• Atemprobleme sind nach einer Corona-Infektion keine Seltenheit.
  • Doch auf Tipps und Übungen aus dem Internet sollte man dann nicht zurückgreifen, sagt Professorin Judith Löffler-Ragg von der Medizinischen Universität Innsbruck.
  • Nur mit Hilfe von Experten könne man eine Besserung erzielen. Erster Ansprechpartner sei immer der Hausarzt.

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Nach einer Corona-Infektion haben viele Patienten anhaltende Atemprobleme. Entscheidend sei dabei, mit welcher Virusvariante man sich infiziert hat, wie die Immunantwort des Körpers ist und der Verlauf der Erkrankung, sagt Judith Löffler-Ragg, Professorin an der Medizinischen Universität Innsbruck. Bei einem moderaten bis schweren Verlauf kann das Virus mit einer Lungenentzündung einhergehen. Ist der Krankheitsverlauf milde, können Patienten mit anhaltenden Atemproblemen zum Beispiel auf funktioneller Ebene eine Störung haben.

Atemnot ist prinzipiell ein bedrohliches Symptom. "Eine akute Atemnot muss immer ärztlich abgeklärt werden, vor allem wenn sie mit Beschwerden in der Brust oder einem Druck- und Engegefühl einhergeht", sagt die Lungenspezialistin und Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). "Da helfen auch keine Hausmittel oder Standardtipps aus dem Internet", warnt Löffler-Ragg. "Der Hausarzt weiß nach einer Erstuntersuchung, ob Warnzeichen für Akut-Erkrankungen vorliegen und welche Experten zu konsultieren sind", sagt Löffler-Ragg.

An den Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey kann jeder teilnehmen. In das Ergebnis fließen jedoch nur die Antworten registrierter und verifizierter Nutzer ein. Diese müssen persönliche Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angeben. Civey nutzt diese Angaben, um eine Stimme gemäß dem Vorkommen der sozioökonomischen Faktoren in der Gesamtbevölkerung zu gewichten. Umfragen des Unternehmens sind deshalb repräsentativ. Mehr Informationen zur Methode finden Sie hier, mehr zum Datenschutz hier.

Krank und später kurzatmig: Belastung vermeiden

Keine Atemnot liegt hingegen vor, wenn man sich nach einer "normalen" Erkältung noch mehrere Wochen kurzatmig fühlt, so die Pneumologin. Sehr vielen dieser Patienten falle es außerdem schwer, sich anzustrengen. "Das ist aber keine Atemnot", erklärt die Expertin. Das seien unspezifische Atembeschwerden, ausgelöst beispielsweise durch eine bronchiale Überempfindlichkeit und eine infektbedingte muskuläre Leistungsminderung, die allgemein bei Infekten auftreten und gewöhnlich stetig besser werden. Der Patient selber sollte sich in den Wochen nach einer Infektion zurücknehmen und Belastung vermeiden, um regenerieren zu können.

Auch die Regeneration nach COVID-19 dauert bei vielen Patienten oft über Wochen an. Sind die Beschwerden allerdings drei Monate nach Abklingen des Infekts noch vorhanden, sprechen Experten von einem Post-Covid-Syndrom. "Allerdings sollten die Beschwerden von Woche zu Woche graduell besser werden", sagt die Lungenspezialistin. Tritt eine Stagnation oder sogar eine Verschlechterung auf, müssen Experten abklären, ob eine organische Ursache der Grund dafür ist.

"Warum viele bei einem Post-Covid-Syndrom funktionelle Auffälligkeiten wie veränderte Atemmuster haben und vor allem bei einer Belastung hyperventilieren, versteht man noch nicht", sagt Löffler-Ragg. Das sei vermutlich durch viele Faktoren bedingt. So könnten es Störungen im Muskelstoffwechsel sein, die insbesondere die Energiebereitstellung betreffen, aber auch Störungen in der Regulation des autonomen Nervensystems sind möglich. Auch Stress könne einen Einfluss auf die Symptome haben und sollte bei der Rehabilitation berücksichtigt werden. Das Problem ist allerdings, dass es für viele Long-Covid-Patienten keine zeitnahen Reha-Plätze und dergleichen gibt.

Charitè-Video für Atemübungen: Nicht für jeden Long-Covid-Patienten geeignet

Das haben Dr. Anett Reißhauer und ihr Team von der Charité in Berlin bereits zu Beginn der Covid-Situation festgestellt, deswegen stellten sie Videos mit speziellen Atemübungen ins Internet.

"Wir hatten viele Patienten, denen wir ambulant Rezepte zur Atemtherapie ausstellten, aber in den Praxen gab es gar nicht so viele freie Termine", erzählt Reißhauer. Der Bedarf habe die Kapazitäten weit übertroffen. Andere Patienten hätten wohnortnah sogar überhaupt keinen Therapeuten gehabt. "Viele unserer Rezepte liefen also ins Leere", sagt Reißhauer, Leiterin des Arbeitsbereichs Physikalische Medizin und Rehabilitation.

