jedes Jahr zu vielen tausend Todesopfern. Der Rückgang der Grippeinfektionen ist daher eine gute Nachricht, denn die Grippe ist während der Corona-Pandemie eine zusätzliche Gefahr für ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere sowie für das Medizin- und Pflegepersonal. Außerdem erhöht die Grippesaison die Zahl der Menschen erheblich, die mit schweren Atemwegserkrankungen in die Kliniken müssen.

Um sich und andere zu schützen, hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits gegen die Grippe impfen lassen und rief in einer anschließenden Pressekonferenz die Bevölkerung auf, sich ihm anzuschließen.

Bei der angeratenen Grippeimpfung geht es etwa darum, Super-Infektionen mit anderen gefährlichen Erregern zu vermeiden - aber auch darum, die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Grippe möglichst gering zu halten. "Wenn viele Menschen an COVID-19 erkranken und dazu noch viele Grippe-Fälle kommen, kann unser Gesundheitssystem an Grenzen stoßen. Das wollen wir vermeiden", sagte Spahn.

Weniger Fälle bei vielen Infektionskrankheiten

Auch andere meldepflichtige Infektionen sind nach Zahlen des Epidemiologischen Bulletins des RKI in diesem Jahr signifikant zurückgegangen: Es gibt kaum eine Infektionskrankheit - von Norovirus-Erkrankungen bis Windpocken - die im Jahr 2020 nicht weniger Fälle verzeichnet als 2019.

Als guter Marker für die Wirksamkeit der allgemeinen Hygienemaßnahmen gilt gerade der Rückgang von Infektionen mit Noro- und Rotaviren, die Magen-Darm-Entzündungen (Gastroenteritis) mit Erbrechen und Durchfall auslösen können.

In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Schulen und Altenheimen, aber beispielsweise auch auf Kreuzfahrtschiffen, können sie Massenausbrüche verursachen. Seit März habe es auch keinen Masernfall mehr hierzulande gegeben.

Weiterhin Disziplin und Hygiene gefragt

Weniger leicht zu überlisten sind hingegen Atemwegserkrankungen auslösende Rhinoviren. Mittlerweile zeichnet sich etwa in Deutschland wieder ein Anstieg der Atemwegserkrankungen ab. Dieser ist beim Wechsel von Sommer zu Herbst erwartbar und pendelt sich laut RKI wieder ungefähr auf dem Niveau der Vorjahre ein.

Ein Hinweis darauf, dass manche Corona-Maßnahmen nicht so strikt eingehalten werden? Möglich, denn diese ebenfalls alljährlich als Welle auftretenden Viren verbreiten sich sehr effektiv durch Schmierinfektion.

Während also Abstand und Maske die über Tröpfchen übertragenen Viren wie Influenza und SARS-CoV-2 deutlich ausbremsen, scheint es mit der Disziplin beim Händewaschen nicht ganz so gut zu klappen.

Lesen Sie auch: Alle aktuellen Informationen rund um die Corona-Pandemie in unserem Live-Blog.

Verwendete Quellen:

  • Bundespressekonferenz "Corona in der kalten Jahreszeit"
  • Influenza Update WHO
  • RKI und Epidemilogisches Bulletin
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