• Glasscherben, Steine, ausgebrannte Autos: Das ist der Morgen nach den schweren Krawallen in den Niederlanden.
  • Politiker und Bürger sind entsetzt.
  • Die Polizei befürchtet: Das ist erst der Anfang.

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Brennende Autos und geplünderte Geschäfte: In den Niederlanden ist es bei Protesten gegen die nächtliche Ausgangssperre zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu Ausschreitungen gekommen.

In Amsterdam, Eindhoven und mehreren anderen Städten kam es am Sonntag zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Nach Angaben der Behörden und Berichten niederländischer Medien wurden mehr als 130 Menschen festgenommen. Die Polizei sprach von den schlimmsten Krawallen in 40 Jahren und rechnet mit weiteren Unruhen in den kommenden Tagen.

Neue Proteste schon am Montagabend?

Ministerpräsident Mark Rutte verurteilte die Gewalt scharf. "Das ist absolut unzulässig, das hat nichts zu tun mit Protesten, sondern ist kriminelle Gewalt", sagte Rutte am Montag in Den Haag.

Behörden wiesen daraufhin, dass in mehreren Berichten auf sozialen Medien auch für Montagabend zur neuen Protesten aufgerufen werde.

Als mögliche Orte neuer Ausschreitungen wurden Hengelo, Deventer und Enschede - alle im Osten des Landes - genannt. Kommunen und Polizei würden die Berichte ernst nehmen und sich darauf vorbereiten, meldete die Nachrichtenagentur ANP.

Amsterdam: Residenz der Bürgermeisterin muss geschützt werden

Auf einem Platz im Stadtzentrum von Amsterdam setzte die Polizei laut dem öffentlich-rechtlichen Sender NOS Hunde und einen Wasserwerfer ein, um eine Demonstration von rund 1.500 Menschen aufzulösen.

Mindestens hundert Menschen wurden nach Angaben der Stadtverwaltung festgenommen. Wie der Lokalsender AT5 berichtete, zog die Polizei einen Schutzriegel um die Residenz von Bürgermeisterin Femke Halsema.

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In Eindhoven trieb die Polizei hunderte Demonstranten mit Tränengas auseinander, wie der Regionalsender Omroep Brabant berichtete. Mehrere Fahrzeuge seien in Brand gesteckt und Geschäfte am Hauptbahnhof geplündert worden.

Eindhoven
In Eindhoven eskalierten die Proteste.

Die niederländische Bahngesellschaft NS rief Reisende auf, den Eindhovener Hauptbahnhof zu meiden. Der Zugverkehr wurde kurzzeitig unterbrochen. Mindestens 30 Menschen wurden nach Polizeiangaben in der Stadt festgenommen.

Der Bürgermeister von Eindhoven, John Jorritsma, äußerte sich in drastischen Worten über die Eskalation der Proteste. Wenn die Lage sich weiter derart entwickele, "bewegen wir uns auf einen Bürgerkrieg zu", sagte er vor Journalisten.

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Zu Ausschreitungen kam es auch in Apeldoorn, Arnheim, Breda, Den Haag, Enschede, Roermond, Tilburg und Venlo. Bei Protesten am Samstagabend war bereits ein Corona-Testzentrum in der nördlichen Ortschaft Urk in Brand gesteckt worden. Gesundheitsminister Hugo de Jonge sagte, damit hätten die Brandstifter "alle Grenzen" überschritten.

Lockdown in den Niederlanden bis 9. Februar

Das Ausgangsverbot zwischen 21:00 Uhr und 04:30 Uhr war am Samstag in Kraft getreten. Verstöße werden mit einem Bußgeld von 95 Euro geahndet. Es ist die erste Ausgangssperre in dem EU-Land seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie soll zunächst bis zum 9. Februar in Kraft bleiben und bei der Eindämmung der besonders ansteckenden Coronavirus-Variante helfen, die zuerst in England festgestellt worden war.

Mitte Januar hatte die Regierung in Den Haag bereits den Lockdown bis zum 9. Februar verlängert. Schulen, Restaurants und die meisten Geschäfte sind geschlossen. Zudem darf sich nicht mehr als ein Gast bei einem anderen Haushalt aufhalten.

Dänemark: Heftige Aktionen gegen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen

In Dänemark wurden am Wochenende drei Männer festgenommen, die bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen eine Puppe verbrannt haben sollen, die Ministerpräsidentin Mette Frederiksen darstellen sollte. Den Verdächtigen im Alter zwischen 30 und 34 Jahren werden nach Angaben der Polizei ein "Angriff auf die Regierung" und Gewaltandrohung angelastet.

Die Puppe war dänischen Medienberichten zufolge am Samstag in Kopenhagen an einem Laternenmast aufgehängt worden. Auf ihrem Gesicht klebte ein Foto Frederiksens, zudem war ihr ein Zettel mit der Aufschrift "Sie muss getötet werden" angeheftet. Die Puppe wurde dann verbrannt. Der Vorfall löste in Dänemark große Empörung aus.

Mehrere hundert Menschen hatten am Samstagabend in Kopenhagen gegen die derzeitigen Lockdown-Maßnahmen demonstriert. Sie riefen "Freiheit für Dänemark, wir haben genug!". Trotz der wütenden Sprechchöre verlief die Demonstration überwiegend friedlich. Erst nachdem die Polizei die Versammlung aufgelöst hatte, kam es zu Gewalt. Polizisten wurden mit Flaschen beworfen.

Auch in Israel kam es am Sonntagabend zu Ausschreitungen bei Protesten gegen die Corona-Regeln. Betroffen war vor allem die von Strengreligiösen bewohnte Stadt Bnei Brak. Dort setzten Randalierer einen Bus in Brand und versuchten, ein Gebäude der Feuerwehr zu stürmen. Die Polizei setzte Medienberichten zufolge Blendgranaten gegen die Randalierer ein. Viele Strengreligiöse befolgen die Regeln zur Pandemie-Bekämpfung nicht.(hub/afp/dpa)

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