Deswegen produzierten sie und ihr Team die Videos. "Wir wollten diese Situation schnell kompensieren und den Patienten möglichst unkompliziert, niedrigschwellig und kostenfrei etwas anbieten." Das habe sich gut bewährt. "Die Patienten werden von uns in den Sprechstunden untersucht und dann in die Videos eingewiesen. Zuhause können sie dann die Übungen selbständig machen." Im Rahmen des Post-Covid-Netzwerkes wurden die Videos bundesweit bekannt gemacht, sodass auch andere Ärzte und Patientenverbände darauf zurückgreifen können.

Allerdings seien diese Übungen nicht für alle Patienten und Situationen geeignet. "Sind Panikattacken ärztlich bestätigt, sucht man sich am besten professionelle Hilfe, die auf dieses Problem zugeschnitten ist", sagt Reißhauer. Außerdem sei es bei anhaltenden Atemproblemen im Rahmen von Post-Covid immer wichtig, solche Übungen nicht ohne ärztliche Untersuchung zu machen. "Man muss abgehört werden, gegebenenfalls geröntgt werden, eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt werden. Das muss alles abgeklärt werden." Denn manchmal würden andere Ursachen hinter den Atemproblemen stecken. "Ist dann aber alles klar, kann man diese Atemübungen durchführen."

Generell empfiehlt die Expertin bei Atemübungen aus dem Internet, Videos nur von fachkundigem Personal wie Ärzten, Atmungstherapeuten und Physiotherapeuten zu folgen. Außerdem sollte man strikt den Anweisungen folgen. "Hat man das Gefühl, die Atemübungen bringen einem nichts, hört man auf", sagt Reißhauer. Werden Atemübungen regelmäßig durchgeführt, sollte der Patient Fortschritte bei sich bemerken. "Ändert sich an der Problematik oder an den Beschwerden nichts, ist die Grenze erreicht und man sollte seinen Arzt konsultieren."

Patienten können sich in der Belastungsintensität hocharbeiten

Leiden Patienten neben Atemproblemen außerdem noch unter Erschöpfung und dem Fatigue-Syndrom, ist laut der Innsbrucker Pneumologin Löffler-Ragg allerdings oft keine klassische Trainingstherapie möglich. "Sie müssen die Sachen langsam angehen und können sich nur schrittweise in der Belastungsintensität hocharbeiten." Es müsse ein sogenanntes "Pacing" erlernt werden. Hierbei ist auch eine ergotherapeutische Begleitung sehr hilfreich. Eine zusätzliche psychologische Begleitung ist hilfreich, wenn die Patienten zudem noch Angst oder Panik verspüren. "Beides verstärkt die Atembeschwerden", sagt Löffler-Ragg. "Es entwickelt sich eine Spirale, aus der der Patient dann nicht mehr rauskommt." Auch für die Krankheitsbewältigung und für das Gewinnen von neuen Perspektiven ist eine Form der psychologischen Begleitung von Anfang an wichtig.

Hätten Patienten schwere Corona-Verläufe mit einer virusbedingten Lungenentzündung und einer mechanischen Beatmung hinter sich, würden diese meist schon vom Krankenhaus weg in eine stationäre Reha gebracht. Ab der ersten Woche würden dann die psychischen, neurologischen und psychologischen Symptome und Auffälligkeiten angegangen werden. "Das ist dann wichtig, wenn die Patienten zum Beispiel Nervenschäden durch das lange Liegen auf der Intensivstation bekommen haben", sagt Löffler-Ragg.

Nach schweren Corona-Verläufen bleiben narbenartige Veränderungen sichtbar

In Innsbruck haben Löffler-Ragg und ihr Team schwere Verläufe bis zu einem Jahr lang verfolgt. Die Erkenntnis: Langsam kommt es zu einem Abklingen der Beschwerden. "Nach sechs Monaten verbleiben bei jedem zweiten Patienten narbenartige Veränderungen, die im CT sichtbar sind", berichtet die Expertin. "Diese ändern sich nicht mehr bis zum zwölften Monat." Die meisten Patienten hätten aber erfreulicherweise nur wenige dieser Narben, die kaum Symptome nach sich ziehen.

Unabhängig von diesen im CT sichtbaren Resten der Lungenentzündung klagt aber mehr als die Hälfte der Betroffenen nach einem Intensivstations-Aufenthalt über anhaltende Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit sowie Kurzatmigkeit. Das sind laut der Expertin ähnliche Folgen wie bei Post-Covid-Patienten mit milden Verläufen: komplex und in der Ursache noch nicht verstanden. "Hier stehen leider noch keine gezielten Medikamente zur Verfügung", sagt Löffler-Ragg. "Nur durch erfahrene Therapeuten und einer längerfristigen Rehabilitation kommt es zu einer Besserung."

Über die Exptertinnen: Prof. Dr. Judith Löffler-Ragg ist Oberärztin der Ambulanz Pneumologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Innsbruck.
Dr. Anett Reißhauer leitet den Arbeitsbereich Physikalische Medizin an der Charité in Berlin.
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